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Sober Truth: Outta Hell

Höllisch gutes Zweitwerk der Bonner Combo
Wertung: 8.5/10
Genre: Heavy Metal, Thrash Metal
Spielzeit: 57:10
Release: 21.11.2009
Label: TaktArt Records

„Ab-geht-die-Post-Heavy-Metal“ – das klingt erschaudernswert klar nach betrunkenen Menschen in speckigen Kutten, alternden Bikern, möglicherweise etwas flügellahmen Musikern, die es unbedingt noch mal wissen wollen und einer Show, die nur durch gutes Zureden oder ausreichende Mengen Alkohol zu ertragen ist.

Weit gefehlt! Weder sind Sober Truth alt – auch wenn sie ihre Teenagerjahre schon hinter sich gelassen haben dürften -, noch klingt das Quartett auch nur annährend flügellahm und sinnlos besaufen sollte man sich beim Hören der neuen Platte „Outta Hell“ erst recht nicht – man könnte ja virtuoses Gitarrenspiel und abwechslungsreichen Gesang en masse verpassen. Die erst 2007 gegründete rheinländische Band vermag auf ihrem zweiten Longplayer nicht die Welt aus den Angeln zu heben, überraschen aber mit ungebrochener Spielfreude und – man höre und staune – einem Sänger, der von Classic Metal über modernen Disturbed-artigen Gesang bis hin zu gothicartigen Tönen eine stimmliche Bandbreite beherrscht wie kaum ein Zweiter im Heavy Metal - da lässt sich sogar irgendwo eine Nuance Serj Tankian entdecken, wenn man genauer hinhört.

Die meiste Zeit – und das ist keineswegs als Kritik gemeint – klingen die Herren nach Urgesteinen wie Grave Digger, versetzt mit einer gewaltigen Portion modernem Metal à la Five Finger Death Punch oder eben Disturbed. Wenn man eine Prise Hardcore, Thrash und klassischen Heavy Metal hinzufügt, kann man sich ungefähr vorstellen, was einen auf „Outta Hell“ erwartet. Dabei ist es allerdings schwierig, einzelne Songs differenziert zu betrachten, weil fast jedes Stück der Platte (wenn man die drei „Introduction“-Teile mal außen vor lässt), eine unglaubliche Eindringlichkeit aufweisen; in manchen Refrains spürt man gar den berühmten Kloß im Hals, wenn Sänger Torsten, untersützt von seinen beiden Kollegen Hamid und Tobi, richtig loslegt.

Der Titeltrack weckt direkt die ersten Assoziationen mit Grave Digger – ob es an dem lustigen deutschen Akzent liegt, weiß ich nicht, aber es passt einfach und Torstens leicht nach der alten Schule klingende Stimme versüßt den Song zusätzlich. Waghalsige Gitarrensoli erwarten uns bei „My Life“, einem thrashigeren Stück mit sehr coolem Gesang; auch „Leave Me Alone“ und das im Chorus fast hypnotische „I Believe“ schlagen eher in die Thrash-Kerbe. Oben genannte moderne Bands kommen vor allem bei „Soulless“ zum Vorschein, das hier im „Burning Flavour Mix“ vorliegt. Remix hin oder her, der Song ist einsame Spitze, Torstens Stimme erinnert sehr an Disturbeds Dave Draiman, obwohl man kaum für möglich gehalten hätte, dass es einen weiteren Sänger auf dieser Erde gibt, der auch nur ansatzweise ähnlich klingt.

Nach all den starken Songs geht es relativ durchschnittlich weiter: Die Fünf-Minuten-Terrine „Liar“ schreddert zu Anfang beeindruckend los, verliert sich aber direkt ein wenig in den überlangen Instrumentals; „Victim“ hingegen darf getrost als schwächster Song der Platte bezeichnet werden, was ausschließlich an dem merkwürdigen Refrain liegt, der weder zum Song noch zum Rest der Platte passt. Tatsächlich findet sich auf dem „Ab-geht-die-Post“-Album auch eine astreine Ballade: Torsten wird hier – abgesehen von einem „Phantom Of The Opera“-mäßigen Klavier – nur von der 16-jährigen Kölnerin Kim Petras unterstützt, die mit ihrer kraftvollen Stimme gut zum Organ des Sängers passt. Wunderschöner Song, der zwischendurch leicht am Kitsch kratzt, dennoch sehr schön daherkommt.

Sober Truth legen mit „Outta Hell“ ein homogenes, dennoch abwechslungsreiches und vor allem spielfreudiges Werk vor, dem sich kein Metalhörer, sei es aus der Thrash, Classic oder Modern Metal-Ecke, verschließen sollte. Schließlich kommt es nicht von ungefähr, dass die Rheinländer Anfang Februar im Finale des Unholy Underground Metal Band Contest stehen werden – und mit ihrer unnachahmlichen Mischung und den genialen Melodien dürften sie es nicht besonders schwer haben.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“