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Soilwork: The Panic Broadcast

Ein Tritt in den Allerwertesten
Wertung: 9/10
Genre: Melodic Death Metal
Spielzeit: 47:53
Release: 02.07.2010
Label: Nuclear Blast

Soilwork sind inzwischen ebenso eine Institution wie In Flames, was den Göteborg-Sound Schwedens betrifft. Die Melodic Deather sind seit 1995 aktiv, drei Jahre später kam das erste Album „Steelbath Suicide“ und seitdem sind die sechs Schweden aus der Metalszene nicht mehr wegzudenken. Nach und nach etablierten sie einen eigenen Stil, der sich zwischen klarem Gesang und instrumentalem, technisch sehr anspruchsvollem Geschredder einpendelte. Zwölf Jahre später gibt es das nunmehr achte Studioalbum „The Panic Broadcast“ auf die Ohren, ganze drei Jahre nach dem letzten Output „Sworn To A Great Divine“.

Einiges hat sich geändert im Vergleich zum Vorgängeralbum, und damit hat vor allem die Rückkehr von Gründungsmitglied Peter Wichers zu tun. Der Gitarrist, der die Band vor 15 Jahren zusammen mit Sänger Björn „Speed“ Strid gründete, verließ die Band Ende 2005, um sich ganz seiner Produzentenkarriere zu widmen. Jetzt, 2010, ist der Mann an den Saiten wieder dabei und produziert auch gleich die neue Platte seiner Band, nur um nicht aus der Übung zu kommen. Die Arbeitsmoral stieg mit der Rückkehr des verlorenen Sohnes bis unter die Decke, und das hört man auf „The Panic Broadcast“.

War „Sworn To A Great Divine“ ein typisches Soilwork-Album, dem allerdings der letzte Biss fehlte, so geht die neue Scheibe direkt auf den Hörer los wie ein Pitbull. Großartiges Riffing verbindet sich mit einem erstaunlich variablen Sänger, der hier vielleicht die beste Sangesleistung seiner bisherigen Karriere abliefert – mal kreischt er wie ein Wahnsinniger, nur um im nächsten Moment klare Vocals folgen zu lassen und dabei zahm wie ein Kätzchen zu wirken. Über all dem thront die erstklassige Produktion, die dem Album den letzten Schliff verpasst.

Bereits der Opener lässt weder Wünsche noch Fragen offen: „Late For The Kill, Early For The Slaughter“ überzeugt mit deftigen Blastbeats und schnellen Gitarren, zu denen man die Mähne einfach schütteln muss. Ähnlich rasant geht die wilde Fahrt weiter, wobei „Two Lives Worth Of Reckoning“ einen Refrain bietet, den man so nicht erwartet hätte, obwohl das Sextett durchaus schon früher einige Ohrwürmer parat hatte, darunter unter anderem das großartige „One With The Flies“ vom „Stabbing The Drama“-Album.

Was ins Auge beziehungsweise Ohr fällt, ist der wirklich brilliante Sound, der so kristallklar ist, dass man damit sicherlich Glas zum Springen bringen könnte. Unter diesen Voraussetzungen wirken die Songs natürlich noch eine ganze Nuance kraftvoller, ausgewogener und insgesamt stärker – allen voran die Passagen, in denen „Speed“ sich die Lungen aus dem Hals schreit, wohingegen der klare Gesang die Songs teils etwas zu sehr abbremst, wie zum Beispiel beim eigentlich recht starken „Deliverance Is Mine“.

Brutal gestaltet sich dagegen „King Of The Threshold“, bei dem von der ersten Sekunde an geknüppelt und geschrien wird, was das Equipment hergibt. Fast thrashige Anleihen in den Gitarren und eine wunderbare Hintergrundmelodie heben den Song aufs Treppchen der Album-Highlights. Mit aufs Siegertreppchen zwängt sich „Let This River Flow“, das mit einer Akustikgitarre beginnt und sich zu einer Supernova hochsteigert, die ein wenig Metalcore-Flair atmet, zusätzlich aber ungewohnt tiefe und deftive Growls bietet. Genial!

Ähnlich aufgebaut, aber nicht ganz so stark leitet „The Akuma Afterglow“ das Ende der Platte ein, bevor mit „Enter Dog Of Pavlov“ noch mal zum entscheidenen Schlag ausgeholt wird  - man könnte meinen, Soilwork haben die Power, die sie die letzten drei Jahre angestaut haben, in den Song gesteckt. Die ganze Platte strotzt nur so vor Energie, „Speed“ verausgabt sich komplett und auch der Rest der Band ist sich nicht zu schade, dem Hörer ihr geballtes Können um die Ohren zu hauen. Falls irgendjemand Soilwork vergessen haben sollte, dürfte „The Panic Broadcast“ die perfekte Erinnerung sein, dass die Band immer noch Ärsche ohne Ende treten kann.

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