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Sodom: Epitome Of Torture

Zündet erst richtig nach mehreren Anläufen
Wertung: 8,5/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 39:57
Release: 26.04.2013
Label: SPV/ Steamhammer

Wer erwartet, dass die Gelsenkirchener Thrasher Sodom anfangen zu schwächeln, jetzt wo sie doch erst kürzlich genullt haben und sich nun sogar mit großen Schritten auf die Schnapszahl 33 zubewegen, der hat sich dermaßen in den Fandaumen geschnitten, dass sich daraus nur ein eitriges Geschwür entwickeln kann. Heilbar sicherlich mit einer gehörigen Portion „Epitome Of Torture“, wobei eine einmalige Behandlung nicht ausreicht, dann man muss dem aktuellsten und nunmehr vierzehnten Studio-Output schon mehr als einen Durchlauf gönnen, denn Sodom gehen beileibe nicht auf Nummer sicher, haben zwar immer wieder die typischen sodomschen Trademarks verbaut, aber auch so manche überraschende Wendung ins Spiel eingebracht.

Die Wendungen haben aber nichts mit Neuzugang Makka zu tun, der ja 2010 das Erbe von Bobby übernahm, welcher 13 Jahre für die Trommelrhythmusarbeit zuständig war. Nun muss man aber nicht befürchten, dass sich die Sodom-Songs in eher progressive Arrangements flüchten, spielte Makka parallel schließlich auch noch bei den leider mittlerweile nicht mehr aktiven Everflow aus Marl. Tom Angelripper selbst gerät ständig ins Schwärmen, wenn er über Makka erzählt, soll der Kerl doch einfach alles in allen Geschwindigkeiten spielen können, wie der Frontmann es braucht oder haben will.

Zu Beginn allerdings führen Sodom den Fan erst auf die falsche Fährte, erinnern die ersten Sekunden von „My Final Bullet“ eher an powermetallische Grundlagen aus dem Vicious Rumors-Lager anno „Word Of Mouth“-Zeiten, das ändert sich dann aber recht zügig, denn der Track wandelt sich in einen typischen sodomschen Stampfer mit reichlich flirrenden Gitarrensoli. Melodie scheint aber ein etwas größeres Unterfangen auf diesem Album zu sein, denn bei „Cannibal“ packen sie die Groove-Keule hinzu, beim Rausschmeißer der regulären CD „Tracing The Victim“– die limitierte Digipak-Version hat zwei, die Vinylversion sogar drei weitere Tracks im Aufgebot – stampfen sie nicht nur im Midtempo daher, sondern bauen auch hier schon fast ungewohnt melodische Momente ein. Bei der Abrissbirne und dem  Titeltrack „Epitome Of Torture“ kann man sich dann zum Midtempo-Rhythmus herrlich die Birne abschrauben.

Egal aber, ob Melodie oder mittlere Geschwindigkeit, Tom Angelripper brüllt einmal mehr seine Texte angepisst heraus. Der als der seit langem härteste Sodom-Song angekündigte Track „Stimatized“ hält, was er verspricht, rumpelt sicherlich mit in einer Liga aus „Bombenhagel“ auf „Tapping The Vein“-Pfaden und ist einfach nur stumpf as fuck, mit „S.O.D.O.M.“ schaffen sie den Schulterschluss mit der eigenen Vergangenheit zu „Persecution Mania“-Zeiten und schon jetzt kann man sich ausmalen, wie die Fans mit gehobenen Powerfäusten den Refrain förmlich mit in Grund und Boden brüllen.

Auf zum Folklore-Ringelreihen und anschließend schnell in den Moshpit, so könnte man bei „Katjuscha“ meinen, nur um dem Thrasher die blutige Würze zu geben, handelt es sich doch hier einmal mehr textlich um eine der verheerendsten Tötungsmaschinen bis in die heutige Zeit hinein. „Invocating The Demon“ dagegen ist sogar richtig progressiv, für Sodom-Verhältnisse gar richtig melodisch, bricht dann aber doch in typisches Geknüppel aus, bevor im Refrain wieder der Groove und das Progressive die Oberhand gewinnen.

Klar ist, dass das Epizentrum des Thrash Metals doch noch im Pott zu finden ist. Zwar kratzen Accuser und Co. schon gewaltig am Erbe, aber über die komplette Historie hinweg sind es doch gerade Bands wie Sodom, die die Fahne des ureigenen Teutonenthrash noch immer hoch halten – hier werden nicht ein paar Fläschchen Bier kaltgestellt, hier wird ein zünftiges Fass angestochen. Prost auf „Epitome Of Torture“, Prost auf Sodom.

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Das ist halt auch der Ruhrpott, da geht es gerade heraus, was Sache ist

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