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Sonata Arctica: Pariah's Child

Leider recht enttäuschend
Wertung: 6/10
Genre: Melodic-/ Power Metal
Spielzeit: 53:16
Release: 28.03.2014
Label: Nuclear Blast

Wieder etwas mehr zu den Wurzeln zurückkehren, das war das Credo bei Sonata Arcticas achtem Studioalbum „Pariah’s Child“, nachdem die Finnen auf den letzten Platten viel herumexperimentierten und zum Teil recht progressiv agierten. Für meine Begriffe stand das Progressive den Jungs nur teilweise gut zu Gesicht, so richtig überzeugen konnten sie dabei nicht immer, von daher müsste man es ja begrüßen, wenn sie wieder etwas back to the roots gehen. Bis auf ein paar schnellere Momente sehe zumindest ich allerdings ehrlich gesagt nicht so wahnsinnig viele Parallelen zu Sonata Arcticas Frühwerken.

Vielmehr fährt das Quinett weiterhin die progressive Schiene insofern, als dass sie wieder ziemlich unterschiedliche Songs auf die Scheibe gepackt haben und sich experimentierfreudig und vielseitig zeigen. Schon der Opener „The Wolves Die Young“ ist ungewöhnlich; man würde – auch schon bei dem Titel – einen arschtretenden Uptempo-Smasher erwarten, stattdessen bleibt der Song fast ausschließlich in mittleren Temporegionen und ist als Eröffnungstrack irgendwie etwas unglücklich gewählt. Zwar handelt es sich gleich um einen der eingängigsten Songs der gesamten Platte, so richtig mitreißen will er aber irgendwie nicht; ein schnelles Stück passt bei dieser Band einfach besser an den Anfang. Aber den gleichen Fehler haben Sonata ja auch schon beim letzten Album mit „Only The Broken Heart“ gemacht.

Bei „Running Lights“ wird dann mehr aufs Gaspedal getreten, so dass tatsächlich ein paar Erinnerungen an alte Zeiten wach werden, aber auch hier will nicht so recht Begeisterung aufkommen. Irgendwie fehlt das gewisse Etwas, vielleicht liegt es aber auch nur am ziemlich dünnen Sound, die Gitarren haben zu wenig Druck und die Drums klingen künstlich und kraftlos. Auch danach kommt das Album einfach nicht in die Gänge: Die Harfenmelodie bei „Take One Breath“, die als Basis dient (und bei der man doch glatt an „Cupid De Locke“ von The Smashing Pumpkins denken muss) ist ja eine originelle, nette Idee und ein erneuter Beweis dafür, dass die Combo nach wie vor interessante Einfälle hat, aber das Songwriting selbst bleibt blass und nichtssagend, was im Übrigen auch für das folgende „Cloud Factory“ gilt. Auch hier ist der Einfall mit dem lustigen Chor am Ende zwar ganz nett, aber alles in allem ist das selbst für SA-Verhältnisse einfach zu viel Tralala.

Schlimmer ist da allerdings noch der Totalausfall „Love“. Man denkt ja schon bei dem Titel, dass das doch wohl nicht ernst gemeint sein kann, doch der Song entpuppt sich als mindestens so flach wie eben dieser. Sorry, lahmarschiger geht es wirklich nicht mehr und es stellt sich unweigerlich die Frage, ob die Band diesen Füller (um es mal freundlich zu sagen) tatsächlich selber gut findet. Eigentlich kaum vorstellbar.

Das Finale in Form des zehnminütigen Epos „Larger Than Life“ (bei dem es sich nebenbei bemerkt nicht etwa um ein Backstreet-Boys-Cover handelt) ist hingegen sehr dramatisch gehalten, mit vielen orchestralen Elementen, viel Pathos und sehr viel Kitsch. Gerade letzterer gehört bei Sonata Arctica selbstverständlich dazu, das sollte jeder wissen, der die Band kennt. Trotzdem wirkt das Ganze hier arg überladen und nach dem Motto, dass man einfach zu viel auf einmal wollte. Es fehlt an echten Höhepunkten und die Chöre sind massiv over the top – streckenweise hört sich die Chose an, als würde man gerne so vielfältig wie Queen komponieren, scheiterte aber an diesem Anspruch.

Wäre das alles, würde „Pariah’s Child“ eine massive Enttäuschung darstellen, glücklicherweise jedoch versteckt sich in der Mitte dann doch noch stärkeres Material – hier sind tatsächlich ein paar Highlights zu finden. „Blood“ und insbesondere „What Did You Do In The War, Dad?“ stellen sich als sehr facettenreiche Nummern heraus, gerade letztgenannte macht nicht nur durch den interessanten Titel und den sehr guten Text aufmerksam, sondern folgt einer gut durchdachten Struktur mit schönen Ideen. 

Trotz des seltsam unpassenden Intros und Outros rockt auch „Half A Marathon Man“ ganz gut nach vorne (auch der „It’s a beautiful day“-Part hat was), den mit Abstand besten und originellsten Song markiert jedoch ganz eindeutig „X Marks The Spot“, das mit seinen futuristischen, spacigen Keyboardsounds sehr ungewöhnlich für die Band ist, und wie man da noch einen Baptistenprediger eingebaut hat, ist irgendwie schon sehr cool gemacht. Das Stück hat auch den besten Chorus des kompletten Albums und die Wendung hin zu fröhlichen Gesängen am Ende macht sich ebenfalls gut.

Der Mittelteil rettet „Pariah’s Child“ davor, als große Enttäuschung abgestempelt zu werden, so ist es lediglich eine mittlere bis kleine. Besonders zu Beginn kommt die Platte nicht aus den Puschen und plätschert erschreckend bedeutungslos und fast uninspiriert erscheinend durch die Gegend. Dass Sonata Arctica immer noch sehr lustige, coole und originelle Einfälle haben, soll allerdings nicht unter den Teppich gekehrt werden. Dennoch hätte man so manche Idee vielleicht noch etwas reifen lassen sollen, bevor man sie aufs Band gepresst hat. Auch die Produktion kann nicht überzeugen, so dass die Scheibe letztlich eines der schwächsten Alben in der Diskographie der Finnen darstellt.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann