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Soul Demise: Thin Red Line

Das bisher beste Album der Truppe
Wertung: 8,5/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 38:51
Release: 19.05.2017
Label: Apostasy Records

Die Nordbayern Soul Demise holen zum nächsten Rundumschlag aus: Rechnet man das noch unter anderem Bandnamen erschienene Debütalbum mit, so bringt es die Combo nun auf insgesamt sieben Langrillen und eine EP. Bei weitem nicht alle Bands schaffen ähnlich viele Veröffentlichungen und vor allem eine so lange Zeitspanne des Bestehens.

Musikalisch hat sich bei Soul Demise vieles verändert, aber eines blieb über alle Jahre (fast) gleich: In Härte und Wuchtigkeit hat man nicht nachgegeben. Aus diesem Grund ist es schon schwer nachvollziehbar, dass mit „Thin Red Line“ des Öfteren der Begriff Melodic Death Metal in Verbindung gebracht wird. Klar gibt es auf der Platte Melodien. Die gibt es bei Vader oder Behemoth ja auch, aber trotzdem würde dort niemand auf die Idee kommen, von Melo-Death zu sprechen. Das nur mal so am Rande.

„Thin Red Line“ eröffnet mit einem Kracher: „Plaqued By Fear“ erfüllt seinen Auftrag als Anheizer beinahe perfekt. Mit großer Spielfreude zeigen die Mucker hier schon, dass sie mitnichten seit der letzten Veröffentlichung auf der faulen Haut gelegen haben. Stattdessen hat man sich hinter die Instrumente geklemmt und elf feingliedrige und messerscharf akzentuierte Stücke entworfen. Feingliedrig deshalb, weil die Härte hier fast nie durch einfache Rumpelparts oder schnödes Gehacke erschaffen wird, sondern durch präzises Riffing, einen Schlagzeuger mit Trommeltourette und einen Shouter, der ganz offensichtlich zumindest während seiner Einsätze so ab und an mal die Grenzen zum Wahnsinn überschreitet.

Beispiele hierfür gibt es viele auf dem Rundling. Herausgegriffen seien einmal der Opener und der mehr oder weniger Titelsong „T.R.L.O.S.“. Zweitgenannter gehört vielleicht nicht auf den ersten Blick zu den unbestrittenen Highlights, überzeugt aber durch absolut präzises Timing, welches so schnell arrangierte Titel unbedingt brauchen, um Wirkung entfalten zu können. Außerdem ist der Song in mehreren Ebenen konstruiert, sodass man auch nach mehrmaligem aufmerksamen Hören den Spaß nicht verliert, weil es einiges zu entdecken gibt. Ähnlich, aber aus anderen Gründen, wirkt „Plaqued By Fear“. Diese genauso präzise, aber deutlich dramatischere Komposition wirkt vor allem durch die akustischen Arrangements, die klug in den Song eingewebt wurden, ohne die Kraft zu mindern, die das Stück vermittelt. Ganz ähnlich ließen sich noch die meisten anderen Titel aufschlüsseln.

Textlich behandeln die Todesbleier wieder (logischerweise) die Abgründe der menschlichen Existenz. Es geht um Schicksalsschläge („Empty“), einfache und tiefere Ängste („Plaqued By Fear“, „Desperate Cry“), seelische Probleme und Qualen (z.B. „T.R.L.O.S“ und „Frustration“) oder es hagelt auch mal Sozialkritik wie bei „Deceive The Masses“ oder „The Glow Of The Rich Man’s Friend“. Alles in allem überzeugt auch hier die Vielfalt.

Gibt es gar nichts zu meckern? Ehrlich gesagt, nicht viel. Das Album macht einen sauberen, gut durchdachten Eindruck, die Songs überzeugen und die Produktion kann sich durchaus sehen lassen. Je nach Qualität des Hörerohres und der Möglichkeiten der Wiedergabeanlage könnte man sich vielleicht eine etwas klarere Produktion wünschen, die aber dann schon wieder zu Lasten der Dynamik gehen würde. Haarspalterei. Der einzige wahrlich berechtigte Krittelpunkt ist vielleicht die relativ kurze Spielzeit. Zwei Songs mehr hätten schon noch auf die Scheibe gepasst.

Zusammengefasst kann man sagen, dass man die Brachialität des Albums „Acts Of Hate“ nicht ganz erreicht, dieses Defizit aber mehr als wieder gutmacht mit viel verspielterem Songwriting und einfach ausgeklügelteren Arrangements. Der eingeschlagene Weg ist der richtige.

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