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Soilid: Murder Diary

Überraschendes Debüt - von Soilid wird man sicherlich noch mehr hören
Wertung: 7.5/10
Genre: Modern Metal, Hardcore
Spielzeit: 38:32
Release: 01.03.2012
Label: Eigenproduktion

Dann und wann, wenn man sich eigentlich nur auf ein kleines Konzert wagt, weil man eingeladen wurde und dort preiswert Gerstensaft verköstigen kann, erlebt man mitunter die besten Überraschungen. Dann zum Beispiel, wenn man zu später Stunde, verschwitzt und reichlich alkoholisiert eine junge Band bestaunt, deren Sänger allein schon durch seine optische Erscheinung ins Auge fällt und einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt, von der Stimme ganz zu schweigen. Man endet mit einem Shirt der Truppe in der einen und einer CD in der anderen Hand mit der Bitte um Rezension.

Selbiges Konzert war ganz zufällig die CD-Releaseparty der Jungs von Soilid, die besagte Platte das aktuelle Mach(t)werk „Murder Diary“. Und weil es eine Frage der Ehre ist, wird die Platte hiermit (endlich) besprochen. Ehrlich gesagt hing nach dem Gig eine gewisse Skepsis in der Luft, wahrscheinlich vor allem aus dem nicht unbedingt optimalen Locationsound und einem getrübten Erinnerungsvermögen resultierend. Die ersten paar Durchläufe der aktuellen Scheibe mildern die Skepsis nicht unbedingt, nach und nach erkennt man aber immer mehr Glanzlichter auf „Murder Diary“, das mit wirklich starken Melodien und Arrangements aufwartet. Einen zusätzlichen Pluspunkt kann die Truppe mit Sänger Eddy verbuchen, der erstaunlich sicher auf dem schmalen Grat zwischen Screams und angenehmem klarem Gesang balanciert.

Jetzt muss man sich natürlich fragen, woher ein so guter Sound auf einem Debütalbum herrührt, wenn man aber weiß, dass die Herren ihren Erstling in den legendären Kohlekellerstudios aufgenommen haben, erübrigt sich das Nachfragen. Stilistisch kann man den Fünfer etwas schlecht einordnen, nennen sie doch als Einflüsse so illustre Truppen wie Pantera, Machine Head oder In Flames – es gibt also Groove und Melodien, soviel ist schon mal sicher. Lassen wir uns mal überraschen, was das Debüt so mit sich bringt.

Nach einem etwas futuristisch angehauchten Intro brüllt sich Eddy gleich in „Bloody Faced“ hinein, das bereits den ersten Anspieltipp markiert. Es ist richtig schön, wie die Jungs hier mit verschiedenen Tempowechseln einen spannenden Song erzeugen – da steckt ordentlich Druck dahinter und auch der klare Gesang im Refrain, den man übrigens direkt nach dem zweiten oder dritten Durchlauf mitsingen kann, machen sich richtig gut.

Das nächste Aufhorchen bringt dann der Modern-Metal-Stampfer und Titeltrack mit sich - wer beim Begriff „Modern Metal“ direkt (nicht ganz zu Unrecht) Reißaus nehmen will, der wird hier eines Besseren belehrt; allein die Gitarren graben sich bedrohlich, aber überraschend diskret ins Hirn, dazu gibt es natürlich wieder die gelungenen Shouts auf die Ohren, ganz zu schweigen von einem genialen Refrain.

Wirklich Ausfälle gibt es auf „Murder Diary“ nicht. Selbst das etwas fade „Get Sick“ kann trotzdem mit schönen Gitarren überzeugen, gegen Brecher wie „Bloody Faced“ wirkt es aber doch eher farblos. Richtig Tempo ins Spiel bringt dann wieder „In Obsecurity“: Der klagende Refrain in Kombination mit den folgenden rasanten Gitarren funktioniert einfach immer wieder und macht auch nach dem zehnten Hören noch Spaß, zumal ein richtig schöner Moshpart enthalten ist.

„Still Waiting“ führt den munteren Reigen hochgradig ansteckender Songs dann fort, obwohl das Tempo zum Refrain hin nicht unbedingt hätte gedrosselt werden müssen. Aber dass bei einem Debütalbum das Songwriting noch nicht hundertprozentig ausgereift ist, ist ja klar und soll hier auch gar nicht debattiert werden. Zum guten Schluss gestaltet sich „This Time…“ noch einmal richtig schön hart mit tiefen Growls und ordentlich Geschrei – ein feiner Abschluss.

Fazit: „Murder Diary“ überrascht definitiv, selbst wenn man die Truppe vorher live gesehen hat und sich überzeugen konnte, dass hier keine Stümper am Werk sind. Die Songs sind größtenteils schon bemerkenswert ausgereift, nur ein bisschen druckvoller könnte das ganze Paket daherkommen. Mit einer Stimme wie Eddy als Fronter sollte ein bisschen mehr Bumms noch leicht zu schaffen sein, auch die Instrumentalfraktion hat noch ein bisschen mehr Hummeln im Hintern nötig. Dennoch muss man Soilid im Auge behalten – da kann noch einiges kommen.

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