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Slayer: Repentless

Der schwierigste Release ihrer Karriere
Wertung: 7.5/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 41:55
Release: 11.09.2015
Label: Nuclear Blast

Mit „Repentless“ – interessanterweise ein Wort, das es im Englischen eigentlich gar nicht gibt; „reuelos“ wird an sich mit „remorseless“ oder „unrepentant“ übersetzt – dürften Slayer vor der wohl schwierigsten Veröffentlichung ihrer Karriere stehen. Das Schlimmste, was den Totschlägern und ihren Fans zuletzt passierte, war natürlich der tragische Tod von Gitarrist Jeff Hanneman, der vor knapp zweieinhalb Jahren an einer Leberzirrhose verstarb.

Schon da hätten es viele Anhänger der Thrash-Legende als angemessen empfunden, hätte sich die Band aufgelöst, schließlich war Jeff Gründungsmitglied und neben Kerry King Hauptsongschreiber. Die Amerikaner jedoch entschlossen sich weiterzumachen und holten zu diesem Zweck Exodus-Chef Gary Holt ins Boot. Selbstverständlich ist Holt ein begnadeter Gitarrist und bei seiner eigenen Truppe wiederum wichtigster Songlieferant. Dennoch kündigte Kerry King im Vorfeld an, dass Gary kein Material zum neuen Album beisteuern würde, denn dafür sei es noch zu früh.

Nicht unverständlich, weiß man doch, wie konservativ Slayer-Fans im Allgemeinen ticken (schon die leicht veränderten Kursrichtungen bei „Diabolus In Musica“ oder „God Hates Us All“ stießen seinerzeit auf Proteste), andererseits wäre es gerade deswegen interessant zu sehen gewesen, was der Exodus-Klampfer im Slayer-Kontext wohl für Kompositionen verfasst hätte. Doch da muss man sich wohl bis zum nächsten Album (sofern es denn kommt) gedulden müssen. Stattdessen ist „Repentless“ beinahe im Alleingang von King geschrieben worden; für manch einen ist das Ganze zu einer One-Man-Show mutiert, obwohl mit „Piano Wire“ immerhin ein Song aus dem Vermächtnis von Jeff Hanneman dabei ist, allerdings soll es noch weit mehr Material des Blondschopfs geben.

Mit King und Sänger/Bassist Tom Araya sind inzwischen nur noch zwei Originalmitglieder dabei, denn bereits wenige Monate vor Hannemans Tod hatte man wegen vertraglicher Differenzen Schlagzeuger Dave Lombardo vor die Tür gesetzt und durch Rückkehrer Paul Bostaph ersetzt, der auch die neue Platte eintrommelte – seine erste mit der Gruppe seit der 2001er Scheibe „God Hates Us All“, die übrigens genau wie das vorliegende Werk an einem 11. September (damals an DEM 11. September) herausgebracht wurde.

Aber wie ist „Repentless“ nun geworden, wie macht sich Kerry King als nun praktisch allein Verantwortlicher fürs Songwriting? Das letzte Studioalbum „World Painted Blood“ erschien vor sechs langen Jahren und nach den Querelen um die Drummer-Position und dem Ableben Hannemans traute den Kaliforniern eigentlich keiner mehr so recht einen großen Wurf zu. Der ist die elfte reguläre Full-Length auch ganz bestimmt nicht geworden. Wenn King zuvor schon erklärt „Die Leute mögen Slayer, weil es eben Slayer ist“, kann man sich denken, dass der Vierer auch diesmal nicht wirklich großartig herumexperimentiert hat. Gerade in einer Situation, in der der Tod eines langjährigen Mitglieds und Freundes immer noch quasi präsent ist, will man wohl erst recht nicht unbedingt neue musikalische Wege gehen.

So tönt der eröffnende Titeltrack nach dem ungewöhnlich langen Intro „Delusions Of Saviour“ sehr typisch Slayer, pfeilschnell und kompositorisch solide, allerdings weniger stark als das Titelstück des Vorgängers, das damals ebenfalls den ersten Song markierte. Beim anschließenden „Take Control“ wird zwischendurch auch mal etwas auf Groove gesetzt und der Fuß vom Gaspedal genommen, ein ähnliches lässt sich über „Vices“ sagen, das sich fast ausschließlich in Midtempo-Gefilden bewegt. Alles bisher okay, aber weiß Gott nicht weltbewegend. Zumindest ist Tom Araya immer noch großartig bei Stimme – seine Shouts bleiben in puncto Geschwindigkeit, Intensität und Präzision ziemlich unerreicht – und die druckvolle Produktion von Terry Date kann sich hören lassen.

Etwa ab der Mitte wird die Platte aber etwas spannender: Das vorab veröffentlichte, bis auf die Endpassage ziemlich schleppende „When The Stillness Comes“ überzeugt mit bösartig-unheilschwangerer Atmosphäre und einem behutsamen Aufbau. „Chasing Death“ hingegen ist ein Song ausgerechnet über die Folgen von Alkoholismus und entsprechend besonders angepisst, wütend und bitter schreit sich Araya die Seele aus dem Leib – intensiv! „Piano Wire“, wie erwähnt der einzige Song des Albums noch aus der Feder von Jeff Hanneman, nennt dann eine – innerhalb des Slayer-Rahmens versteht sich – etwas melodischere Note sein Eigen, und das treibende „Atrocity Vendor“ punktet durch den starken Refrain.

Die letzten beiden, immerhin jeweils über vier Minuten langen Songs unterstreichen noch einmal deutlich die Absicht, trotz ICE-Grundausrichtung einigermaßen abwechslungsreich zu agieren: Während „You Against You“ größtenteils alles mit Speed pulverisiert und durch effektiv gesetzte Pausen besticht, kommt sein Nachfolger „Pride In Prejudice“ erneut sehr bösartig und zermahlend daher. Zusammengefasst handelt es sich bei „Repentless“ um eine grundsolide Angelegenheit. Natürlich erklingen hier und da Riffs, die einem in ähnlicher Form schon mal auf früheren Totschläger-Platten untergekommen sind, es mangelt hier und da an wirklich zündenden Ideen und es fehlen die ganz großen Hits, aber das Teil ist keineswegs nur bloße Routine und nicht so schlecht wie von vielen befürchtet geraten. Und immerhin ist die Band im Gegensatz zu Metallica überhaupt noch mal mit einer neuen Langrille aus dem Quark gekommen.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann