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SOiL: Picture Perfect

Die Metamorphose von Nu Metal zu Alternative Rock
Wertung: 7.5/10
Genre: Alternative Rock
Spielzeit: 48:21
Release: 23.10.2009
Label: AFM / Soulfood Music

SOiL stolperten mit ihrem dritten Album "Scars" im Jahr 2001 geradewegs in die vorherrschende Nu Metal-Szene, die von Gruppierungen wie Staind und KoRn regiert wurde. Mit ihren harten, aber gleichzeitig emotionalen Songs boten sie eine gute Alternative für all diejenigen, die dem Nu Metal verfallen waren, denen die genannten Bands aber einfach zu psychopathisch waren.

Inzwischen besteht das einstige Quintett nur noch aus vier Leuten. Sänger AJ Cavalier sprang 2004 für Ryan McCombs ein und übernimmt seither den schwierigen Job des Mikrophonhalters. 2007 verließ Gitarrist Shaun Glass die Band, die es bisher nicht für nötig erachtet hat, sich nach einem Ersatz umzusehen und anscheinend auch mit nur einem Gitarristen glücklich ist. Nach all den Irrungen und Wirrungen steht nun SOiLs siebtes Werk in den Startlöchern: "Picture Perfect" heißt die Scheibe und zeigt die Band von einer nicht ganz neuen Seite.

Die 1997 gegründete Chicagoer Band überzeugte auf früheren Alben vor allem durch ihre mitreißende Mischung aus harten Gitarren, präzisen Drums und dem heiseren Organ von McCombs, der es schaffte, sowohl harten Metalsongs als auch Alternative-Balladen Leben einzuhauchen. AJ Cavalier konnte bisher zwar nicht hundertprozentig in die Fußstapfen seines Vorgängers treten, hat aber eine ebenso wandelbare Stimme vorzuweisen, nur ohne den kratzigen Unterton. Auf ihrer neusten Platte scheinen sich die vier Amerikaner dem Metal eher abgewandt zu haben und stoßen mehr in Richtung Alternative.

Völlig verleugnen können und wollen die Männer ihre Wurzeln natürlich nicht: Zum Einstieg gibt´s ein recht ordentlich hämmerndes Nu Metal-Stück, das sogar eine Doublebass beinhaltet. An und für sich ist "Tear" ein typischer SOiL-Song, der den Nacken zur Bewegung anregt, aber nicht völlig wild losprügelt. Erstaunlicherweise kommt Gitarrist Adam Zadel im Laufe der Songs mit einigen Gitarrensoli daher, trotzdem wirkt der Refrain von Songs wie "Lesser Man" viel zu sehr, als wäre er für amerikanische Radiosendungen konzipiert worden. Ähnlichen Patzern fielen auch schon die großartigen Staind und Cold zum Opfer - letztere lösten sich auf, erstgenannte bekamen wenigstens wieder einen Fuß auf den Metalboden zurück.

Bei aggressiveren Parts vermisst man doch irgendwie das heisere Bellen des ehemaligen Sängers, aber zumindest schafft Cavalier es phasenweise, mit ihm gleichzuziehen. Bei den ruhigeren Stücken hat er allerdings klar die Nase vorn. Der Titelsong ist ein solches Stück mit einem emotionalen Chorus und einem etwas düsteren Einschlag. Mit diesem Streich haben SOiL definitiv zu ihrer Bestform zurückgefunden.

Das US-Radio lässt erneut grüßen: "Surrounded" könnte in jedem Nachmittagsprogramm laufen, ohne dass irgendwer daran Anstoß nehmen müsste und auch "Every Moment" überzeugt nicht hundertprozentig; zwar hat es einen durchaus treibenden und dynamischen Chorus, gleitet aber doch irgendwie wieder in den Mainstream ab. Erst "Falter" kann wieder punkten: Hier finden sich die typischen SOiL-Elemente, die man schon von den letzten Alben kennt, aber der Gesang klingt wesentlich interessanter; das Stück wird komplettiert durch einen coolen Refrain, bei dem ich mir unweigerlich die Live-Wirkung des Songs vorstellen muss.

Irgendwie schafft die Band es nicht, ein Mittelmaß zu finden. Im einen Moment klingen sie, die sie früher so geniale Balladen zustande brachten, fast kitschig ("Too Far Away"), im nächsten Moment brüllt sich AJ die Seele aus dem Leib - "Last Wish" ist zwar der härteste Song der Platte, kann aber nicht recht überzeugen. Auch hier hätte man gerne wieder Herrn McCombs am Mikro, der das Stück sicher mit noch mehr Aggressionen hätte rüberbringen können.

SOiL reihen sich mit "Picture Perfect" endgültig ein in die Riege der "Wir-waren-mal-Metal-und-sind-jetzt-Alternative"-Bands. Post-Grunge nennen es viele Musikzeitschriften - was für die letzten Alben durchaus gegolten haben mag, doch dieses hier fällt ganz einfach unter Alternative Rock. Nichtsdestotrotz gehören SOiL zu den fähigsten Rockbands überhaupt; auch wenn sie sich mit diesem Album vermutlich einen Stammplatz im US-amerikanischen Radio gesichert haben.

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