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Sons Of Apollo: Psychotic Symphony

Nicht die Neuerfindung des Rades, macht aber jede Menge Spaß!
Wertung: 8,5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 57:36
Release: 20.10.2017
Label: InsideOut

Schon wieder eine neue Band mit Beteiligung von Mike Portnoy? So manch einer wird schon regelrecht genervt davon sein, wie viele Projekte der Ex-Dream Theater-Drummer in den letzten paar Jahren aus der Taufe gehoben hat – die Übersicht hat man ja ohnehin bereits verloren. Sicherlich versucht er nach wie vor, den „größten Fehler meines Lebens“ zu kompensieren, nämlich das Traumtheater zu verlassen, aber ob man ihn nun mag oder nicht, musikalisch Substanz hat das schon alles, was er macht.

Für die neue Supergroup Sons Of Apollo hat er sich wiederum mit Billy Sheehan am Bass zusammengetan, den er ja schon von seiner Hard-Rock-Gruppe The Winery Dogs her kennt, auch mit Keyboarder Derek Sherinian hat Portnoy bekanntermaßen bereits vor längerer Zeit bei Dream Theater zusammengearbeitet. Mit Ex-Yngwie Malmsteen-Frontmann Jeff Scott Soto und dem ehemaligen Guns N’ Roses-Gitarrero Ron „Bumblefoot“ Thal wird ein interessantes und äußerst namhaftes Line-up komplettiert, das sich von Anfang an als richtige Band betrachtet wissen will und nicht als bloßes Nebenprojekt der Protagonisten.

Im Gegensatz zu Winery Dogs sind die Söhne des griechischen Gottes u.a. der Musik und der Poesie deutlich härter unterwegs, das macht schon das schnörkelige, fetzige Mainriff des monumentalen Openers „God Of The Sun“ klar, das genauso wie der eingängige Refrain mitreißt und auch Skeptikern beweist, dass hier nicht irgendein Schnellschuss von satten Rockstars vorliegt, die einfach mal wieder ihr Ego aufpolieren wollten. Auf der anderen Seite ist natürlich klar, dass die Fans keine Wunderdinge erwarten dürfen: Das Dargebotene ist mit Sicherheit nicht die Neuerfindung des Rades – aber es macht schlicht jede Menge Spaß.

Nicht selten schimmern Portnoys Ex-Kollegen von Dream Theater durch; bereits im erwähnten „God Of The Sun“ wird in der Mitte ausgiebig gefrickelt, und auch im weiteren Verlauf der Scheibe treten immer wieder die glänzenden handwerklichen Fähigkeiten der Musiker zutage. Portnoys Drumming kann man eh unter hundert verschiedenen Schlagzeugern heraushören (und man stellt sich ganz unfreiwillig mal wieder die Frage, wie sich die aktuellen DT-Alben mit ihm hinter der Schießbude anhören würden), Bumblefoot zaubert eine ganze Reihe von Zuckersoli aus dem Ärmel und Derek Sherinian kriegt in technischer Hinsicht mehr zu tun als bei Black Country Communion.

Was den Gesang betrifft, so sind böse Zungen im Internet so weit gegangen zu sagen, Sons Of Apollo wäre beinahe wie Dream Theater mit besseren Vocals. Ermüdend, dieses ewige Gebashe gegen James LaBrie, klar aber ist: Was Jeff Scott Soto kann, dürfte bekannt sein und sein raues, kraftvolles Organ passt gut zu den clever zwischen Hard Rock und Prog Metal positionierten Songs. Tatsächlich stechen rein längentechnisch „Gods Of The Sun“, das von einem simplen Keyboardriff eingeleitete und sich famos steigernde „Labyrinth“ sowie das abschließende Instrumental „Opus Maximus“ (Liquid Tension Experiment lassen angesichts dieser proggigen Achterbahnfahrt ein bisschen grüßen) hervor.

Der Rest des Materials ist kompakter gehalten und wenn auch nicht bahnbrechend, so doch stets unterhaltsam und gerade live bestimmt Laune machend. Es trifft schon zu, wenn Sherinian über die Band sagt, dass die Musik modern töne, aber eine old-schoolige Seele besitzen würde und dass bei aller Virtuosität der Rock’n’Roll-Faktor nicht zu kurz käme. So präsentiert sich beispielsweise „Divine Addiction“ mit Deep Purple-mäßigem Orgelriff zu Beginn und nennt einen unwiderstehlichen Refrain, der klassischen Hard Rock atmet, sein Eigen, und auch das kraftvolle „Coming Home“  wildert eher in Rock- denn Metal-Gefilden.
 
Dem gegenüber stehen das zum Teil knüppelharte „Signs Of Time“, dessen wütender Beginn fast ein wenig an „Roots“ von Sepultura erinnert, sich letztlich aber mit einigen interessanten Wendungen und klug gesetzten Kontrasten darstellt, sowie das ebenfalls heftig groovende „Lost In Oblivion“, bei dem trotz einer Länge von nur viereinhalb Minuten gefrickelt wird, bis der Arzt kommt. Den einzigen tatsächlich schwächeren Moment der Platte markiert das mit einem etwas biederen, standardmäßigen Chorus ausgestattete „Alive“.

Ansonsten gibt es aber nicht viel zu meckern: Fans von Dream Theater oder Progressive Metal im allgemeinen kommen definitiv auf ihre Kosten, auch die Portnoy/Sherinian-Produktion kann sich absolut hören lassen, bei der alles ausgeglichen daherkommt und nicht, wie bei den letzten Dream-Theater-Outputs mit Portnoy, die Drums zu sehr im Vordergrund stehen würden. Jetzt darf man nur noch gespannt sein, wann die Truppe auf Tour kommt und ihre Songs live vorstellt!

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“