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Silver: Wolf Chasing Wolf

Gegen den Konsum
Wertung: 7.5/10
Genre: Punk
Spielzeit: 47:25
Release: 26.09.2008
Label: Rodeostar/ SPV

Angespriesen als „tight wie Joey Ramones Jeans und aggressiv wie Lemmy ohne seinen morgendlichen Jack Daniel's“ wecken Silver schon Erwartungen, bevor der Laser des CD-Players ihr neues Album „Wolf Chasing Wolf“ überhaupt das erste Mal abgetastet hat. Der Weg zu diesem dritten Album, das ja auch gerne als „Make it or break it“-Album bezeichnet wird, war für die sechs Norweger nicht der leichteste. Denn nachdem sie nach einer Dekade im Underground im Jahr 2004 endlich ihr vielbeachtetes Debüt „White Mary“ aufnehmen konnten, standen die Zeichen eben nicht lange auf Sturm. Mit dem Traum, ein von einem namhaften Produzenten überwachtes Album einzuspielen und mit dem Selbstbewusstsein, das man sich nach Monaten „on the road“ erarbeitet hatte, ging die Band in die USA.....um frustriert zurückzukehren und innerhalb einer Woche „World Against World“ einzurotzen. Zweieinhalb Jahre später folgte vorliegende Platte namens „Wolf Chasing Wolf“.

Die Jahre im Underground hört man Silver auf jeden Fall an. Die Produktion ist, nett gesagt, zweckdienlich und hat gerade deswegen einen gewissen Charme. Musikalisch bildet rotziger Punk und amerikanischer Old School Hardcore die Grundlage, angereichert mit ein paar Heavy-Riffs und einigen Industrial(!)-Elementen. Spätestens hier sollte klar sein, dass sich Freunde melodischer „Punk“-Bands wie Green Day und Konsorten nach einer anderen Platte umsehen sollten. „Pick Up Your Life“ klingt eher wie ein übrig gebliebener Track aus dem Fundus von Ministry und geht direkt auf die Zwölf, wie man so schön sagt. Norwegisch unterkühlt klingt auf jeden Fall anders.

Gibt es wirkliche Hits auf „Wolf Chasing Wolf“? Nein, denn das war nie das Anliegen der Band. Sie richten sich mit Liedern wie „Drenched In Comfort“ (starker mehrstimmiger Gesang) und der Discharge-Verbeugung „The White Logic“ gegen die heutige Konsumgesellschaft und verpacken diese Kritik in ein interessantes Textkonzept. Die Inspirationen kommen von deutschen und russischen Dichtern aus dem 19. Jahrhundert, die an Syphilis oder durch ihren Alkoholkonsum starben. Man kann sagen, was man will, aber so etwas hört man nicht alle Tage.

Angestachelt durch ihre Einstellung rocken sich Silver angenehm unbeschwert durch die elf Lieder der Platte, ohne auf irgendwelche Konventionen zu achten. Da wird gerne mal ein völlig kranker Soundeffekt in ein Lied eingebaut, mit schräger Stimme in das Mikrofon geschrien oder einer der beiden Gitarristen von der Leine gelassen, damit er sich ein wenig austoben kann. Dabei gelingt dem Sechser das Kunststück, dass - obwohl das Album wie aus einem Guss klingt - sich kaum ein Song als austauschbar oder gar überflüssig herausstellt. Vielmehr entdeckt man nach mehrmaligen Hören Kleinode wie das melodische „Any Road“, das gesanglich ein wenig an New Model Army erinnert. Ansonsten reißen Silver auch viel durch ihre Energie wieder heraus und machen Lust darauf, sie live zu sehen.

Nein, eine „große Veränderung“ (wie die Band es sich wünscht) wird ihre dritte Veröffentlichung nicht auslösen. Ob das in der heutigen Zeit überhaupt noch möglich ist, darf ohnehin angezweifelt werden. Nichtsdestotrotz ist „Wolf Chasing Wolf“ ein starkes Album einer kleinen Band, die eben ein kleines Bisschen anders ist und, ganz simpel betrachtet, einfach Spaß macht.

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