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Sondaschule: Von A Bis B

Absurde Texte, geile Musik
Wertung: 8/10
Genre: Ska, Rock, Punk
Spielzeit: 42:46
Release: 28.05.2010
Label: Bongo Records

Es ist ungefähr 17 Jahre her – damals gründete sich ein bescheidenes kleines Duo mit Namen Joint Venture, das auszog, um drogenumnebelte deutschsprachige Texte unters Volk zu bringen und ihrem Publikum Liebe und Freundschaft zu predigen. Woodstock in klein, könnte man sagen. Götz Widmann und Kleinti Simon brachten nicht nur die deutsche Sprache zurück in die heimatliche Musiklandschaft, sondern präsentierten handgemachte Stücke, meist nur mit Akustikgitarren vorgetragen. Als Kleinti 2000 starb, war das das Ende der Band, aber nicht das Ende des Woodstock-Feelings: Widmann zieht bis heute alleine durch Hallen und Clubs und erzählt seine Geschichten.

Andere Zeit, andere Band, trotzdem erinnern mich Sondaschule sofort an die beiden Liedermacher. Die acht Chaoten rund um Sänger Costa Cannabis machen zwar keine ruhige Gitarrenmusik, sondern mischen mit ihrem Hybrid aus Ska und Punk die Massen auf, dennoch hat die neue Platte „Von A Bis B“ der Sondaschüler für mich einen ähnlichen Flair wie beispielsweise „Extremliedermaching“ von Joint Venture. Auch hier werden Geschichten erzählt: Geschichten von Träumen („Strand Im Ruhrgebiet“), von Beziehungen, die letztendlich doch sowas wie ein – zugegeben etwas makabres - Happy End finden („Nie Mehr Teilen“) oder von der Flucht in die Sucht („Alkoholsucht“). Dabei sind die Jungs aus Nordrhein-Westfalen immer eine Spur selbstironisch, kritisch und unverschämt erstrecht. Allein der Bandname besagt: Wir scheißen auf euch, ist er doch die logische Konsequenz aus der leidigen Old School/New School-Debatte.

Auf ihrem nunmehr sechsten Silberling (die Doppel-DVD „Dephaudeh“ nicht mitgerechnet) gehen Sondaschule mit hörbaren Spaß und einer Liebe zu Rock, Punk und vor allem Ska zu Werke. Schon der Opener lässt durchblicken, dass die Platte nicht gerade eine Parade der Nettigkeiten wird: „Herbert Halt’s Maul“ ist einem bestimmten deutschen Musiker gewidmet, der uns seit Jahrzehnten mit seinem schlecht artikulierten Liedgut „beglückt“. Der Herr wird sich sicher sehr freuen, falls er das Lied jemals zu Ohren bekommt und das sollte er auch – der Song besticht durch rockige Gitarren im Intro, kommt sehr tanzbar daher und man findet sogar die obligatorischen Ska-Bläser in Gestalt der beiden Posaunisten Tröte und Chris Chrawumm.

Dass die Acht auch sozialkritisch können, beweist „Kleine Pillen“, in denen Herr Cannabis auf die heutige Medikamenten-Gesellschaft aufmerksam macht, die nicht nur die eigene Gesundheit mit dem wahllosen Einwurf diverser Mittelchen gefährdet, sondern auch noch den Großkonzernen Milliarden in die Hände spielt. Ein jazzig-smoother Einstieg täuscht über das doch recht ernste Thema hinweg. Relativ poppig kommt „Strand Im Ruhrgebiet“ daher, in dem der Sänger seinen Wunsch beschreibt, Sand vom Strand zu klauen und vor seinem eigenen Haus aufzuschütten. Ob er sich allerdings die Überflutung unserer holländischen Freunde wünscht, würde ich bei dem Künstlernamen glatt bezweifeln.

Wirklich bizarr wird’s bei der Nekrophilie-Ballade „Nie Mehr Teilen“, die mit schnellen Drums und coolen Bläsern aufwarten kann – der Text gestaltet sich trotz des psychopathischen Einschlags sehr lustig, schließlich träumt nicht jeder täglich davon, seinen Partner umzubringen, um ihn nie mehr mit anderen teilen zu müssen. Tatsächlich decken Sondaschule mit astreinen Balladen („Nur Weil Ich Dich Mag“), Electro-Beats („Tanz!“) bis hin zu regelrechten Endzeit-Stücken („Da Hilft Dir Auch Kein Traurig“) eine sehr breite Palette ab. Ein Highlight ist hier auf jeden Fall „Alkoholsucht“, das in der Morricone Version einem der großartigsten Soundtrack-Komponisten überhaupt Tribut zollt und mit passender Lonesome Rider-Akustikgitarre daherkommt. Erzählt wird die Lebensgeschichte eines einsamen Cowboys, der seiner Alkoholsucht anheim fällt, weil er sich beim Sturz vom Pferd das Genick bricht. Gänsehaut ist hier garantiert, auch wenn die lyrischen Ergüsse natürlich wieder in lustig-ironische Bilder verpackt werden.

Wie bereits erwähnt spielen Sondaschule ab sofort bei mir in einer Liga mit Joint Venture und der zweiten Generation, den Monsters Of Liedermaching. Nicht nur, dass die Texte teilweise verdammt bizarr und lustig sind; dass die Band trotz ihres Ska-Hintergrunds ein so breites musikalisches Spektrum abdeckt, zeugt von Können und vor allem von Openmindedness und davon kann die Musikszene im Moment einiges gebrauchen.

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