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Skeletonwitch: Breathing The Fire

Die nächste Bay Area-Generation steht in den Startlöchern
Wertung: 7.5/10
Genre: Thrash Metal, Death Metal
Spielzeit: 35:44
Release: 16.10.2009
Label: Prosthetic Records/Soulfood Music

Teil einer Era zu sein, hat schon was für sich, speziell wenn es darum geht, einen älteren Sound wiederzubeleben - eine "Revival Era", sozusagen. Sich als Band mit der Zugehörigkeit zu einer solchen zu schmücken, bedeutet Verantwortung und den Einsatz von Blut, Schweiß und Tränen.

Ob die fünf Amis von Skeletonwitch bei den Aufnahmen zu ihrem nunmehr dritten Studioalbum tatsächlich geweint haben, ist nicht überliefert. Fakt ist aber, dass jede Menge Schweiß geflossen sein muss und die Jungs sich die Finger blutig gespielt haben dürften - aber es hat sich gelohnt. Der Nachfolger zu "Beyond The Permafrost" von 2007 ist ein amtlicher Brocken Bay Area Thrash mit Death Metal gespickt. Rotzig, rau und dem Thrash-Revival durchaus angemessen, dessen das Quintett zusammen mit Bands wie u.a. Municipal Waste bezichtigt wird.

Was als erstes auffällt, ist die schizophrene Stimme von Sänger Chance Garnett, dessen Bruder übrigens an der Gitarre zu Gange ist. Chance schafft den Spagat zwischen gutturalem Gegrunze und thrashigem Geschrei perfekt und klingt dabei wahrhaftig wie zwei verschiedene Personen.

Ebenso positiv kann man der Band den Mut zu Melodien anrechnen. Hier ist keineswegs das geschehen, was Metallica veranstalteten, um aus dem Bay Area-Sumpf herauszukommen, in dem sie damals herumkrebsten - nämlich die melodiösen "Load" und "Reload" zu produzieren und damit einen Großteil ihrer Wurzeln auszumerzen. Vielmehr unterstützen die Melodien Skeletonwitchs bösartige Mentalität, ohne sie jedoch zu überlagern.

Dass in den Fünf kleine Masochisten schlummern, fällt nicht erst bei "Longing For Domination" auf - die Jungs spielen sich buchstäblich den Arsch ab, wobei der Song - wie auch einige andere Stücke der Platte - etwas überhastet und hektisch wirkt. "Released From The Catacombs" besticht durch ein atmosphärisches Intro, das man der Band so nicht zugetraut hätte. Die Einflüsse des Swedish Death/Black Metal treten deutlich zutage; fast ein bisschen nach Eisregen klingt Chance zwischendurch und experimentierfreudigerweise erinnert das Solo an einschlägig bekannte Symphonic Metal Bands, aber irgendwie passt dennoch alles zusammen und ergibt ein stimmiges Bild.

"Stand Fight And Die" widmet sich wieder verstärkt dem tieferen Gesang; die Melodie, die sich dezent im Hintergrund breitmacht, hätte auch auch in älteren Amorphis- oder neueren Amon Amarth-Stücken zu finden sein können, wirkt aber keineswegs wie ein bloßer Abklatsch derselben.

Scheinbar haben sich sämtliche Mitglieder inzwischen warmgespielt - wirkte das Schlagzeug vorher noch etwas deplatziert, fügt es sich jetzt in den Kontext ein. Mit "Gorge Upon My Soul" und dem ebenso soliden, aber etwas unspannenden "Repulsive Salvation" geht es weiter, ehe beim etwas gruselig anmutenden "Strangled By Unseen Hands" wieder interessante Melodien neben Old School-Riffs brillieren können.

Mit einem Drumsolo und insgesamt sehr coolen Instrumentals und grenzbösem Gesang bildet "...And Into The Flame" einen absolut würdigen Abschluss einer leider etwas zu kurzen Platte. Was mir außerdem auffällt, sind die ungewöhnlichen langen Pausen zwischen den einzelnen Songs; entweder, das ist ein etwas fragwürdiges Mittel, um den Spannungsbogen zu erhöhen, oder der Mischer hat schlicht und ergreifend gepennt.

Das Thrash.Revival ist jedenfalls in Angriff genommen und lässt sich ausgesprochen erfolgreich an. Wer die Band live sehen möchte, merke sich kommenden Herbst vor, wenn Skeletonwitch zusammen mit Children Of Bodom und The Black Dahlia Murder auf der Bühne stehen werden. Ob sie das verwöhnte junge Publikum überzeugen können, steht noch in den Sternen - aber die stehen unserer Meinung nach zumindest sehr günstig für "Breathing The Fire".

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