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[soon]: Better Days

Gut, kann aber nicht mit dem Vorgänger mithalten
Wertung: 7,5/10
Genre: Dark/Alternative Rock
Spielzeit: 40:00
Release: 23.09.2016
Label: Oscillation Music

Knapp drei Jahre sind vergangen, seit [soon] 2013 mit „Dead-End Street“ ihren letzten, bislang wohl besten Longplayer veröffentlichten, der entsprechend fast nur positive Bewertungen einheimsen konnte. In der Zwischenzeit hat sich das Bandgefüge ein wenig verändert: Gitarrist Michi ist nicht mehr dabei und am Schlagzeug hat man nun einen gewissen Jakob (Nachnamen nennt die Truppe nicht) ins Boot geholt. Herz und Hirn der Band waren und sind jedoch nach wie vor Sänger Eric und Gitarrist/Bassist Lenny, die den Sound der Band prägen und die für das Songwriting zuständig sind – und mit nur drei Leuten in der Gruppe lässt es sich ja häufig sogar besser und ruhiger arbeiten, als wenn zu viele Köche am Werk sind.

Wie schon beim Vorgänger gilt auch für das nun fünfte Studioalbum „Better Days“: Man hat Veränderungen lediglich in Nuancen vorgenommen; der Bandsound ist unverkennbar, die kompakten Kompositionen sind insofern wieder sehr clever verfasst, als dass die eingängigen, melodischen Refrains einerseits für den maximalen Effekt und die vertrackte, filigrane Rhythmusarbeit andererseits für Nachhaltigkeit sorgen.

Der Start in die Platte in Form von „Rather In Your Mind“ ist zunächst noch recht ungewöhnlich, das Tapping-Riff lässt einen erstmal überlegen, ob man nicht aus Versehen ein Gojira-Album aufgelegt hat, doch belehrt einen Erics bald einsetzende Stimme natürlich umgehend eines Besseren und sobald der ebenfalls recht typische Chorus einsetzt – sehr markant und mit der schwelgerischen, mit einer guten Schicht Melancholie überzogenen Melodie sich deutlich abhebend von der Riff-orientierten Strophe –, weiß spätestens jeder [soon]-Fan, dass die Norddeutschen ihren Wurzeln offensichtlich weitestgehend treu geblieben sind und nicht gedenken, eine 180-Grad-Wendung vorzunehmen.  

Letztlich also doch eine für die Combo charakteristische Nummer, bei der auf den Refrain als Highlight hingearbeitet wird und es sich dennoch lohnt, auf die Details zu achten. Wie erwähnt: Das ist schlicht cleveres Songwriting und wenn der Refrain dann auch so gelungen ist wie im Opener, eine absolut runde Sache. Das nachfolgende „Empty Promises“ präsentiert sich getragener, der geradezu sehnsuchtsvolle Chorus kommt früher zum Zug, eine dezent aufheulende Leadgitarre unterstützt Erics wehmütige Gesangsmelodie, wobei die Härte durch die kompromisslos riffende Rhythmusgitarre nicht verloren geht.

Am besten wird die Scheibe jedoch in der Mitte: Der Titelsong, der bereits vorab auf Soundcloud zu hören war, bietet wiederum einen sehr starken Refrain und fließt dank nahtloser Übergänge wie aus einem Guss, „Danger At Hand“ beinhaltet das vielleicht beste Mainriff des Albums, da dieses sowohl headbangerkompatibel und eingängig geraten ist (und somit live ein echter Kracher sein dürfte), als auch mit seinen Pausen und leichten Variationen nicht auf Anspruch verzichtet, und das schleppende „Against The Grain“ zeigt in bester Manier, wie man balladeske, elegische Stücke schreibt, ohne sich in kitschige Gewässer  treiben zu lassen. Die ausladende zweite Hälfte des Songs mit ihrer schluchzenden Gitarrenmelodie ist tränentreibend schön und durch die wiederum im Hintergrund riffende Rhythmusklampfe kein bisschen von Cheesiness getrübt.  

Die Hamburger selbst sehen „Better Days“ als ihr bisheriges Magnum Opus an und wer könnte es ihnen verdenken? Die Euphorie, die beim Release einer neuen Platte innerhalb einer Band herrscht, verführt rasch zu solchen Superlativ-Aussagen, und eine gelungene Scheibe liefern [soon] auch zweifellos ab. Die Mischung aus härteren und zärtlicheren Momenten ist erneut geglückt und sorgt für Abwechslung – dennoch ist der Vorgänger stärker einzuschätzen. Das Material war insgesamt noch einen Tick besser und packender, auch ist die Produktion des vorliegenden Rundlings leider etwas dünn geraten und war auf „Dead-End Street“ kraftvoller, außerdem herrschte dort eine stärkere atmosphärische Dichte vor. Eine Nummer wie das finale, mit zarten Synthie-Einsätzen versehene „Bitter Cold“ auf jenem Album beispielsweise vermisst man hier ein wenig – da kann die kurze Pianoballade „Out Of Mind“ nicht wirklich mithalten.

Der leichte Gothic-Appeal, den man [soon] gerne und nicht ganz zu Unrecht nachsagt, ist durch noch geringeren Keyboardeinsatz ebenfalls weniger geworden, doch durch den melancholischen Grundtenor bleibt diese Verbindung noch halbwegs bestehen. Mit 40 Minuten ist die Scheibe des Weiteren ein bisschen kurz geraten, ein Song mehr wäre allen „Qualität ist wichtiger als Quantität“-Rufen zum Trotz sicherlich drin gewesen. Eine Enttäuschung ist „Better Days“ zwar nicht geworden, dazu ist das Ganze immer noch zu gut gemacht, aber so oft wie „Dead-End Street“ wird es bei mir wohl nicht im CD-Schacht landen.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann