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Slipknot: The End, So Far

Auf beinah ganzer Länge herrlich brutal
Wertung: 9,5/10
Genre: Nu Metal, Metal
Spielzeit: 57:35
Release: 30.09.2022
Label: Roadrunner Records

Man kann von Slipknot nun halten, was man möchte, aber die Band schafft es immerhin seit über 25 Jahren, die Spannung hochzuhalten. Nachdem von der Besetzung der ersten Platte nur noch sieben der neun Mitglieder übrig sind – RIP Paul Gray und Joey Jordison – und die verstorbenen Bandmitglieder ersetzt wurden, lässt alleine der Titel der neuen Scheibe schon wieder Pulsraten weltweit steigen. „The End, So Far“ – das klingt doch irgendwie sehr verdächtig nach Auflösung?! Bisher schaut es nicht danach aus, wir hoffen mal das Beste. Rente scheint zumindest für den Großteil der umtriebigen Musiker noch keine Option zu sein.

Für Bescheidenheit gilt übrigens ähnliches, kündigte natürlich ausgerechnet „Clown“ Shawn Crahan doch das Album als „god music“ an – klugerweise veröffentlichte die Truppe dann das sehr an Frühwerke angelehnte „The Chapeltown Rag“ mit seinen absolut geisteskranken Vocals und den altbekannten Percussionelementen, die gerade auf den letzten Alben eher zu kurz gekommen waren. Ein akustisches Massaker, das vor nicht allzu langer Zeit von der neuen Single „The Dying Song (Time To Sing)“ abgelöst wurde – zwar mit klarem Gesang im Refrain, aber im Großen und Ganzen mit ähnlich brutalem Grundton. Man konnte also als Fan der ersten Stunde schon mal ordentlich abfeiern; zuletzt wurde mit „Yen“ dann aber doch eine deutlich ruhigere Single ausgekoppelt, die klar machen sollte, dass Slipknot nicht wie in den Anfangstagen durch die Botanik brettern ohne nach links oder rechts zu schauen. Eine Ballade ist „Yen“ aber keinesfalls geworden: Zu wütend tönt Corey Taylor im Verlauf des Songs, zu dicht sind die Drums, zu präsent der dramatisch-gruselige Unterton, zu zornig der Ausraster des Sängers gegen Ende.

So haben Slipknot also drei überraschend starke Songs vorab auf die Fangemeinde losgelassen, ohne dabei ihre Bandbreite einzubüßen – ob das jetzt die Skepsis gegenüber der restlichen Tracklist schmälert oder schürt, mag bei jedem unterschiedlich sein. Hier herrscht erst mal Skepsis vor, dabei wiegt die Neunertruppe den Hörer natürlich erst mal in Sicherheit: Das Album sowie der Opener „Adderall“ startet mit entspannten, fast meditativen Samples, wir bekommen poppig anmutenden Gesang auf die Ohren, untermalt von Electro-Beats. Dabei ist der Song gar nicht mal schlecht, nur aus der Feder von Slipknot eben ein bisschen gruselig. Aber gut, andererseits sind die Herren ja auch für einen gewissen Gruselfaktor bekannt.

„Hive Mind“ katapultiert uns recht flott zurück in die Anfänge der 2000er – ähnlich wie „The Chapeltown Rag“, aber auf der Langstrecke nicht ganz so manisch, ballert der Tracks aus den Boxen. Der Refrain, klar gesungen, schmiert dagegen beinah ein bisschen ab, trotzdem bleibt ein starker Track. Highlight sind hier natürlich die wie wütend summenden Gitarren, die Jim Root und Mick Thomson bis zum Exzess quälen, ebenso wie das nicht minder enthemmte Geschrei gegen Ende des Songs.

„Medicine For The Dead“ kann dann als Paradebeispiel für Corey Taylors gesangliche Entwicklung herhalten – über verschiedene klare Gesangsstile bis zum unmenschlichen Geschrei, das der Mann mittlerweile perfektioniert zu haben scheint, ist alles dabei, zudem kann der Song mit einer schön dramatischen Grundatmosphäre aufwarten. „Heirloom“ rauscht dann tatsächlich einmal durch die Gehirnwindungen ohne einen besonderen Eindruck zu hinterlassen, geht aber auch ein bisschen im Grundrauschen des Wahnsinns unter, das hier auf „The End, So Far“ vorherrscht. Dafür bildet „H377“ wieder einen brutalen Kontrapunkt, wie es so durch die Box stolpert, von Melodie kann erst mal gar nicht die Rede sein, dafür schält einem die Kombination von Taylors keifendem Geschrei und den Gangvocals die Gesichtshaut weg. Und ja, wir dürfen uns auch wieder an dem gehässigen Gelächter erfreuen, das auf den früheren Slipknotwerken immer mal durchgeblitzt ist.

Ein absoluter Wahnsinnstrack steht dann mit „De Sade“ ins Haus, bei dem die Truppe erneut stimmlich wie auch kompositorisch keine Gefangenen macht; allein die „Yeah“-Gesänge werden live sicherlich so einiges zur allgemeinen Heiserkeit beitragen. Nicht unter den Teppich fallen lassen darf man das absolut tighte Drumming von Jay Weinberg, der sich als Ersatz für Jordison erstaunlich tapfer eingelebt hat.

Auch nach einer ganzen Handvoll Durchläufen kann man sich nicht ganz sicher sein, wirklich hinter das Album gestiegen zu sein. Von genialen Klargesängen über wahnsinnige Ausraster wie aus „Iowa“-Zeiten dürfte eigentlich für Slipknotfans alles dabei sein. Da verzeiht man sogar einen elektrischen angehauchten Track wie den Opener, zumal der sich eigentlich nicht schlecht ins Gesamtbild einfügt und den Hörer im Gegenteil sogar ein bisschen auf den Holzweg führt. Nach einem Song wie „Adderall“ – und auch in Anbetracht der letzten Scheibe „We Are Not Your Kind“ – hätte man zumindest solch starke Nu-Metal-Tracks eher nicht erwartet.

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