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Sniper: Plasmodium

Ein Plattenvertrag sollte locker drin sein
Wertung: 7.5/10
Genre: Death / Thrash / Black Metal
Spielzeit: 16:53
Release: 01.02.2010
Label: Eigenproduktion

Was mir schon vor dem Anhören dieser EP gefällt, ist, dass die Jungs von Sniper offensichtlich eine ordentliche Portion Humor besitzen. Wenn im letzten Satz des Infozettels gesagt wird, man brenne darauf, die neuen Songs von der Bühne gebührend unters Hart-Volk zu bringen, das sich da aus Headbangern/Moshern/Violent Dancern/Pogern/Corelern/Stillstehern und Musikerpolizisten rekrutiert, so wirkt das irgendwie sympathisch.

Genauso wie die Tatsache, dass die vier Rotenburger eben vorliegende, vier Tracks starke EP „Plasmodium“ seit Anfang Februar zum Download auf ihrer MySpace-Seite bereitgestellt haben, da diese in Scheibenform nur für uns Pressefritzen vorliegt. Das Ganze soll ein Vorgeschmack auf das kommende Album mit dem geplanten Titel „To The Marrow“ und eine Bewerbung bei Labels darstellen, da man momentan ohne Plattendeal dasteht.

Und haut man die CD nun in den Player, so muss man sich schon die Frage stellen, warum dies der Fall ist, denn was die Band hier bietet, hat definitiv Format und klingt recht originell. Dominierend ist hier sicherlich technischer Death Metal, aber so richtig legen sich Sniper nicht auf ein Genre fest, womit sie gut fahren, da sie sich so gut von der Masse abheben. Der Opener und Titeltrack beginnt mit von fiesem Geschrei begleiteten Blastbeats, die gleich mal zeigen, wo der Hammer hängt. Später wird das Ganze dann in gleichzeitig groovigere (in der Rhythmussektion), wie melodischere (was die Leads angeht) Bahnen gelenkt, während die Screams hin und wieder von Growls oder Gebrüll abgelöst werden: In nur vier Minuten wird hier eine Menge Abwechslung geboten, ohne dass man das Gefühl hätte, es würde lediglich Part an Part aneinander gereiht. Das ist sowohl vom Songwriting, als auch vom handwerklichen Niveau her durchaus beeindruckend.

„Brother Make My Day“ schließlich ist ausschließlich in oberen Temporegionen gehalten, während „Darkness Descends“ wiederum in allen möglichen Sparten des extremen Metal wildert: Von Black-Metal-artigen Passagen, die von Gekreisch unterlegt sind, über mit leichten Metalcore- und Thrash-Anleihen versehenen Parts, Midtempo-Sequenzen, in die auch hier und da ein paar cleane Vocals eingestreut sind (diese sind qualitativ allerdings deutlich ausbaufähig) und halsbrecherischen Solopassagen à la Into Eternity, ist hier alles dabei, fügt sich aber erneut erstaunlich stimmig zusammen.  

Der letzte Song „To The Marrow“, der ja auch der Titeltrack des kommenden Albums werden soll, beginnt wie ein typisches Gojira-Stück, bevor man auch hier wieder zwischen Metalcore-mäßigen, thrashigen und melodisch-technischen Death-Metal-Passagen pendelt, die mal im Mid- und mal im Uptempo gehalten sind. Zum Teil gibt es hier erneut cleanen Gesang zu hören, aber wie gesagt: Da müssen die Jungs noch ein wenig dran arbeiten.

Ansonsten aber gibt es nicht viel zu meckern; wie man hier locker-flockig zwischen verschiedenen Stilrichtungen des Extrembereichs hin und her wechselt, Breaks und Tempowechsel setzt, ohne den Hörer allzu sehr vor den Kopf zu stoßen, verdient Respekt. Auch die Produktion, für die man allerdings Legende Andy Classen gewinnen konnte, ist für ein in Eigenregie eingetrümmertes Werk äußerst hörenswert. – Es sollte doch mit dem Gehörnten zugehen, wenn diese Combo nicht bald einen Plattenvertrag abgreift!

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