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Sinride: Evenfall

Plattenfirmen, wo seid ihr?
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 44:30
Release: 01.04.2012
Label: Eigenproduktion

Es gibt doch nichts Geileres, als eine richtig gute Band für sich neu zu entdecken – besonders mittels der Livesituation. Vor einiger Zeit wollte der Verfasser dieser Zeilen die Band eines Bekannten abchecken und entdeckte dabei das Hamburger Quartett Sinride, das an jenem Abend ebenfalls aufspielte. Die Mischung aus atmosphärischen Keyboards und Düster-Metal mit deutlicher Prog-Schlagseite, die die sympathischen Jungs an den Tag legen, fesselt schon aufgrund ihrer Eigenständigkeit schnell und lässt einen zu der Erkenntnis gelangen, dass hier eine Truppe am Start ist, die auf jeden Fall das Potential hat, aus dem Sumpf der vielen tausend Underground-Bands hervorzustechen.

Aber der Reihe nach: Gegründet haben sich Sinride 2009, auf einige Auftritte folgte dann im April 2012 vorliegendes, in Eigenregie produziertes Debütalbum „Evenfall“. Dass die Musiker bereits vorher in anderen Bands aktiv waren, kann angesichts des hohen handwerklichen und technischen Niveaus sowie der (für eine Eigenproduktion allemal) unglaublich professionellen Aufnahme und des sauberen, dabei aber nicht sterilen Klangs der Platte niemanden verwundern. Sehr interessant ist bei einem Blick auf die Website der Combo außerdem zu sehen, was für unterschiedliche Einflüsse die Bandmitglieder nennen – von Progressive-Metal-Kapellen à la Dream Theater, Symphony X oder Tool über doomig-gotisch Angehauchtes wie Type O Negative oder Paradise Lost, Siebziger-Prog der Marke King Crimson und Brand X, Bombast-Black-Metal (Dimmu Borgir, Emperor) bis hin zu klassischen Komponisten wie Verdi und Bach ist eine äußerst umfangreiche Palette zu finden.

Tatsächlich finden sich im Sound von Sinride irgendwie alle diese Elemente wieder, die gekonnt zu einem eigenen Mix verwoben wurden: Atmosphärische, stark präsente, aber niemals cheesige Keyboards treffen auf absolute Zungenschnalzer-Gitarrensoli, zwischen Melodik und Riffing herrscht gute Ausgewogenheit, und der Gesang wechselt zwischen clean und rau (von Growls zu sprechen, wäre dann doch zu übertrieben). Und das Tollste an der ganzen Angelegenheit ist, so verwirrend sich diese Melange auch im ersten Moment anhören mag: Die Norddeutschen schreiben dabei trotzdem richtig gelungene und eingängige Songs; obwohl der progressive Anspruch stets herauszuhören ist, wird nicht sinnlos und selbstdarstellerisch herumgefrickelt, alles hat Hand und Fuß.

Mit dem Opener „Bumerang“ hat man gleich den ersten Hit (und einen von zwei deutschsprachigen Songs, die anderen Texte sind in Englisch gehalten) vorliegen – das Riff reißt sofort mit, ein leichter Synthie-Teppich im Hintergrund sorgt für zusätzliche düstere Stimmung. Der Refrain ist etwas sanfter und melodischer gehalten, brennt sich dafür aber umso schneller in die Hirnwindungen. Jedenfalls ist von der ersten Sekunde an hörbar, dass man es hier mit topausgebildeten Musikern zu tun hat, die wissen, wie man catchy Melodien und Riffs schreibt, dabei aber den Song spannend hält.

Das folgende „Du bist es“ hat dann ohne Witz Radiopotential; eingeleitet von einer locker-flockigen Bassline entpuppt sich der Song als geniale Mitsing-Nummer mit ein paar auflockernden, chilligeren Momenten zwischendurch, die clever in die von erneut sehr mitreißenden Riff-Passagen getragene Komposition eingewoben wurden.

Mit dem anschließenden Wechsel zur englischen Sprache werden die progressiven Ambitionen klar nach oben geschraubt: Das siebenminütige Titelstück ist deutlich komplexer, besitzt allerdings trotzdem jede Menge einprägsame Momente und wird gekrönt von einem überragenden Gitarrensolo am Ende. So oder so steht zu jedem Zeitpunkt klar der Song im Mittelpunkt. Das gilt auch für „The Mirror“ (ebenfalls eines der klaren Highlights der CD; der Gitarrenlauf, der den Chorus untermalt, ist zum Niederknien!); besonders die Tempowechsel und Breaks sind klasse gemacht, nie aber kommt das Gefühl auf, hier wäre irgendetwas zwanghaft eingeschoben worden. Und wie selbstverständlich bei „Cyclonic“ zwischen richtig düsteren und harten Gitarren und positiver tönenden melodischen Sequenzen gewechselt wird, ist ebenso aller Ehren wert.

In Form von „In The Waters“ steht das ungewöhnlichste und längste Stück dann am Ende von „Evenfall“. Mit fanfarenartigen Keyboards beginnend und zum Großteil eher schleppend, kommt gegen Ende mit teilweise fast beklemmenden Momenten streckenweise ein wenig melancholisches „Space-Dye Vest“-Flair auf; sicherlich eine etwas härtere Nuss als das restliche Material, aber nicht weniger gelungen, wie sich nach einigen Durchläufen zeigt.

Gelungen ist auf diesem Süchtigmacher jedoch ohnehin so ziemlich alles. Man könnte höchstens anmerken, dass der Gesang (für den Gitarrero Tim ebenfalls zuständig ist) nicht sonderlich spektakulär ist, wer aber keine technischen Wunderwerke in dieser Hinsicht erwartet und natürliche, erdige Stimmen mag, wird sich daran nicht stören. Ausfälle gibt es jedenfalls nicht, nur eine Fülle von aufregenden und durchdacht arrangierten Kompositionen mit hohem Eigenständigkeitsfaktor – im Prinzip muss dieser Band ganz schnell ein Plattenvertrag angeboten werden. Record-Company-Vertreter (und natürlich auch alle anderen) können sich vom Können der Hamburger übrigens ganz leicht überzeugen, denn das Album steht auf der Homepage der Jungs als Gratis-Download bereit. Und Songs für ein weiteres Album sind ebenfalls bereits in Arbeit.

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