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Slayer: World Painted Blood

Abwechslungsreicher und daher besser als "Christ Illusion"
Wertung: 8.5/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 39:46
Release: 30.10.2009
Label: Sony BMG

Tom Araya bezeichnete „World Painted Blood“ erst kürzlich in einem Interview als ein „klassisches Slayer-Album“ und dies kann man sicherlich so stehen lassen. Wo Slayer draufstand, war zwar im Prinzip auch immer Slayer drin, aber beispielsweise bei „Diabolus In Musica“ und „God Hates Us All“ hatte die Band doch ein wenig herumexperimentiert und sich – wenngleich sie natürlich trotzdem immer dem für sie typischen Thrash Metal treu blieb – auch ein paar anderer Klänge bedient, die hin und wieder gar eine leichte Tendenz in Richtung Nu Metal aufwiesen.

Puristen stieß dies natürlich sauer auf (am besten wäre es halt gewesen, die Kalifornier hätten einfach zehnmal hintereinander „Reign In Blood“ aufgenommen – Vorsicht, Ironie!) und so ging „Christ Illusion“ wieder ziemlich eindeutig back to the roots: Wütend, schnell und aggressiv – tatsächlich wieder an eben jenen Meilenstein von 1986 anknüpfend. Und dies lag nicht ausschließlich daran, dass Dave Lombardo wieder den Platz hinter den Kesseln eingenommen hatte, sondern in erster Linie an rasend schnellen Hassbrocken der Marke „Fleshstorm“, „Catalyst“ oder „Cult“.

Zieht man bei „Christ Illusion“ nun Vergleiche mit „Reign In Blood“, so lassen sich beim neuen Werk „World Painted Blood“ durchaus einige Parallelen zum damaligen Nachfolger „South Of Heaven“ finden. Insbesondere der Opener und Titeltrack mit seinen Wechseln zwischen Mid- und Uptempopassagen, sowie den atmosphärischen, schreienden Klampfen in der Mitte erinnert ein wenig an den Titelsong des 1988er Klassikers. Die gesprochenen Sequenzen zum Ende hin wecken dagegen leichte Reminszenzen an „Mandatory Suicide“.

In jedem Fall ein äußerst starker Beginn des zweiten Albums nach der Wiedervereinigung der Originalbesetzung – möglicherweise sogar der beste Song der gesamten Scheibe, da sowohl Refrain als auch Mainriff gar nicht mehr aus den Gehörgängen verschwinden wollen. Nach diesem in Sachen Geschwindigkeit eher etwas gemäßigteren Stück geht es bei „Unit 731“ und „Snuff“ in typischer Slayer-Manier ordentlich zur Sache: Tom Araya kreischt sich die Seele aus dem Leib, während Kerry King und Jeff Hannemann mit rasend schnellem Riffing aufwarten.

„Beauty Through Order“ mag dann lyrisch ein etwas ausgelutschtes Thema behandeln (es geht hier um die ungarische Gräfin Erszébet Báthory, die angeblich im Blut von Jungfrauen badete, um so ihre eigene Schönheit zu wahren – eine Geschichte, der sich schon zahlreiche Metalbands widmeten), aber musikalisch stellt der Song definitiv eins der großen Highlights von „World Painted Blood“ dar, da Slayer hier alle ihre Stärken in einem Track vereinen: Der schleppende, epische Beginn lässt irgendwie ein wenig an „Bloodline“ denken, im weiteren Verlauf wird zwischen Groove und Raserei gewechselt und natürlich gibt es auch die üblichen Soloduelle von King und Hannemann. Einfach genial, wie dieser Song, der so verhältnismäßig getragen begann, in ICE-Temporegionen endet.

Auch danach bleibt das Niveau ziemlich konstant hoch: „Hate Worldwide“ und „Human Strain“ bieten grandiose Mainriffs, „Americon“, bei dem Kerry King sich Gedanken darüber gemacht hat, wie die Außenwelt Amerika betrachtet („it’s all about the motherfucking oil“ etc.), ist ein stampfender Midtempo-Mitgröler allererster Güte, und „Playing With Dolls“ ein völlig gestörter Psycho-Song, bei dem Araya zunächst clean singt und der sich großartig steigert. Die immer wieder auftauchenden, simplen, aber hypnotischen Single-Note-Riffs machen das Stück zweifellos zu einer originellen, nicht unbedingt typischen Slayer-Nummer.

„Public Display Of Dismemberment“, „Psychopathy Red“ und das abschließende „Not Of This God“ (allesamt in schwindelerregenden Geschwindigkeitsbereichen) mögen hingegen nicht sonderlich spektakulär, sondern vielmehr Bolztracks der Kategorie „kurz und schmerzlos“ sein, sind aber weit entfernt, schlecht zu sein.

Klares Fazit: Es kann eigentlich keine zwei Meinungen darüber geben, dass Slayer es immer noch drauf haben. Die Vier mögen nicht mehr die Jüngsten sein, aber sie vermögen es weiterhin, intensiven und schnellen Thrash Metal authentisch zu spielen und vor allem gute Songs zu schreiben. Von der Aggression und der Wut haben sie nichts verloren, allerdings gibt es in der Welt ja gerade in der heutigen Zeit genügend Missstände und Perversionen, über die sich eine Band wie Slayer, die sich bekanntlich stets gerne diesen Themen gewidmet haben, auskotzen kann.

„Christ Illusion“ war ein wirklich gutes Album, doch „World Painted Blood“ ist besser, weil es abwechslungsreicher ist und auch besser produziert wurde.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann