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Slime: Hier und Jetzt

Slime melden sich auf den Punkt zurück
Wertung: 8/10
Genre: Punk-Rock
Spielzeit: 55:13
Release: 29.09.2017
Label: People Like You Records

Um den Werdegang von Slime zu beschreiben, bräuchte man wohl an dieser Stelle schon eine ganze Seite und um dies zu verkürzen, beschränken wir uns mal auf kurze Eckdaten. 1979 gegründet, schenkten sie der Punk-Gemeinde nicht nur einige Alben, sondern auch zwei Auflösungen und anschließende Wiedervereinigungen. Die letzte erfolgte 2009 und mit „Sich fügen heißt lügen“ kam drei Jahre später auch ein neues Album an den Start, bei welchem Vertonungen der Texte von Erich Mühsam zu hören waren. Nun steht mit „Hier und Jetzt“ ein neues Werk bereit und diesmal gibt es sogar noch bandeigene Texte zu vermelden.

Dafür ließ die Auskopplung „Unsere Lieder“ durchaus die Frage aufkommen, ob die Hamburger nun nicht langsam in das Alter kommen, wo man vielleicht etwas seichteres Fahrwasser bevorzugt. Das Ganze klingt recht gemäßigt, dazu kam noch die Ansage, dass man den Begriff Punk doch in die Ecke schieben kann, man schreibe schließlich Protestsongs. Alles in allem Dinge, die zumindest einiges an Skepsis auslösen können.

Mit besagtem Titel starten Slime ins Album, weitere Ausführungen kann man sich eigentlich ersparen, außer dass man hier schon zur Erkenntnis kommt, dass mit Dirk „Dicken“ Jora kein neuer Caruso vom Himmel gefallen ist. Etwas Neues erzählt man damit sicher auch nicht, allerdings erschwert es gerade bei ruhigen Parts etwas das Hören. Wobei die Hamburger eh bei zurückgefahrenen Tracks nicht unbedingt zur vollen Stärke auflaufen, sei es „Spinner“ oder das in Zügen schon schlagereske „Schöne neue Welt“ – so wirklich wollen die Titel nicht funktionieren, selbst wenn sich immer wieder ansprechende Texte auftun. 

Und gerade im textlichen Bereich können Slime die ersten Punkte einfahren, so muss man ihnen eben definitiv lassen, dass sie auch weiterhin ihre Umwelt scharf aufs Korn nehmen. Einen großen Teil nimmt dabei das Thema Nationalismus in Anspruch; selbst wenn man das Gefühl haben kann, dass der Anteil etwas zu hoch geraten ist, muss man den Hamburgern natürlich zugestehen, dass dies erstens berechtigt ist und zweitens gut umgesetzt wird. So pfeift „Sie wollen wieder schießen (dürfen)“ gleich schon mal ordentlich um die Ohren. Noch besser gelingt ihnen das mit einem Zitat von Björn Höcke eingeleitete „Patrioten“ (ich dachte, der heißt Bernd Höcke...; Anm.d.Red.), was nicht nur durch die Mitwirkung von Swiss zu einer echten Perle des Albums avanciert.

Aber auch andere Themen finden Gehör: In „Let’s Get United“ fordert man Solidarität ein, wobei mit Gästen von Los Fastidos und Wakes gleich noch eine stilechte Punk-Rock-Hymne geschaffen wird. Währenddessen widmet sich das Reggae-lastige und durch die Bläser von Seed bereicherte „Ich kann die Elbe nicht mehr sehen“ dem Thema Grundstücksspekulationen. Thematisch wie auch musikalisch sind die Grenzen von Slime eben doch sehr offen, was „Hier und Jetzt“ insgesamt sehr vielseitig macht. Hinzu kommen noch ein paar knackige Rocksongs wie „Brandstifter“ oder das abschließende „Für alle Zeit“, bei dem es nochmal volle Kante gibt. Und damit wird zugleich ein Album beendet, mit dem Slime ihre Stellung im Genre untermauern und beweisen, dass sie auch nach fast vierzig Jahren nicht zahnlos geworden sind, egal ob man dies jetzt als Protestsongs oder als Punk-Rock ansieht.

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