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Solstafir: Svartir Sandar

Verdient den Oscar für den besten imaginären Naturfilm
Wertung: 9/10
Genre: Postrock/Metal/Ambient
Spielzeit: 80:03
Release: 14.10.2011
Label: Season Of Mist

Zweieinhalb Jahre nach „Köld“ liefern die Landschaftsmaler der isländischen Rockmusik-Szene wieder frisches Material fürs heimische Kopfkino. Dieses Mal bringen Solstafir ihren cineastischen Postrock-Ambient-Metal gewissermaßen mit Überlänge-Zuschlag an den Mann: Obwohl nur knapp zehn Minuten länger als der Vorgänger, erscheint „Svartir Sandar“ als Doppel-CD mit jeweils sechs Songs. Außerdem fällt (um einmal bei der Kino-Metaphorik zu bleiben) die englische Synchronisierung weg, denn alle Songs auf „Svartir Sandar“ sind isländisch benannt und gesungen. Ein schneller Check mit dem Internetübersetzungsdienst des Vertrauens zeigt aber, dass Solstafir immer noch ähnlich unterwegs sind, wie anno 2009: Stürme, Wellen, Magie und Sand sind nur einige Stichworte, die die Tracklist offenbart.

Mystik und Natur sind also nach wie vor Themen, mit denen sich die Isländer auseinandersetzen – und das natürlich nicht nur textlich. Auch musikalisch geht es im Prinzip weiter wie zuvor: Songs von teilweise epischer Länge, raumfüllende Gitarrenwände, hypnotische Repetitionen, urgewaltige Härte und gläserne Zerbrechlichkeit erschaffen zusammen eine zauberhaft dichte Atmosphäre, die außerhalb des Oeuvres von Solstafir wohl ihresgleichen sucht. Entsprechend begrüßt die Band den Hörer auch direkt mit einem echten Mammutsong: „Ljós í Stormi“ dauert volle zwölf Minuten und überzeugt mit einem gefühlvollen Spannungsbogen, der das ganze Gefühlsspektrum von Verlorenheit über Zorn bis hin zu Resignation abdeckt. Hier klingt die Band noch unverkennbar nach „Köld“ und vertont ungezähmte Naturgewalten und abgründige menschliche Gefühle in beeindruckender Intensität.

„Fjara“ hingegen geht einen Schritt weiter. Nach einer melancholischen ersten Hälfte schwingt sich der Song zu einem von Chören und Klavier getragenen Finale auf. Die Richtung ist klar: Solstafir peppen ihren eigentlich sehr reduzierten Sound in kleinen Schritten mit neuen Elementen auf. Im verträumten „Kukl“ kommen Mellotronflöten und schräge Xylophone zum Einsatz; „Þín Orð“ überrascht mit ungewöhnlichen Harmoniefolgen. Immer aber dienen die Neuerungen dem klar erkennbaren Zweck, die atmosphärische Qualität des Geschehens aufrecht zu erhalten. Überflüssig zu erwähnen, dass Solstafir als Meister auf diesem Gebiet auf „Svartir Sandar“ wieder alles richtig machen: Allein für die einsame Gitarre, die sich feedbackgestützt durch „Melrakkablús“ heult wie eine beißende Polarbrise, gebührt den Isländern schon der Oscar für den besten imaginären Naturfilm. Und apropos Natur: Die Spoken-Word-Einlage "Stinningskaldi" ist zwar auf isländisch, klingt aber für meine unkundigen Ohren trotzdem sehr verdächtig nach Wetterbericht. Dass Solstafir selbst daraus eine bedrohliche Soundkulisse zaubern können, ist eigentlich schon Qualitätssiegel genug.

Bei allen ausufernden Epen, die „Svartir Sandar“ bereithält (immerhin kommen ganze vier Songs auf über acht Minuten Spielzeit), ist einer der besten Tracks ausgerechnet einer der kürzesten: „Stormfari“ bringt nur knapp vier Minuten auf die Uhr, groovt aber mit Tool-Basslauf und exzellentem Four-To-The-Floor-Beat so unwiderstehlich, dass sich die Parallele zum kürzesten (und eingängigsten) „Köld“-Song „Love Is The Devil“ geradezu aufdrängt. Was jedoch nicht heißen soll, dass sich der Rest der Platte verstecken muss; im Gegenteil: Gleich im Anschluss hämmert einem der Titeltrack einmal mehr ein, dass ein atmosphärischer Song gar nicht lang genug sein kann. Erneut setzen Solstafir hier auf gewaltige Chöre, die den Track einem ebenso gewaltigen Schluss entgegen tragen.

Natürlich erfordert auch „Svartir Sandar“ wieder viel Zeit und Geduld vom Hörer, denn zugänglich oder leicht nebenbei konsumierbar werden Solstafir in diesem Leben garantiert nicht mehr. Wer beides nicht aufbringen kann, wird sich auch hier, wie bei allen Vorgängeralben auch, erst langweilen und dann schwarz ärgern. Deshalb: lieber Finger weg! Alle anderen lassen sich auf einen knapp anderthalbstündigen Trip ein und bekommen mit „Svartir Sandar“ das vielleicht noch bessere, weil facettenreichere „Köld“.

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