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Single Mothers: Our Pleasure

Wut & Frustration, gebündelt in zehn Songs
Wertung: 8,5/10
Genre: Alternative Rock, Noise Rock
Spielzeit: 32:43
Release: 16.06.2017
Label: Big Scary Monsters

Single Mothers sind eine unbeständige Band mit einem scheinbar ebenso flatterhaften Sänger. Bereits 2008 wurde die Band von dem Kanadier Andrew Thomson gegründet, man veröffentlichte zwei EPs, bis das Ganze 2011 wieder auf Eis gelegt wurde und Thomson sich als Goldgräber versuchte, was in einem zeitweisen Alkoholismus endete und schließlich dazu führte, dass seine Familie ihn wieder unter ihre Fittiche nahm. Zwei Jahre später wurde Single Mothers wiederbelebt, das Debütalbum „Negative Qualities“ erschien dann endlich 2014 und bis zum heutigen Tag wurden keine zwei Veröffentlichungen mit demselben Line-Up eingespielt. Allein sage und schreibe fünf Gitarristen hat man bisher verbraten, mit Thomson, Gitarrist Justis Krar, Drummer Brandon Jagersky und Bassist Ross Miller steht zumindest im Moment die Besetzung für die aktuelle Platte „Our Pleasure“.

Dreh- und Angelpunkt ist weiterhin Sänger Andrew, der auf den zehn neuen Songs einige richtig schöne Ausraster zelebriert, sich unverschämt durch die Lyrics rotzt und zornig seine Wut und Frustration herausschreit. Soviel kann vorweg genommen werden: „Our Pleasure“ ist ein ziemlich dreckiger Noise-Rock-Klumpen geworden, der streckenweise fast punkige Rotzigkeit verbreitet. Da steht schon der Opener in bester Single-Mothers-Tradition: „Undercover“ lebt von der Kombination einer zu Beginn recht einfachen, aber sehr wirkungsvollen Gitarre und dem leicht verzerrten, giftigen (Sprech)-Gesang, ähnlich geht es im Verlauf der Platte weiter; ein gutes Beispiel ist hier das überschäumende „Long Distance“, bei dem Thomson auf Kriegsfuß mit sich und der Welt zu stehen scheint.

 „People Are Pets“ scheint erst in ruhigeren Gefilden angesiedelt zu sein, entlädt sich aber im Refrain in purer Frustration, die vom erneut verzerrten Gesang ziemlich passend unterstrichen wird und im Ganzen mit seinen fast hoffnungslos anmutenden Strophen sogar ein bisschen Richtung Grunge tendiert. Auch das folgende „Bile“ hat wieder diesen zornig-resignierten Tonfall, der zum Markenzeichen der Band werden könnte.

Das gerade mal etwas über zwei Minuten lange „Well-Wisher“ kanalisiert dann all die vorher nur mühsam zurückgehaltene Wut, Thomson schreit sich heiser und taub, dazu bratende Gitarren und ein ausrastender Schlagzeuger, hier dürften schließlich auch Metalfans ihren Spaß haben. Wie variabel Single Mothers tatsächlich sind, zeigt dann der direkte Vergleich mit dem finalen „Bolt Cutter“, eher ein erdiger Rocksong als ein Song zum Ausrasten, und die Freundlichkeit, mit der Thomson „motherfucker“ singt, ist kaum zu überbieten.

Erstaunlich wandelbar, dabei immer voller zorniger Frustration, die sich spätestens im Refrain Bahn bricht – lässt man sich auf „Our Pleasure“ ein, hat man eine knappe halbe Stunde besten Noise Rock, der trotz des ruhigeren Abschlusses kaum in eine Schublade passt, sondern sofort wieder ausbricht. Auch wenn das Konzept von wechselnden Bandmitgliedern immer ein riskantes Unterfangen ist, hier hat diese Vorgehensweise wunderbar funktioniert.

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