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Sonic Syndicate: We Rule The Night

Mit neuem Sänger auf zu neuen Sphären
Wertung: 8.5/10
Genre: Metalcore, Modern Metal
Spielzeit: 40:14
Release: 27.08.2010
Label: Nuclear Blast

An Sonic Syndicate scheiden sich die Geister: Die Einen lieben die Mischung aus Härte und Melodie, die Anderen verdrehen nur genervt die Augen beim Namen der inzwischen auch im Mainstream relativ bekannten Combo. Dabei wurde der Band zeitweise vor allem der Gebrauch des Keyboards zum Verhängnis, das auf den beiden überaus erfolgreichen Alben „Only Inhuman“ und „Love And Other Disasters“ mehr als reichlich zum Einsatz kam. In welche musikalische Richtung die Schweden tendieren, kann man sich in etwa vorstellen, wenn man weiß, dass das Sextett schon ausverkaufte Touren neben In Flames oder Dark Tranquillity bestreiten durfte.

Letztes Jahr überraschte die Band mit einem neuen Sänger: Nathan J. Biggs heißt der Gute, Brite ist er und gesungen hat er schon bei The Hollow Earth Theory. Ganz unbekannt ist der neue Mann am Mikro also nicht und die Fans konnten sich immerhin schon ein Bild von ihm machen, als Ende 2009 die „Rebellion“-EP veröffentlich wurde – bei uns gab’s satte 9 von 10 Punkte, Sonic Syndicate hatten sich hörbar weiter entwickelt und der Neue konnte sich durchaus hören lassen.

Mit Spannung wird das neue Album „We Rule The Night“ erwartet, das Ende August erscheinen soll – hier kann Biggs endlich auf voller Länge beweisen, was in ihm steckt. Vierzig Minuten also, auf denen so einiges schief gehen kann, waren doch in der Vergangenheit genügend Songs der Band auf Massenkompatibilität ausgelegt, um es sich mit einem Teil der Metallergemeinde ordentlich zu verscherzen. Dass auch jetzt genügend Wert auf Ohrwurmtauglichkeit gelegt wird, ist klar, Fakt ist aber auch, dass die Songs raffinierter arrangiert sind, es lassen sich einige ausgeklügelte Kompositionen heraushören und das eine oder andere Mal fällt auf, wie geschickt Sonic Syndicate die Radio-Mainstream-Parts umschifft haben. Dazu hat sicherlich nicht zuletzt die unglaubliche Stimme des neuen Zweit-Sängers beigetragen – gleichzeitig aggressiv und an den richtigen Stellen sehr emotional trägt er die Songs vor, Gänsehaut ist hier in fast jedem Refrain vorprogrammiert.

War es bisher eher schwierig, Vergleiche mit anderen Bands zu ziehen, so kann man einen Großteil der Stücke des neuen Albums nun zwischen Five Finger Death Punch, Flaw und Killswitch Engage einordnen – eine interessante Mischung, die direkt mit dem Einstieg und „The Beauty And The Freak“ einen ersten Höhepunkt findet. Startet das Stück zuerst wie ein recht typischer Modern Metal/Core-Song mit derben Drums und einem Wechsel aus Gesang, der sehr überraschend ein wenig an 36 Crazyfists-Sänger Brock Lindow erinnert, und beeindruckenden Shoutings, hat man spätestens im Refrain eine derartige Gänsehaut, dass es fast wehtut. Der Song gehört schon jetzt definitiv zu den Highlights des Jahres, nicht zuletzt durch die vollkommene stimmliche Harmonie von Biggs und Ur-Sänger Richard.

Natürlich darf auch ein Stück für die ruhigen Typen unter uns nicht fehlen, und mit „My Own Life“ hat sich dann doch ein radiotaugliches Stück Musik eingeschlichen, das aber nicht kitschig daherkommt – grade noch mal Glück gehabt. Bei Bands mit Keyboard weiß man ja nie. Der Knaller-Ohrwurm „Burn This City“ war zwar als Vorgeschmack schon auf der letzten EP zu hören, hat aber auch ein halbes Jahr später noch nichts von seinem Drive verloren. „Black And Blue“ wird zwar für meinen Geschmack etwas zu sehr vom Keyboard dominiert, liefert aber sehr interessante Gesangsspuren, die das wieder ausgleichen können, und eine großartige Vorstellung beider Sänger, obwohl mir Biggs Stimme inzwischen fast besser gefällt. „Plans Are For People“ tendiert eher in die Metalcore-Richtung und knallt sehr ordentlich, ohne den typischen Ohrwurmcharaker einzubüßen.

Apropos Core: „Break Of Day“ hätte mit seinen dynamischen Shouts am Anfang auch durchaus von Bands wie As I Lay Dying oder Alesana stammen können – grandios! Der Refrain dämpft dieses Mal leider die Stimmung etwas, die Strophen hauen aber ordentlich rein und auch der Titeltrack macht seinen Job als Rausschmeißer recht gut, vereint er doch die kräftigen Shouts mit dominantem Bassriffing des Band-Blickfangs und Henne im Korb Karin, sowie den klaren Vocals im Refrain. Ein gelungener Abschluss für ein Album, dem man eine Weiterentwicklung sofort anhören kann. Ob das am neuen Sänger liegt, der seinen Job ausgezeichnet macht, lässt sich nur schwer sagen, tatsächlich hat sich aber auch in der Instrumentalfraktion qualitativ einiges getan. „We Rule The Night“ sollte den alten Fans von Sonic Syndicate gefallen, dürfte aber auch viele neue Fans gewinnen, denn die Mischung aus Modern Metal und Metalcore haut nicht nur zeitweise sehr derbe rein, sondern die Band schafft es nebenbei auch, ihre Radiotauglichkeit durch wahre Ohrwürmer zu ersetzen. Wenn Sonic Syndicate sich mit dem nächsten Album noch ein wenig steigern kann, steht der vollen Punktzahl nichts mehr im Wege. 

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