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Sole Remedy: Apoptosis

Sehr guter Zweitling einer noch jungen, aber äußerst begabten Band
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Metal / Postrock
Spielzeit: 56:35
Release: 24.09.2010
Label: Aftermath Music

Finnland ist und bleibt eines der innovativsten Metal-Länder der Welt. Wie viele stilistisch teilweise vollkommen unterschiedliche Combos dieser nicht einmal sechs Millionen Einwohner zählende Staat schon hervorgebracht hat, ist schier unglaublich. Mit Sole Remedy gibt sich eine weitere vorzügliche Band die Ehre, die bereits im Jahr 2007 in Form der Scheibe „The Wounded Ones“ auf sich aufmerksam machen konnte und mit „Apoptosis“ (eine Apoptose ist ein biologischer Prozess, bei dem sich einzelne Zellen selbst zerstören) nun Album Nummer zwei nachschiebt.

Sole Remedy ordnen sich selbst ins Progressive-Metal-Genre ein, doch es ist nicht zu überhören, dass das Quintett auch stark vom Postrock beeinflusst ist; dies verdeutlichen insbesondere zahlreiche Gitarrenpassagen – vor allem die melancholischen cleanen Sequenzen –, aber auch bestimmte Gesangslinien. Bereits im Opener „Comatose“, der wie eine Art verlängertes Intro anmutet und dessen Titel wegen der rituellen Drums und verloren klingenden Klampfen wahrlich gut gewählt wurde, sind Parallelen zu einer Gruppe wie Dredg nicht von der Hand zu weisen.

Auch im Folgenden bleibt das postrockige Feeling stets präsent, dies wird aber immer wieder durch sehr harte, den todesmetallischen Bereich streifende Parts unterbrochen, die sich gut einfügen und mal mehr („Leave“, „Wolf In Me“), mal weniger („Present Remorse“, „Past Decay“) deutlich zum Vorschein kommen. Frontmann Jukka Salovaara zeigt hierbei, dass er sowohl über eine wunderschöne, gefühlvolle Clean-Stimme verfügt (der melodische Gesang ist häufig zweistimmig gehalten, was dem Ganzen ein zusätzliches Gefühl von Weite verleiht), als auch sehr überzeugend growlen kann.

Der Wechsel zwischen Growls und cleanen Vocals, der bei „Wolf In Me“ am klarsten zutage tritt, lässt gerne mal an Opeth denken, doch auch die Einflüsse von Porcupine Tree sind immer wieder hörbar (das Instrumental „Ordeal“ beispielsweise erinnert mit seiner markanten Bassline ein wenig an eine härtere Variante des PT-Instrumentals „3“), genauso wie Katatonia, die einem durch die melancholische Gesamtatmosphäre, die dem Album zugrunde liegt, ebenfalls in den Sinn kommen. 

Dadurch, dass all diese bekannten Acts genannt werden, soll allerdings nicht der Eindruck entstehen, dass Sole Remedy keine eigenständige Band mit eigenen Ideen wären, dazu klingt „Apoptosis“ zu gereift: Dem Songwriting und den Arrangements wohnt trotz teils komplexer Strukturen eine gewisse Leichtigkeit inne und die Stücke sind allesamt spielfreudig vorgetragen und zeugen von großem musikalischen Verständnis. Die Band ist noch recht jung (Keyboarder Eetu Karioja zählt gerade mal 22 Lenze) und deswegen noch sehr hungrig, besitzt aber eben trotzdem bereits ein hohes technisches und musikalisches Niveau.

Hin und wieder hat man zwar das Gefühl, ein wenig von den abrupten Wechseln überrumpelt zu werden (vor allem der brachiale Beginn von „Wolf In Me“ ist nach dem sehr akustischen Titelstück zunächst etwas gewöhnungsbedürftig), doch immerhin bleiben Sole Remedy dadurch unberechenbar und abwechslungsreich. Gerade „Wolf In Me“ begeistert durch einen durchdachten Aufbau, der ruhige Mittelteil im ansonsten von tonnenschwerem Riffing bestimmten „Leave“ wurde hervorragend integriert und der Übergang zwischen den beiden letzten Stücken „Solace“ und „Past Decay“ ist klasse gemacht – außerdem versteht die Band es schlicht ergreifend, wunderschöne Melodien zu schreiben. Zudem überzeugt die Platte mit einer klaren und druckvollen, aber trotzdem sehr erdigen Produktion.

Man darf gespannt sein, was diese junge Truppe noch so alles in petto hat. Wer auf dem zweiten Album schon so viel Überdurchschnittliches zu bieten hat, hat seinen Weg bereits gefunden. Mal sehen, ob die Jungs sich mit ihrer nächsten Platte noch weiter steigern können.

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