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SoiL: Whole

Locker-flockig back to the roots
Wertung: 9/10
Genre: Alternative Rock/Metal
Spielzeit: 37:25
Release: 16.08.2013
Label: AFM Records

Wir erinnern uns wehmütig: 2001 krachte „Scars“ von SoiL geradezu in die Heimstereoanlagen beinahe sämtlicher Alternative-Rock-Fans und entfachte wahre Begeisterungsstürme. Wie groß der Schock schließlich war, als das charakteristische Organ von Sänger Ryan McCombs 2004 durch den ebenfalls begabten, aber längst nicht so gestört klingenden AJ Cavalier eingetauscht wurde, lässt sich nur erahnen. Mit „Throttle Junkies“ und „Picture Perfect“ erschienen immerhin zwei Alben mit dem neuen Sänger, während McCombs sich zwischenzeitlich bei Drowning Pool austobte, die Ersatz für ihren verstorbenen Sänger Dave Williams benötigten.

Ganz hatte man die Hoffnung zum Glück aber nie aufgegeben: Vor zwei Jahren vermeldeten die Chicagoer die Rückkehr ihres alten Sängers – mit „Whole“ steht nun also das erste Comebackalbum der Combo an, die mittlerweile aus dem neuen alten Sänger und den beiden Gründungsmitgliedern Tim King (Bass) und Adam Zadel (Gitarre) besteht. Theoretisch dürfte hier also nichts schiefgehen, kennt die Truppe sich doch lange genug und hat seit der Gründung 1997 mehr als genug gute Songs abgeliefert. Wie man sieht, fehlt hier das Schlagzeug; kurzfristig ausgefüllt vom ehemaligen Staind-Drummer Jon Wysocki haben sich SoiL für die Albumaufnahmen Drummer Will Hunt geangelt, der schon bei Black Label Society und Evanescence trommelte.

Wo wir gerade bei Staind sind, die ja etwa gleichzeitig mit ihren Kumpels von SoiL die ersten großen Erfolge feierten (wobei kein Schwein die ersten Alben der Jungs kannte und sich alle Begeisterungswellen nur auf „Breaking The Cycle“ konzentrierten): Im Song „Wake Up“ hat sich Staind-Gitarrero Mike Mushok für einen kleinen solistischen Gastauftritt versteckt. Beim Hören fragt man sich natürlich automatisch, wo der veränderte Gitarrensound herkommt – ein Hauch von Staind lässt sich als Fan tatsächlich erschnuppern. Aber auch im Gesamtbild ist der Track einer der auffälligsten der Scheibe geworden, erinnert Ryan hier doch stellenweise an David Draiman, den Sänger der ebenfalls aus Chicago stammenden Disturbed – wahrscheinlich die einzigen beiden Sänger im Metal/Rock mit einer derartigen Stimme.

Springen wir nochmal zum Anfang der Platte: „Loaded Gun“ kommt noch ein wenig unausgegoren durch die Boxen, obwohl sich hier schon der Geist der alten Tage wahrnehmen lässt – vor allem der Refrain hätte gut vom „Scars“-Album stammen können. Richtig Spaß macht dann der folgende „The Hate Song“, der mit einer flirrenden Leadgitarre aufwarten und bei dem sich der Sänger so richtig schön auskotzen kann. Allmählich bildet sich die Art von Grinsen auf dem Gesicht, die man hat, wenn eine Band, die man früher gerne gehört hat, auch mit neuem Material überzeugen kann.

Richtiggehend tanzbar zeigt sich das Trio dann bei „Way Gone“, bei dem ein stampfender Schlagzeugbeat die Grundlage zu einem kraftvollen Song und einem noch besseren Refrain bildet. Dass der Herr auch seinen normalen Gesang noch perfekt im Griff hat, zeigt dann „Amalgamation“, bei dem sich fast schon eine Gänsehaut bilden mag ob der tiefen und wohlklingenden Stimme des Amis. Abgesehen von dem kurzen Part geht der Mann natürlich im Rest des Songs wieder gewohnt steil und legt im Refrain noch mal ordentlich an Tempo zu.

Allerdings haben die Jungs hier und da noch eine kleine Überraschung in petto: Wenn man es sich nämlich schon wieder ein bisschen zu behaglich gemacht hat, haut die Truppe mit „Little Liar“ direkt einen Song raus, der tief aus der Grunge-Ecke kommt und zumindest im Refrain frappierend nach Alice In Chains klingt, was der Truppe aber super zu Gesicht steht und vor allem die Gitarre wunderbar zur Geltung bringt. Und als wäre das nicht genug, gibt es mit „One Love“ final noch einen Track, der zu Beginn fast wie die obligatorische Ballade wirkt, dann aber nach vorne losbrettert und neben einem Gitarrensolo richtig deftige Schreie enthält. Wahnsinn!

Schön zu sehen, wie SoiL die Kurve wieder gekriegt haben und im Gegensatz zu der zwar guten, aber etwas enttäuschenden „Picture Perfect“-Platte hier wieder eine knackige Scheibe vorlegen. Den alten Sänger zurückzunehmen war vermutlich eine der besten Entscheidungen, die in den letzten zehn Jahren im Rockgeschäft getroffen wurde – hoffen wir mal, dass die Jungs dabei bleiben.

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