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Slime: Zwei

Gelungene Frischzellenkur mir Rotz und Dreck
Wertung: 8/10
Genre: Punk Rock
Spielzeit: 61:04
Release: 15.07.2022
Label: Slime Tonträger/ Hulk Räckorz

Im Grunde können die Altherren von Slime machen, was sie wollen, ein Teil der Szene wird ihnen immer auf die (wir bleiben im Punk-Sprachjargon) Fresse hauen wollen, zu sehr spaltet das Früher das Heute, zu sehr tun sich im herrlichen linksgerichteten Punk die Gräben zwischen Traditionsbewahrung und Veränderung auf. Diggen ist raus, schon 2020, doch irgendwie ist der große Aufschrei ausgeblieben, und das bei einer Band, die seit ihrer Gründung eigentlich in vielen Bereichen Maßstäbe – zumindest für sich selbst – als fast schon übermäßige Pflöcke gesetzt hatte.

Und was ihnen in der eigenen Vergangenheit schon intern für Unruhe eingeheimst hatte, so durfte man doch als Altfan der Truppe spätestens mit dem hohen Charteinstieg von „Wem gehört die Angst“ schnell abwinken. Ausverkauf, Erwartungen erfüllen, nur zwei Punkte, woran sie schon in der Vergangenheit scheiterten. Und es ist ja eh schwierig, über eine Punkinstitution zu schreiben – auch oder gerade weil die Herren das nicht mehr hören wollen.

Schnell vorweg genommen: „Zwei“ überrascht auf ganzer Linie, und das positiv. Die Reißzähne sind wieder ausgepackt, die „Streetcredibility“ wieder hergestellt, das Rotzige hat sich wieder in den alten Knochen eingenistet. Klar, kleine Zitate wie in „Weil fickt euch alle“ - schönen Gruß an seelige „Schweineherbst“-Zeiten - lassen immer wieder die eigene Vergangenheit aufblitzen und wirken so gar nicht affektiert gesetzt, sondern kommen frisch und ehrlich daher. So wie auch der Song selbst, bei dem sich ach so viele Pathos schwingende Deutsch-Rock-Bands gerne ein Pfund abschnipseln könnten.

Wer Slime nach dem Frontmann-Ausstieg abschrieben wollte und schon vor zwei Jahren den nicht Pandemie-bedingten Tod andichtete, der muss sich nicht nur mit Neuröhre Tex Brasket anfreunden, sondern darf auch schnell die eigenen Vorurteile (die man eh jeden Tag aufs Neue bekämpfen sollte) über die Alster werfen, denn was Tex da abliefert, ist einfach so nah an der Basis, dass der frische Wind wie eine ordentlich norddeutsche Sturmfront in die Fresse blässt. „Fresse“ ist hier ganz bewusst als Kraftwort eingebunden, denn Slime nehmen textlich auch keinen Blatt vor den Mund wie in der Abgehnummer „Scheiss Beerdigung“, eine gelungene Änderungsankündigung mit Tiefgang. Im Vorfeld sind viele sicherlich anerkennend über „Komm schon klar“ gestolpert, wo Slime zu alten Stärken gefunden haben und ein bisken Abwärts-Gitarrenrifferei einbauen, sogar eher Metal-affine HörerInnen dürften sich am Gitarrensolo erfreuen. Allein aber der Text ist einmal mehr solch eine emotionale persönliche Achterbahnfahrt, die „Kraft zum Durchhalten“ gibt es hier gleich tonnenweise – schon jetzt klar, was auf zukünftigen Shows ganz sicher immer angespielt werden muss.

Anders dann aber das akustisch startende „Sein wie die“ mit einer gehörigen Rio Reiser-Attitüde, aber auch hier punkten Slime neben aller rockigen Eingängigkeit gerade auf textlicher Ebene – auch hier persönlich as fuck mit fetter Absage an das Establishment. „Nix wie Punkrock“ liefert genau das, was der Titel schon vorgibt, der verbale Stinkfinger mit reichlich Vergangenheitsbewältigung (ACAB in „Taschenlampe" ist doch auch ein netter Beleg), eine straighte Nummer mit Schweiß und Dreck der Strasse. Gefühlt liefern Slime eben das, was zu Slime gehört, nur geplant hört es sich eben nicht an. Und wo vorhin schon der Schweineherbst herhalten mussten, so kann man sich bei „Bester Freund“ genau in Neunziger zurück beamen.

Auch wenn sie so gar nicht weg waren, mag man ihnen ein herzliches „Willkommen zurück im Irrenhaus“ zurufen, denn was mit dem Sängerwechsel bei Hass sehr gut klappte, dürfte bei Slime glatt als Frischzellenkur durchgehen. Und als Prophezeiung gleich noch eins drauf: Auch viele Alt-Slime-Fans werden Tex mit offenen Armen empfangen, denn dafür ist „Zwei“ einfach zu gut geworden.

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