Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Simeon Soul Charger: Meet Me In The Afterlife

Gutes, abwechslungsreiches Debüt mit kleinen Schwächen
Wertung: 7/10
Genre: Heavy Rock, Psychedelic Rock
Spielzeit: 62:56
Release: 04.03.2011
Label: Gentle Art Of Music

Als „neue amerikanische Superband“ wird das amerikanische Quartett Simeon Soul Charger, das mit „Meet Me In The Afterlife“ sein Debütalbum vorlegt, vom Label deklariert, Vergleiche mit den legendären Led Zeppelin werden herangezogen und überhaupt eine große Zukunft prognostiziert. Kann man dies alles tatsächlich so stehen lassen oder wird hier wie so oft einfach nur maßlos übertrieben? Die Antwort lautet: Jein.

In jedem Fall hat sich die Band eine ganze Menge vorgenommen und ist sicherlich ziemlich ambitioniert; das zeigt schon die Tatsache, dass man mit mehr als nur den Standard-Instrumenten Gitarre, Bass und Schlagzeug aufwartet, sondern hier und da auch mal Banjo, Mandoline und diverse Percussion-Instrumente einbaut. Sogar ein Eimer voller Nägel wird als Instrument verwendet, was wiederum andeutet, dass die Truppe jede Menge Humor besitzt – ein Besuch auf der Homepage unterstreicht dies zusätzlich, seht euch nur mal das Video an, in dem die einzelnen Bandmitglieder vorgestellt werden und ihr versteht, was ich meine.

Was die vier Amis darbieten, ist durchaus abwechslungsreich, unterhaltsam und außerdem irgendwie kauzig – letzteres ist meistens ein Garant für eine gewisse Eigenständigkeit, trotz des klar in den Siebziger Jahren verwurzelten Sounds mit den entsprechenden Vorbildern aus Classic und Psychedelic Rock. Vom ersten Ton des Openers „Vedanta (The Nothing)“ wird die Bodenständigkeit der Jungs anhand der natürlichen Produktion und des ebenso absolut unverfälscht tönenden Organs von Frontmann Aaron Brooks deutlich. Der Song selbst kommt recht bluesig und verspielt herüber – ein relativ unspektakulärer, aber guter Auftakt.

Die bereits erwähnte Kauzigkeit macht sich dann in der zweiten Nummer „God Lends A Hand“ (der Titel spricht ja schon dafür) erstmals richtig breit – leicht schräge Riffs und Melodien treffen auf einen Gesang, bei dem das Bemühen erkennbar ist, abgefahren zu klingen; Erinnerungen an die schwedischen Progger von Beardfish werden wach. Schnell zeigt sich, dass Simeon Soul Charger einige originelle Ideen am Start haben, aber ebenso zeigt sich, dass die Umsetzung leider nur zum Teil gelungen ist. Besonders in der ersten Hälfte des Albums fehlt es an der letzten Konsequenz und, so bodenständig der Sound auch sein mag, in dieser Hinsicht des Öfteren am nötigen Biss und der Power, um den Hörer wirklich hundertprozentig überzeugen zu können. Bleibt man beim Vergleich mit Beardfish, fehlen dem außerdem Sänger häufig Druck und Durchsetzungsvermögen. Ist ja schön, dass er so natürlich klingt, aber unglücklicherweise ist er eben auch ein wenig schwach auf der Brust.

Was der Gruppe allerdings wirklich gut gelingt, ist, die Songs zum Teil beinahe unmerklich ineinander überlaufen zu lassen, obwohl die Stilistiken häufig doch ganz schön unterschiedlich sind. So wird vom achtminütigen, abermals kauzig-abgefahrenen „And He Skinned Them Both“, das zwischen knarzigen Riffs und singenden Brian-May-Gedächtnis-Klampfen in der Mitte pendelt, locker zu „Please“ übergeleitet, dem mit den im Vordergrund agierenden Slide-Gitarren und dem Banjo ein starker Country-Touch verliehen wurde. Letzteres ist zweifellos eine der besten Nummern der Platte, denn auch die Gesangslinien sind äußerst gelungen und dem Ganzen wohnt eine lässige und smoothe Stimmung inne – von platten, spießigen Country-Klischees sprechen wir hier keineswegs. Auch das perkussive, zweiminütige Instrumental-Intermezzo „Tooth“, das mit locker-flockigen Flötenklängen ausgestattet wurde, folgt völlig problemlos auf das einigermaßen düstere „Through The Trees They Talk“, und die sehr hübschen akustischen Tracks „Song Of The Sphinx“, „A Child’s Prayer“ und „Dear Mother“ bilden gar eine reibungslose Einheit.

Fazit: Trotz der angesprochenen Kritikpunkte legen Simeon Soul Charger ein hörenswertes Debütalbum vor, das besonders in der zweiten Hälfte neben den genannten Stücken mit Songs wie dem rockigen „Europa’s Garden“, dem behutsam aufgebauten „In The Afterlife“ und dem finalen, wiederum ziemlich abgefahrenen Mammutstück „The Swallowing Mouth“ überzeugen kann. Das Niveau von Led Zeppelin wird zwar bei weitem noch nicht erreicht, aber für ein Erstlingswerk ist „Meet Me In The Afterlife“ respektabel; etwas Geduld für ein paar Durchläufe, um richtig reinzufinden, sollte man allerdings aufbringen.

comments powered by Disqus

Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann