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Sonorous Din: Lusus Naturae

Ein wirklich gelungenes Debutalbum
Wertung: 9/10
Genre: Mittelalter
Spielzeit: 42:45
Release: 31.01.2006
Label: Eigenproduktion

Lusus Naturae. Was sagt da der lateinische Wortschatz (oder im Zweifelsfall der Pons)? Eine Laune der Natur. Ein Ausdruck, dem Zufall, Ungewolltes anhaftet. Das Album, das Sonorous Din uns da präsentieren, kann man aber auf keinen Fall als Zufallsprodukt bezeichnen.

Über die sechs Lüdenscheider an sich ist nicht viel zu erfahren. Bandgründung ‘99. Ein paar Bilder, darauf beschränkt sich die Homepage der Band. Über die Musik, die Texte und Auftritte hingegen ist viel zu lesen. Im bandeigenen Forum sind ausführliche Diskussionen zu finden, in denen auch die Mitglieder häufig mitmischen. Fannähe ohne Grenzen.

Dass Sonorous Din Spass an Konzerten haben, zeigt auch das Booklet. Neben den historischen Fotografien von Burgen und Metallstichen finden sich zur Auflockerung unzählige farbige Bilder der Band - in Aktion auf der Bühne - sowie ihren begeisterten Fans.

Den ersten Einblick in ihre Arbeit gewährt “Lusus Naturae”, eine Ballade, die hauptsächlich von Jamina La Roccas wunderschönem Gesang im Refrain getragen wird. Unterstützt von einer zarten Geige und einem rockigen Schlagzeug vermischt sich ihr Gesang mit dem fast harten Sprechgesang von Thomas Haferberger. Eine wunderbare Kombination, die nur textlich nicht ganz so gelungen ist. Inhaltlich befassen sich Sonorous Din mit dem Mittelalter, Zauberern und Hexenverbrennungen.

Wer jetzt ödes Material erwartet, hat sich geirrt. Sonorous Din haben mit Lusus Naturae eine Schatzkiste voller Ideen geöffnet, die sie nun nach und nach ans Tageslicht befördern.

Leider überzeugt das nachfolgende “Schatten” wirklich nur noch im Refrain, indem Katharina Vogt erneut ihre Kunstfertigkeit an der Geige beweist. Die Strophen dagegen sind etwas überfüllt von den drohenden Geigenklängen und dem doppelten Gesang von Haferberger und Rocca. Das Geigensolo entschädigt dafür auf ganzer Linie und auch Alexander Funke an der Gitarre stellt sein Können unter Beweis.

Es schliesst sich der “Jahrmarkt der Geister!” an - eine gekonnte Mischung aus klassischer Geige und rockiger E-Gitarre im langen Intro. Haferberger trägt mit tiefer Leichtigkeit den Text vor, Rocca übernimmt im Refrain und überzieht das Klischee, das mittelalterlichen Sophranistinnen die dünne Stimme vorwirft. Kräftiger und verführerischer hat wohl noch keine gesungen.

Und ob nun die Mär vom Zauberlehrling oder die “Rituale” - die Band um La Rocca und Haferberger ist vielfältig. Wunderbar gelungen ist auch die Ballade “Für immer und ewig” (so der Name im Booklet, in der Tracklist ist die Rede vom "Liebeslied"). Sehr spärlich mit gezupfter Gitarre instrumentiert wird hier das Gehör vor allem auf den gekonnten Gesang gelenkt. Der gemeinsame Abschluss des Liedes, in dem endlich das Schlagzeug einsetzt, sorgt für Gänsehaut pur.

Reichlich im Kontrast dazu die lauten “Gedanken”, die vom Aufbau und dem Einsatz der Geige bzw. des Refrains an die Letzte Instanz auf “Götter auf Abruf” erinnern - ein Album, das sich auch kompromisslos am Sprechgesang orientierte. Auf der mittelalterlichen Schiene bleiben Sonorous Din dann doch durch das flotte Geigensolo.

Neben einem klasse “Zwischen Leben und Tod” beendet die Band ihr Album mit “Sonorous Din” - ein Lied, das der Band keineswegs gerecht wird. Fast scheint es, als wäre der Track unter dem Zwang, einen Song zum Namen zu finden, geschrieben worden. Vor allem textlich ist es ganz schwach geworden, was die rockige Instrumentalisierung nicht ausgleichen kann.

Alles in allem ein wirklich gelungenes Debutalbum, das durch Vielfältigkeit und raffinierten Einsatz der Instrumente überzeugt.

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