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Slipknot: Slipknot

Ein Meilenstein des Nu Metal
keine Wertung
Genre: Nu Metal
Spielzeit: 60:30
Release: 29.06.1999
Label: Roadrunner Records

Manchmal nimmt man sich als Schreiberling Dinge vor, die von Vornherein quasi zum Scheitern verurteilt sind. Bei mir ist das regelmäßig die fixe Idee, die Diskografien der Lieblingsbands mal komplett ins The-Pit.de-Archiv einzupflegen. Da stapeln sich die Platten hoch und höher, bis in einem Anfall von Frust alle Pläne gestrichen werden und man sich wieder auf aktuelles Promo-Material konzentriert.

Slipknot als eine Band, die den „Nu Metal“ mehr oder weniger wegweisend mit gestaltet hat, wurde hier bislang schmählich vernachlässigt. Also ran an den Speck und los geht‘s mit der ersten offiziellen Scheibe „Slipknot“, die nächstes Jahr unfassbares zwanzigjähriges Jubiläum feiert.

Die Schreiberin dieser Zeilen zählte unschuldige elf Jahre, als die erste Scheibe dieses wahnwitzigen Neuners aus Iowa veröffentlicht wurde. Neun Musiker, das war überhaupt schon die erste Herausforderung für das bislang noch nicht sehr hart rangenommene Hörorgan, dann diese gruseligen Masken, tote Tiere waren bei Liveauftritten der Band zugegen, alle schienen irgendwie im Drogenrausch – und dann, kristallklar wie eine Erscheinung, erschien „Wait And Bleed“ auf der Bildfläche, bei dem Sänger Corey Taylor den Hörer erst in Sicherheit wiegt, um dann erbarmungslos mit ordentlichem Gebrüll zuzuschlagen. Ganz klar, das Album wurde gekauft (sehr zur Freude von Mama, die sich den Blödsinn von da an täglich anhören musste), und mit Begeisterung festgestellt, dass „Wait And Bleed“ nicht das einzige Goldnugget auf der knappen Stunde Spielzeit war.

Tatsächlich stellt der Track beinah so etwas wie einen Moment zum Verschnaufen dar – eingekreist von dem manisch-hysterischen „Eyeless“ mit seinen flirrenden Gitarren, die schon bald eines der Markenzeichen der Truppe werden sollten, und dem absolut genialen, pumpenden „Surfacing“ mit dem mittlerweile klassischen Refrain „Fuck it all, fuck this world, fuck everything that you stand for/Don‘t belong, don‘t exist, don‘t give a shit, don‘t ever judge me“ mutet „Wait And Bleed“ fast schon poppig an.

Da Slipknot nicht nur die klassische Besetzung aufwiesen, sondern neben Joey Jordison als regulärem Drummer auch gleich zwei völlig bekloppte Percussionisten, einen DJ und einen Mann für die Samples auf die Bühne quetschten, gestalteten sich gerade Tracks wie „Spit It Out“ deutlich chaotischer, als man es aus dem Rock- und Metalbereich gewöhnt war. Gleichzeitig trug dieses absolute Chaos aber zu einem rasant steigenden Bekanntheitsgrad der Band bei, den sicherlich so niemand hätte voraussehen können.

Völlig überraschend findet sich gleich auf dem Debüt ein erstes Zeichen dafür, dass Schreihals Taylor auch richtigen Klargesang, abseits des nöligen Gesangs von „Wait And Bleed“, beherrscht: „Me Inside“, ein an sich räudiger, lärmiger Track voller akustischer Qual, überrascht und begeistert mit einem fantastischen klar gesungenen Refrain.

Sich auf ein paar Anspieltipps festzulegen, ist hier als Fan wirklich sauschwer. Die bekanntesten Tracks finden sich sicherlich auf der ersten Albumhälfte, „Slipknot“ stellt aber insgesamt eine solche Perle dar, dass sie eigentlich in keiner Sammlung fehlen darf. Damals als Eintagsfliege zwar gefeiert, aber doch mit Skepsis beäugt, sollte der Neuner schon zwei Jahre später beweisen, dass es noch besser geht.

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