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Skyclad: Irrational Anthems

Folk Metal auf hohem Niveau
Wertung: 8.5/10
Genre: Folk Metal
Spielzeit: 51:49
Release: 12.02.1996
Label: Massacre Records

Die Geschichte von Skyclad ist schon irgendwie traurig. Sie waren stets eine innovative Band, haben sowohl harte, wie auch folkig-beschwingte Platten veröffentlicht und kamen dennoch nie über den Status eines Geheimtipps hinaus. Das gipfelte schließlich darin, dass sich Sänger Martin Walkyier gezwungen sah, die Band aus "finanziellen Gründen" zu verlassen (er konnte z.B. seinem Sohn nicht einmal mehr ein Weihnachtsgeschenk kaufen). Der Rest der Band machte dann mit dem Produzenten und langjährigen Freund der Band am Mikro weiter, erreichte aber leider nie mehr die einzigartige Magie früherer Jahre.

Martin Walkyier war nämlich nicht nur das Aushängeschild der Band, sondern war (und ist) ein begnadeter Texter. Er hat es immer geschafft, die Themen, die er behandeln will, in geschickten Metaphern zu formulieren, die zum nachdenken anregen. Ich werde keine Textbeispiele nennen, da die Lyrics am besten am Stück und nicht auseinandergerissen funktionieren.

"Irrational Anthems" gilt bei vielen Fans als beste Scheibe der Engländer, was ich zwar nicht unterschrieben kann (die 99er Glanztat "Vintage Whine" steht bei mir ganz oben), aber starke Songs gibt es hier auf jeden Fall zu hören. Das Album wirkt sehr homogen, in sich geschlossen und hat von flotten Folknummern bis hin zu härteren Bangern dennoch eine Menge zu bieten. Neben "Vintage Whine" ist "Irrational Anthems" wohl die beste "Einstiegsdroge" in die bunte Welt von Skyclad.

Der Opener "Inequality Street" ist auch gleich einer der größten Songs von Skyclad: ein leichter Rocker, der von der Violine veredelt wird und einen eingängigen Chorus aufweist. Und so ganz nebenbei gibt es noch eine kultige Textzeile, denn "work is the curse of the drinking classes"! "The Wrong Song" scheint dann wirklich an der falschen Stelle zu sein. Die Violine bleibt im Schrank und stattdessen wird (für Skyclad-Verhältnisse) richtig "Kette gegeben". Die fast schon thrashigen Riffs und der treibende Gesang bohren sich direkt ins Gehirn. Ein absolut gelungener Start und eigentlich könnte ich hier schon Schluss machen, denn genau zwischen diesen beiden "Extremen" bewegt sich "Irrational Anthems" hin und her.

Wahre Skyclad Fans würden mich aber wohl teeren und federn, wenn ich "Penny Dreadful" nicht zumindest erwähnen würde. Und womit? Mit Recht! Eine, rein musikalisch gesehen, sehr fröhliche Folknummer, die einen absolut gelungenen Text aufweist. Walkyier singt hier mit beißendem Zynismus über die Medien und ihren Drang, alles zu hypen, was sich nur ansatzweise vermarkten lässt. Und auch wenn der Song nun schon 10 Jahre alt ist... dieses Thema wird immer aktuell sein.

"The Sinful Ensemble" rockt dann wieder mehr, wenn auch in gemäßigtem Tempo. Textlich geht es hier um ein imaginäres Treffen aller "großen" Diktatoren, die einem so einfallen können. Hinter dem Instrumental "Sabre Dance" verbirgt sich dann auch eben das, nämlich der altbekannte "Säbeltanz", dessen Melodie die meisten kennen dürften (auch wenn euch jetzt der Name nichts sagt).

"I dubious" lädt dann nochmal zum Headbangen ein, wenn nach dem Klavier plötzlich die schnellen Gitarren einsetzen. Highspeed Geballer darf man von Skyclad aber natürlich nie erwarten!

Wie gesagt halte ich dieses Album nicht für das Beste der Engländer, denn ehrlich gesagt gefallen mir neben "Vintage Whine" sogar die oft kritisierten "The Answering Machine?" und "Qui avant-garde a chance?" etwas besser. Nichtsdestotrotz gibt es auf dieser Platte viel zu entdecken, denn auch einige von mir nicht erwähnte Songs haben Klasse. Und bevor ihr euch fragt, ob ihr einen Hörschaden habt: Nein, Martin Walkyier lispelt wirklich ein wenig.

Fans von Subway to Sally oder In Extremo sollten dieser Band zumindest eine Chance geben. Dann dürften ihnen nämlich einige Elemente bekannt vorkommen, was von erwähnten Bands ja auch gerne zugegeben wird. Subway arbeiteten sogar einmal mit Skyclad zusammen (auf "Qui avant-garde a chance?").

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