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Solefald: Norrøn Livskunst

Avantgarde und Ohrwürmer
Wertung: 8.5/10
Genre: Avantgarde Metal/Progressive Metal
Spielzeit: 54:01
Release: 15.11.2010
Label: Indie Recordings

Schon seit längerem hat sich in diversen Communities und Foren über Musik das Phänomen gebildet, dass jede zweite Band, die sich ein wenig mehr als gewöhnlich von üblichen Genre-Grenzen entfernt, den Stempel „Avantgarde“ aufgedrückt bekommt. Sicherlich ist diese Bezeichnung in manchen Fällen gerechtfertigt, doch ist man seiner Zeit wirklich schon voraus, wenn man ungewöhnliche Songstrukturen und Instrumente verwendet? Auch die seit mittlerweile 15 Jahren aktiven Norweger Solefald werden gerne in diese Sparte eingeordnet, denn diese schrecken auch nicht vor dem Einsatz von obskuren elektronischen Sounds und Saxophonen zurück.

Schon wenn man sich ansieht, wie die Band sich selbst präsentiert, wird klar, dass es hier alles andere als gewöhnlich zugeht: Man bezeichnet sich stolz als einzige Metal-Band mit gutem Geschmack und spricht über das dringende Bedürfnis, zu norwegischem Black Metal Hammond-Orgeln einzusetzen und Gedichte vorzutragen – natürlich alles mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Soweit, so sympathisch die Band, aber geht es in der Musik des Duos tatsächlich so abgedreht zu? Die Antwortet lautet Jein – zwar gibt es auf „Norrøn Livskunst” so einige abgefahrene Songideen zu hören, im direkten Vergleich zu anderen avantgardistisch orientierten Truppen gestaltet sich das Material jedoch erstaunlich zugänglich. Dies ist nicht zuletzt dem Gespür der Band für einprägsame Melodien, mitreißende Riffs und gelungene Hooklines zu verdanken, die stets dafür Sorgen, dass das Chaos nicht Überhand nimmt und den Hörer verschreckt.

Das fängt bei ganz harmlosen Ideen wie im einleitenden „Song Til Stormen“ an, der mit seinen mehrstimmigen Gesangslinien, weiblicher Stimmunterstützung und atmosphärischen Passagen auch gut auf ein Pagan Metal-Album gepasst hätte, sich aber bei der Melodieführung äußerst eigenständig anfühlt, und hört bei der ausufernden Saxophon-Begleitung in „Eukalyptustreet“ auf, das zugleich eines der Stücke ist, das am deutlichsten macht, warum „Avantgarde“ hier nicht ganz fehl am Platze ist. Innerhalb der neun Minuten nimmt dieses Stück so einige Wendungen, die man in dieser Form kaum erwartet hätte – bestimmen anfangs noch Saxophon und Piano mit jazzigen Klängen das Bild, kommen später Gesangsharmonien hinzu, die direkt aus der Feder Simon and Garfunkels zu stammen scheinen, nur um wenig später von Metal mit Chören und reichlich Bombast abgelöst zu werden.

Die größte Besonderheit des Albums liegt jedoch meistens in der Gratwanderung zwischen Komplexität und Klamauk, denn wie bereits anfangs angedeutet, nehmen sich Solefald selbst nicht durchgehend ernst. Bedienen sich Songs wie der Titeltrack „Norrøn Livskunst“ noch einigermaßen normaler Zutaten und vermischen geschickt extreme Metalstile mit melodischen Parts und greifen dabei auf chaotische Songstrukturen zurück, zaubern Stücke wie „Tittentattenteksti“ oder „Stridsljod (Blackabilly)” dem Hörer nicht selten ein Lächeln aufs Gesicht – insbesondere erstgenannter Song sprengt mit dem hysterischen Gekreische der Gastsängerin Agnete Kjølsrud, das zuweilen frappierend an den Hamstersong erinnert, sämtliche Genre-Grenzen, macht aber auf eine faszinierende Art und Weise Spaß. Hier macht jedoch der mitreißende Refrain, in dem die ex-Animal Alpha-Frontfrau zeigt, dass sie auch einen melodiösen Gesangsstil beherrscht, deutlich, dass die Band stets darauf bedacht ist, einen gewissen musikalischen Anspruch zu wahren – so auch bei „Hugferdi“, wo typisch norwegischer Black Metal geschickt mit Hammond-Orgeln verknüpft wird, ohne dass das Ganze aufgesetzt wirkt.

Und wie sieht es nun letztendlich mit dem Prädikat „Avantgarde“ aus? Vollkommen abwegig ist die Bezeichnung hier sicherlich nicht, allerdings sollte man eventuell den Zusatz „Avantgarde mit Spaßfaktor“ hinzufügen, denn obwohl Solefald auf „Norrøn Livskunst“ häufig vollkommen abgefahrene Einfälle und Songstrukturen präsentieren, bleibt immer eine gewisse Eingängigkeit erhalten, die das Album wesentlich zugänglicher gestaltet als so manch anderes experimentelles Album. Auch im Jahre 2010 haben Solefald ihre Kreativität nicht verloren und können weiterhin mit Arcturus und Vulture Industries in einem Atemzug genannt werden, denn auch das neueste Werk der Norweger fügt sich nahtlos in die Reihe der besten Releases experimenteller Musik der härteren Gangart in diesem Jahr ein.

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