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Slipknot: .5: The Gray Chapter

Man hatte es schon nicht mehr für möglich gehalten...
Wertung: 8,5/10
Genre: Alternative Metal
Spielzeit: 89:40
Release: 17.10.2014
Label: Roadrunner Records

Slipknot polarisieren. Schon seit Gründung der Band Ende der Neunziger gibt es eigentlich nur zwei Gruppen: Fans und diejenigen, die die Band mit ihren Masken und ihren Bühnenausrastern völlig lächerlich finden. Nichtsdestoweniger hat der Neuner unglaubliche Erfolge eingeheimst, wenn man bedenkt, dass die Truppe sich zumindest die meiste Zeit alles andere als massentauglich gibt.

Am Abgrund stand die Band schon öfter, von Trennung war die Rede, fast alle Bandmitglieder haben nebenbei noch andere Projekte, das berühmteste hier sicherlich Stone Sour, das Baby von Sänger Corey Taylor und Gitarrist Jim Root, das bereits vor Slipknot gegründet worden war. Im Frühjahr 2010 dann der Schlag schlechthin für jede Band, erst recht, wenn sie bereits so lange in dieser Formation gespielt hat: Bassist Paul Gray wird tot aufgefunden. Ende 2013 dann der nächste Schlag: Drummer Joey Jordison verlässt angeblich die Band, dementiert dies zuerst via Facebook, später wird aber klar, dass der kleine Mann mit dem Riesentalent nicht auf dem neuen Album erscheinen wird, da er an keinem der Songwritingprozesse teilgenommen hatte. Mittlerweile ist zwar Ersatz gefunden, sowohl Drummer als auch Bassist sollen aber nicht namentlich genannt werden und sind laut Aussage der Band auch keine permanenten Mitglieder.

Mit all diesen Spannungen und Wirrungen wurde das neue Album natürlich heiß gehandelt. Dem Titel nach ist es eine Hommage an das verstorbene Bandmitglied geworden – „.5: The Gray Chapter“ weist eine eigentümliche Schreibweise auf und ist die erste Veröffentlichung nach dem etwas strittigen „All Hope Is Gone“ von 2008; eine lange Zeit, in der die Band sich entweder berappelt hat oder völlig aus der Bahn geraten ist. Eine große Portion Skepsis bleibt also erstmal, wenn man sich die Platte zum ersten Mal zu Gemüte führt.

Uns liegt die Special Edition mit fast 90 Minuten Laufzeit vor – das derzeitige Septett hat sich also nicht lumpen lassen. Bereits vor einigen Wochen wurde die erste Single „The Negative One“ ausgekoppelt – ein düster bratender Track, der stark an die alten Zeiten der ersten beiden Alben erinnerte und entsprechend die Fans begeisterte (übrigens fällt die erst Anfang Oktober veröffentlichte dritte Single „Custer“ ähnlich aus, was einmal mehr beweist, dass Slipknot nichts von ihrem alten Wahnsinn eingebüßt haben). Weiteres Singlematerial wurde mit „The Devil In I“ bereitgestellt, das wesentlich mehr Melodien enthält und so ein gutes Gegenstück zur ersten Single bildet.

Gestartet wird allerdings in bester Gruselmanier mit „XIX“ und einer genialen Hammondorgel, gespielt von „Clown“ Shawn M. Crahan. Die Gänsehaut stellt sich recht schnell ein, zumal Taylor genau an der richtigen Stelle mit heiserem Gesang einsetzt. Zwar hätte der Song auch einen der düsteren Momente auf einer Stone-Sour-Platte markieren können, als Album-Opener eignet sich das Stück aber auch hier ganz hervorragend. Wir begeben uns rasch zum Ende der Platte, wo „If Rain Is What You Want“ unglaublich düster und resigniert durch die Boxen schwappt – eines der eindringlichsten Lieder, die die Band jemals fabriziert hat.

Dazwischen warten jede Menge Überraschungen: „Killpop“ gibt sich unheilvoll-melodisch, „Lech“ kommt dann mit teils fast todesmetallischem Drumming daher, während „Nomadic“ wieder an alte Zeiten anknüpft und ein bisschen als kleiner Bruder von „The Heretic Anthem“ daherkommt.

Letztlich stehen noch eine Handvoll Bonustracks auf der Liste: „Override“ merkt man im Gegensatz zu anderen Stücken an, dass es ein relativ neuer Song ist, aggressive Gesangsparts wechseln sich mit Klargesang ab, der vor allem im Refrain stark dominiert – ein guter Track. „The Burden“ baut sich zwar solide auf, was aber wirklich Freude macht sind die fein eingespielten Gitarrenflirrereien – überhaupt gibt es auf der neuen Platte diesbezüglich einiges zu entdecken. „Silent“, „Talk“ und „Funny“ wurden dann die übrigen drei Tracks betitelt und genau das beinhalten sie auch – erst herrscht zwei Minuten lang Schweigen, dann werden fiebrige Instrumentalparts mit zum Teil eher schlecht verständlichem, gesprochenen Text gemischt und zu guter Letzt kommt ein Akkordeon ins Spiel, dazu ein bisschen verzerrter Gesang, was aber bei einer Truppe wie Slipknot weniger lustig als vielmehr gruselig daherkommt.

So ganz kann man auch nach dem dritten und vierten Durchlauf noch gar nicht glauben, dass die Amis sich so gut berappelt haben, trotz sechsjähriger Albumpause und neuem Line-Up. „.5: The Gray Chapter“ ist ein klasse Album geworden, das hier und da ein paar Längen aufweist, bei dem man aber einen viel deutlicheren roten Faden vorfindet als beim letzten Output. Slipknot sind wieder strukturierter und bewegen sich in einem guten Mittelfeld zwischen altem und neuem Sound. Lediglich die letzten drei „Songs“ hätte man sich sparen können.

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