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Silver Lake: Silver Lake

Gelungenes erstes Soloalbum des Amorphis-Leadgitarristen
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 37:21
Release: 28.05.2021
Label: Nuclear Blast

Schon seit einigen Jahren befasste sich Amorphis-Gitarrist Esa Holopainen mit der Idee, ein Soloalbum zu veröffentlichen – und einen besseren Zeitpunkt, dieses Vorhaben endlich in die Tat umzusetzen als jetzt, wo wegen der Pandemie ohnehin kein ausgiebiges Touren möglich ist, kann es ja kaum geben. Kein Geringerer als die renommierte Produzentengröße Nino Laurenne (u.a. auch Gitarrist bei den Power Metallern Thunderstone) brachte den Gedanken mittels eines Anrufs bei dem Namensvetter des Nightwish-Bosses wieder ins Rollen – und ein Jahr später war das Vorhaben in die Tat umgesetzt.

Glücklicherweise begeht Holopainen dabei nicht den Fehler wie so manch anderer Musiker einer etablierten Band, auf Nummer Sicher zu gehen, sodass seine Soloausflüge sich im Endeffekt genauso anhören wie seine Hauptcombo. Vielmehr wartet der Gitarrist mit neun recht unterschiedlichen Stücken auf, in denen natürlich zwischendurch immer mal wieder Amorphis durchschimmert, doch lediglich eines davon könnte auch komplett dort verortet sein. Die Rede ist von „In Her Solitude“, bei dem passenderweise dann auch Tomi Joutsen als Gastsänger in Erscheinung tritt und einmal mehr seine enorm facettenreiche Stimme präsentiert. Auch rhythmisch und von der Riff- und Melodieführung her könnte der Song auf einem Amorphis-Album stehen und wäre dort mit Sicherheit auch nicht nur minderwertige Ausschussware.

Trotzdem finden sich auf „Silver Lake“ (übrigens benannt nach einem Effektpedal, nicht etwa nach dem Stadtteil von Los Angeles) noch stärkere Songs, vor allem das mit Hammondorgelteppich unterlegte, dramatisch angehauchte „Ray Of Light“, bei dem Leprous-Vokalakrobat Einar Solberg seine einzigartigen Gesangskünste darbietet, oder „Promising Sun“ mit seinem eleganten Refrain, bei dem sich Soilwork- und The Night Flight Orchestra-Frontmann Björn „Speed“ Strid hervortut. Auch bei den beiden von Katatonia-Sänger Jonas Renkse veredelten Stücken „Sentiment“ und „Apprentice“ handelt es sich um starke Nummern, wobei letzteres als Albumcloser fungiert, bei dem das Thema des einleitenden Titeltracks wieder aufgegriffen wird und das Ganze somit bestens abrundet.

Dabei scheint es, als seien all jene Stücke direkt auf die jeweiligen Sänger zugeschnitten, dabei gibt Holopainen selbst zu Protokoll, dass gerade „Ray Of Light“, „Promising Sun“ sowie „Sentiment“ bereits in einer Phase entstanden waren, als er sich noch nicht sicher war, ob er vielleicht sogar ein Instrumentalalbum machen würde. In jedem Fall hat er genau die richtigen Leute gefunden, als er sich dann doch pro Gesang entschied – denn selbst zu singen, sei für den Gitarristen keine Option gewesen, wenngleich dies sicherlich nicht wenige Fans interessant gefunden hätten.

So jedoch hat Esa immerhin eine Platte erschaffen, die sehr abwechslungsreich daherkommt und deren Songs streckenweise durchaus an die Hauptbands der jeweiligen Gastsänger erinnern, ohne dass dies lediglich wie ein Sammelsurium ohne Struktur oder gar wie ein Plagiat wirken würde. Auch auf die häufig bei Gitarristensoloalben vorhandenen Schredderorgien wurde verzichtet, stets steht der Song selbst im Vordergrund. Dies zeigt sich besonders auch in den mit wunderbaren Mitsing-Refrains ausgestatteten „Storm“ (eingesungen von Håkan Hemlin) und „Fading Moon“ (mit Anneke van Giersbergen, die ja immer gern als Gast genommen wird).

Mit dem finnischsprachigen „Alkusointu“ schlägt außerdem eine komplett aus dem Rahmen fallende Komposition zu Buche, da der hier agierende Vesa-Matti Loiri den Text mehr spricht als singt, was dank seiner ausdrucksstarken Stimme aber gut funktioniert. Trotz unterschiedlichster Tracks also ergibt „Silver Lake“ dennoch ein stimmiges Bild, zumal allen Stücken gemein ist, dass sie diese typisch finnische Melancholie atmen. Wirklich eine mehr als brauchbare Scheibe mit gut bis sehr gut komponierten und arrangierten Songs, die untermauern, warum Esa Holopainen einer der Hauptsongwriter bei Amorphis ist. Laut eigener Aussage wäre er einem zweiten Soloalbum nicht abgeneigt – und warum nicht, wenn man so eine achtbare Platte abliefert?

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