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Soaring: Analog Distress

Fake-Progressive mit inakzeptabler Gesangsleistung
Wertung: 3/10
Genre: Alternative Rock
Spielzeit: 61:22
Release: 01.04.2009
Label: Sonic Revolution

Man kann den vier Hannoveranern, die unter dem Namen Soaring ihr Debütalbum "Analog Distress" veröffentlichen, sicherlich vieles vorwerfen, von dem einiges auch Gegenstand dieses Reviews sein wird, aber mangelndes Selbstbewusstsein gehört garantiert nicht dazu. Das fängt mit der Selbstbeschreibung der Band und ihrer Musik an, die von einem "Sound, der sich in keine Schublade stecken lässt" spricht, ferner von einer "rohen Kraft", die hier vorhanden sein soll und welche die Band live noch besser transportieren kann als auf Platte. Außerdem ist die Rede von "frischer Produktion", "fast schon epischem Progressive-Rock" und "unverbrauchter Rockmusik". Um ehrlich zu sein: wenig bis nichts davon ist auf "Analog Distress" wirklich vorhanden.

Wer jemals "Where Did You Sleep Last Night" in der Version von Mark Lanegan gehört hat, weiß, dass ein einzelnes Saiteninstrument im Alleingang im Intro ordentlich Atmosphäre erzeugen kann. Soaring haben das im Opener "Start Again" auch probiert, scheitern aber kläglich. Kurz darauf setzen mehr Gitarren ein, trotzdem holpert der Song ordentlich.

Ein weiteres Beispiel für die Unverfrorenheit des Quartetts präsentiert sich dem Hörer dazu in seiner ganzen Pracht: Sänger Stephan Kosher muss man eigentlich schon als Phänomen bezeichnen. Nicht nur, dass der Gute mit einem unüberhörbaren deutschen Akzent gesegnet ist, er schafft es zudem, mit seinem Organ noch deutlich weniger Emotionen zu transportieren als ein Reisegruppenleiter bei seiner zehnten Tagesführung durch ein Marshmallowmuseum. Hinzu kommt noch, dass lange nicht alle Töne überhaupt gerade gesungen sind. Sind Mehrspuraufnahmen wieder aus der Mode, oder warum hat es diese gesangliche Un-Leistung auf Platte geschafft? Warum gibt man sich als Band damit so zufrieden, dass man es als veröffentlichungswürdig betrachtet? Warum wurde der Sänger nicht ersetzt beziehungsweise mit einer Kaffeemaschine und tonnenweise Ricola im Aufnahmeraum eingeschlossen, bis seine Parts sauber im Kasten waren? Fakt ist jedenfalls: der Gesang stellt einen gewaltigen Störfaktor auf "Analog Distress" dar und kratzt, genauso wie die in äußerst dürftigem Englisch verfassten Texte, durchgehend an den Nerven.

Nicht, dass ansonsten technisch alles astrein wäre: Bei so mancher Gitarren- und Bassline hätte man sich ebenfalls einen zusätzlichen Take gewünscht; Timingprobleme und Nebengeräusche tauchen immer wieder mal auf, fallen aber im Vergleich zu der Vokalarbeit nicht so schwer ins Gewicht. Insgesamt wirkt aber auch die Instrumentalarbeit amateurhaft und stellenweise ziemlich schlampig. Hin und wieder findet sich mal die ein oder andere nette Idee, wie beispielsweise der Break in "The Only Ones" und das ein oder andere fette Riff; überschattet werden die guten Momente aber jederzeit vom gesanglichen Unvermögen und der unpassenden, schlaffen Produktion, der vor allem das Schlagzeug zum Opfer fällt.

Um noch einmal auf die Klassifizierung von Soaring zurückzukommen: wenn das Verwenden von gelegentlichen 6/8- und 7/4-Takten bereits reicht, um sich als progressiv bezeichnen zu dürfen, dann soll die Band sich diesen Sticker meinetwegen anpappen. Den Vergleich mit Größen wie Porcupine Tree oder Tool zu suchen, halte ich aber in Anbetracht der fehlenden technischen Fertigkeiten und der Tatsache, dass der Musik auf "Analog Distress" die Magie und Intensität der Vorbilder völlig abgeht, für ein definitives Eigentor. Und für das Adjektiv "episch" braucht es auch etwas mehr, als einen melodischen Ohrwurm-Refrain wie im Opener. Alternative Rock mit Pop-Appeal – wesentlich mehr ist nicht zu holen. Sich absolut auf kein Genre festlegen zu wollen und ständig auf Eigenständigkeit zu pochen, ist in den seltensten Fällen von Erfolg gekrönt.

Fazit: Das Wort "belanglos" beschreibt den Inhalt von "Analog Distress" wohl am besten. Hier ist nichts zu finden, was man unbedingt gehört haben müsste und auch nichts, was es nicht schon in besserer Form gäbe. Zusammen mit der schwachen musikalischen, gesanglichen und produktionstechnischen Leistung ergibt sich daraus eine klare Empfehlung, das Geld für diese Scheibe lieber zu spenden oder in eine Platte der Vorbilder von Soaring zu investieren.

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