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Sotahuuto: Vastarintaan

Finnen mit Mut zur Muttersprache
Wertung: 8/10
Genre: Metal, Thrash Metal, Hardcore
Spielzeit: 42:14
Release: 05.08.2009
Label: Bullroser Records

Eines muss gleich zu Anfang klargestellt werden: Finnisch ist eine unglaublich merkwürdig klingende Sprache, also bedarf es schon einigen Mutes, ein komplettes Album in finnischer Sprache aufzunehmen. Ich persönlich bin nun der finnischen Sprache nicht mächtig; umso sozialer finde ich es, dass im Booklet gleich noch die englische Übersetzung sämtlicher Songtexte abgedruckt ist.

Nach diesem Pluspunkt für soziales Engagement geht´s nun ans Eingemachte. Es warten elf Tracks, die sich auf dem dritten Album der Finnen versammelt haben. Ein Glück für alle, die finnischen Metal schon einmal zu oft gehört haben, dass Sotahuuto weder in die Humppa-Kerbe von Korpiklaani schlagen noch in Richtung Children Of Bodom zu driften drohen. Zwar finden sich auf „Vastarintaan“ Hardcore- und Thrash-Anleihen, doch der Großteil der Songs ist ein recht eigenständiges, man möchte fast sagen gewöhnungsbedürftiges Gebräu.

Los geht´s wie schon erhofft mit schnellen Drums und dichten Gitarrenwänden; Retus gutturaler Gesang wird durch die Background-Vocals der restlichen Bandmitglieder unterstützt. Überhaupt ist es schön zu sehen, dass eine skandinavische Band mit dem klassischen Line-Up auskommt, also zwei Gitarren, ein Bass und Drums plus Sänger, und auf Synthesizer verzichtet. Leider sind die Instrumente insgesamt einen Tick zu laut gestimmt, wodurch die Stimme etwas in den Hintergrund gerät. Die Laute in einer dem Großteil der Weltbevölkerung fremden Sprache lassen den Gesang noch fieser, noch mysthischer erscheinen; das Album lebt von der diffusen Atmosphäre, die durch den alleinigen Gebrauch des Finnischen entsteht.

Mit „Tuhoaja“, bei dem Retu ein wenig überanstrengt klingt, und dem Titeltrack „Vastarintaan“, der sofort mit einem etwas schwerfälligen Rhythmus losbrettert, halten die fünf Finnen diese Stimmung aufrecht. „Salattu Voima“ klingt im Intro fast wie in einer Lagerhalle aufgenommen, was dem Song einen leichten Industrial-Dreh gibt, die Melodie zeigt sich leicht bedrohlich, der Rhythmus ähnelt aber ein wenig zu sehr den vorherigen Songs.

Überhaupt ist das der einzige Minuspunkt, den man dem Album anrechnen kann: Bei einigen Songs hat man das Gefühl, dass die Rhythmus-Spur einfach einmal kurz überarbeitet und für den nächsten Song recycelt wurde. Dennoch befinden sich wahre Schätze auf der Scheibe. Das zungenbrecherische „Peruuttamaton Vala“ beispielsweise wartet mit apokalyptischen Gitarrenklängen auf, Retus Gesang klingt noch eine Spur fieser als sowieso schon, Schlagzeuger Eero bearbeitet seine Felle wie manisch und das alles erreicht den Hörer, ohne dass er die Sprache verstehen muss. Ein grandioses Stück Musik, gegen welches das folgende „Tulenkantaja“ leider etwas schwächelt, klingt es doch ein wenig nach Dimmu Borgir mit Thrash-Einflüssen. Interessante Mischung, dennoch nicht ganz mein Fall. Absolut genial ist dagegen das Endzeit-Intro von „Et Saa Minua Elävänä“, das zwar ziemlich schräge Gitarren beeinhaltet, die sich jedoch perfekt in den Song einfügen und die fiesen Growls untermalen.

Dass Sotahuuto unter anderem auch Soulfly zu ihren Einflüssen zählen, merkt man bei „Neljä Sodan Elementtiä“ sofort; Retu klingt fast eins zu eins wie Max Cavalera zu seinen besseren Zeiten, auch die Flamenco-Gitarre im Zwischenstück erinnert an die Experimentierfreudigkeit des Brasilianers – ein sehr starker Song, trotz relativ wenig Gesang.

Ein Fazit lässt sich hier leicht ziehen: Es braucht möglicherweise ein paar Durchläufe, aber dann lernt man den eigenen Stil und die etwas experiementelleren Stücke des Albums durchaus zu schätzen. Man sollte sich allerdings nicht von den synapsenverknotenden Songtiteln abschrecken lassen, sonst hat man wenig Spaß an der Platte.

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