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Simeon Soul Charger: Harmony Square

Sprung nach vorne
Wertung: 8/10
Genre: Progressive/ Psychedelic Rock
Spielzeit: 67:27
Release: 14.09.2012
Label: Gentle Art Of Music/ Soulfood

Im Frühjahr 2011 veröffentlichten die nach Deutschland ausgewanderten Amerikaner (ja, warum soll das auch immer andersherum sein?) Simeon Soul Charger ihr durchaus gefälliges Debütwerk „Meet Me In The Afterlife“, und da auf jener Scheibe zwischen Hippie-esker Atmosphäre und Heavy Rock hier und da progressive Momente aufblitzten, ist die Entscheidung, mit dem Zweitwerk gleich ein Konzeptalbum vorzulegen, gar nicht so verwunderlich.

Hippie-esk trifft es bei dieser vierköpfigen Band wirklich ziemlich gut: Seit zwei Jahren nämlich wohnen die Jungs WG-mäßig auf einem abgeschiedenen Bauernhof in Südbayern, wo sie genügend Zeit und Ruhe hatten, ihre neue Scheibe „Harmony Square“ vorzubereiten. Tatsächlich kann eine Weiterentwicklung nicht geleugnet werden; zwar klangen die Amis bereits auf ihrer ersten Langrille durch eine gewisse Kauzigkeit recht eigenständig, doch die Art der musikalischen Umsetzung einer Konzeptgeschichte, in der es im Prinzip um den ewigen Klassiker Unterdrückung und das Revoltieren dagegen geht, lässt auf jeden Fall noch einen Sprung nach vorne feststellen.

Frontmann Aaron Brooks hört sich zwar nach wie vor ein bisschen schwach auf der Brust an und der Sound tönt ebenso immer noch ein wenig dünn, doch besitzt die Truppe einfach Charme und klingt unheimlich ehrlich, und wie man die einzelnen 15 Tracks mehr oder weniger unauffällig ineinander überfließen lässt, zeugt von viel musikalischem Verständnis. Wenn es von Seiten des Labels heißt, die CD verstehe sich als ein einziger, überlanger Song, so kann man nur gratulieren: Dieses ehrgeizige Vorhaben ist wahrlich gelungen, viele andere Bands mit mehr Erfahrung und gleichen Ansprüchen sind daran schon gescheitert.

Effektiv mit wiederkehrender Motivik zu arbeiten, darin liegt eine der großen Künste bei einem Konzeptalbum und dies haben Simeon Soul Charger ziemlich gut hingekriegt. Beispielsweise kommt „Babylon Grove“ mit einer sehr schwelgerisch-melancholischen Melodie daher, die im folgenden „All’s Fair In Harmony Square“, ohne dass es gezwungen wirkt, plötzlich wesentlich fröhlicher und beschwingter präsentiert wird – stark gemacht. Ähnlich verhält es sich auch mit der wiederkehrenden Phrase „Spinning Across The Grass“.

Anhand von Streicherklängen zu Beginn der „Overture“ wird des Weiteren sogleich der hohe Aufwand in Sachen Arrangements angedeutet: Die Amerikaner haben sich erneut nicht lumpen lassen und bieten jede Menge Gitarrendoppelläufe, gefühlvolle Licks und Einfallsreichtum bei Percussion-Instrumenten. So sind bei den Credits unter anderem ein Kleiderständer (!) und ein Propantank (!!) angegeben und auch selbstgebaute Instrumente kommen zum Einsatz. Unbedingt erwähnenswert sind auch die vielen mehrstimmigen Grateful Dead-mäßigen Gesangspassagen – da kann man noch so sehr über die nicht unbedingt wahnsinnig durchsetzungsstarke Stimme Brooks’ mosern, diese harmonischen Vocals holen etliche Kastanien aus dem Feuer und sind einfach nur schön.

Der ein oder andere wird anhand der Tatsache, dass hier quasi – so wie es promotet wird – ein einziges 67-minütiges Epos vorliegt, mokieren, dass kein Song so richtig hervorsticht, doch brauchen Konzeptalben nun einmal meistens ein wenig Zeit und Geduld und nach ein paar Durchläufen kristallisieren sich schon ein paar sehr hübsche Perlen heraus. Neben den erwähnten „Babylon Grove“ und „All’s Fair In Harmony Square“ sind dies insbesondere das lässig swingende „The Devil’s Rhapsody“, die bittersüße Ballade „The Changing Wind And Reign“, das von einer tollen Gitarrenmelodie getragene, treibende „The Advent Of Awakening“ und der sich stetig steigernde, mit orientalischen Schlenkern versehene Achtminüter „King Charles Norman’s Castle“.

Sicherlich wären Vergleiche mit Überwerken der Marke „Scenes From A Memory“ oder „The Wall“ (apropos: beim Song „Doris“ hat sich das Quartett doch ganz schön offensichtlich bei Pink Floyds „The Trial“ bedient – möglicherweise beabsichtigt) vermessen, dazu fehlen dann doch die ganz großen zündenden Hooklines und mitunter das gewisse, mitreißende Etwas, aber diese sympathische Gruppe hat zweifellos jede Menge Talent, und die kompositorische, handwerkliche und musikalische Weiterentwicklung ist wie erwähnt klar erkennbar. Allein für die gelungene Umsetzung dieses ambitionierten Projekts, allein dafür, dass die Tracks tatsächlich eine ziemlich makellose Einheit bilden, muss man schon acht Punkte vergeben.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann