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Some Hate Will Last: The Art Of Resistance

Überrascht und überzeugt erst nach mehreren Durchläufen
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Metal, Death Metal
Spielzeit: 53:00
Release: 13.07.2012
Label: SAOL/H’Art/Zebralution

Da bekommt man über diverse Ecken eine CD zugeschickt, mit der man im ersten Moment wenig bis gar nichts anfangen kann, und lernt dann ganz zufällig auch noch die dazugehörige Band kennen – bestehend aus Doc L, der sich im Alleingang für so ziemlich alles verantwortlich zeigt, was bei Some Hate Will Last so vor sich geht. „Schreib was du willst“, sagt der Mann zu mir, „ sei nur ehrlich“ – auf geht’s!

Motiviert daherreden kann ja jeder, aber es vergehen doch noch mal einige Tage, bis die CD es endgültig in die Gehörgänge der Schreiberin schafft. Auf den ersten Durchgang ist die knappe Stunde Laufzeit, gepaart mit den teils doch recht komplexen Arrangements nichts, was man mal eben so nebenbei rezensieren könnte. Es kristallisieren sich überhaupt erst nach Minimum fünf Durchgängen ein paar Highlights heraus, alles andere erschlägt einen erst einmal. Bestes Beispiel: der Albumstart: „Intro – A Setting Sun“ hätte besser kaum betitelt werden können, geleitet es den Hörer doch sanft zum ersten richtigen Song „Some Hate Will Last“ – der einem dann direkt das Käppi von der Birne haut. Bitterböse, schnelle Growls, noisiger Grundton und kreischende Leadgitarren; klingt geil, aber schlucken muss man trotzdem erst mal. Das hatte man so nun doch nicht erwartet.

Bei Stücken wie „Insane Memories“ versumpft der ganze Spaß ein bisschen, dafür bietet aber „Rules Of Mass Manipulation“ gleich das knallende nächste Highlight. Bei dem Gegrunze könnte sich so mancher Grindcore-Frontbrüller noch eine ordentliche Scheibe abschneiden, aber die geilen Gitarren zur Mitte des Songs beeindrucken ganz klar noch mehr als die Vocals. Überhaupt hat der gute Doc eine recht offensichtliche Schwäche für Soli und dergleichen – es sei ihm gegönnt, schließlich sind die Gitarrenparts hier eine gute Abwechslung zum recht einnehmenden Gesang.

Songs wie „Twelve Bullets In The Head“ bieten da genau die richtige Mischung aus abgrundtief böse und mitreißend melodisch, während beispielsweise „Deny Their Rules“ einen sehr old-schooligen, fast mystischen Touch hat, der vor allem durch den zeitweisen Hall auf den Vocals heraufbeschworen wird. Als Ausklang gibt es dann das ebenfalls recht ruhige Outro „There Will Be Sadness At The End“ – und danach, quasi als Bonus, hat sich der gute Doc noch etwas ganz Besonderes einfallen lassen, was man nach dem Album so gar nicht erwartet hätte; drei der Songs sind nämlich auch als Akustikversionen vertreten.

Mit wahnwitzig unpassender Countrygitarre kommt „Some Hate Will Last“ daher, wobei man sagen muss, dass diese Version fast noch geiler ist als das Original. Besonders gravierend fällt der Unterschied bei „Insane Memories“ auf – der eigentliche Song plätschert ein wenig an einem vorbei, die Akustikvariante frisst sich mit einer genialen Gitarre und einem ziemlich traurigen Unterton ins Hirn. Wahnsinn, wie hier die heftigen Songs zu fast romantischem, aber niemals kitschigem Akustikzwirn vernäht werden. Die letzten drei Tracks des Albums lassen sich alle uneingeschränkt auch denen empfehlen, die nicht auf Metal stehen (Zitat der Dame des Hauses: „Der hat ja eine schöne Stimme, wieso muss der denn auf den anderen Liedern so schreien?“).

Ich gebe zu: Bei den ersten paar Durchläufen krebste „The Art Of Resistance“ bewertungstechnisch irgendwie im unteren Mittelfeld herum. Die Akustiksongs waren schon vorher positiv ins Auge gefallen, aber nach den folgenden zehn bis zwanzig Rotationen weiß man auch den Rest der Scheibe zu schätzen. Obwohl die Vocals sich mit der Zeit etwas abnutzen, bergen viele der 18 Tracks doch Begeisterungspotenzial.

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