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Sikaryus: Drifted Visions

Braucht kein Mensch
Wertung: 3.5/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 26:10
Release: 31.05.2011
Label: Eigenproduktion

Schön, wenn sich Bands konstruktive Kritik zu Herzen nehmen oder zumindest darum bemüht sind. So ist im Promoschreiben zur „Drifted Visions“-CD der Bochumer Schwarzmetaller Sikaryus die Rede davon, dass der größte Kritikpunkt der Metalpresse an der 2008er Demo „Unrestrained“ wohl die Produktion gewesen sei, da man alles selbst übernommen habe und das Ergebnis anscheinend nicht so toll war. Im Bemühen, ein besseres Resultat zu erzielen, hat man sich diesmal daher in ein professionelles Tonstudio zurückgezogen – mit Erfolg?

Nun, die Drums klingen nicht mehr ganz so sehr nach Keksdose, die Gitarren nicht mehr so fatal nach Rasierapparat und sogar vom Bass ist diesmal tatsächlich etwas zu hören. Da das Trio aber vor allem von altem norwegischen Black Metal begeistert und entsprechend beeinflusst ist, dürfte dennoch klar sein, dass die Produktion immer noch sehr räudig und undergroundig geraten ist – gerade das Schlagzeug scheppert auch auf dem neuen Release ganz gewaltig.

Das jedoch ist nach einer gewissen Eingewöhnungsphase gar nicht so schlimm – auch die mittlerweile sehr erfolgreichen Gruppen des Genres wie Immortal oder Satyricon starteten einst mit ähnlich, nun ja, bescheidenem Sound und das Basische daran macht ja auch einen gewissen Reiz aus; Alben wie Satyricons Debüt „Dark Medieval Times“ oder Immortals Erstling „Diabolical Fullmoon Mysticism“ gelten nicht zu Unrecht als Klassiker. Dennoch werden Sikaryus kaum in der Lage sein, sich in diese elitäre Riege einzureihen, jedenfalls nicht, wenn man sich in Zukunft bezüglich Songwriting und Zusammenspiel nicht hinreichend verbessert. Die Drums holpern nicht selten äußerst untight durch die Botanik und auch das Gitarrenspiel klingt häufig hölzern und unbeholfen.

Doch auch über diesen Makel könnte man noch großzügig hinwegsehen (Venom können auf ihren Instrumenten auch nichts und wurden zur Ikone und auch Immortal konnten zu Beginn ihrer Karriere überhaupt nicht spielen), wenn das Songwriting spannend und interessant wäre – doch davon kann leider ganz und gar nicht die Rede sein. Hier und da gibt es ein paar thrashige Einschübe und hin und wieder wird der Versuch unternommen, durch ruhigere, atmende Passagen mit cleaner Gitarre und ohne Schlagzeug Dynamik und Abwechslung in die Songs zu bringen (zum Beispiel bei „Das Mädchen“), doch klingt dies meistens wie gewollt und nicht gekonnt. Ferner besitzen die Stücke keine vernünftigen Hooklines, der Gesang ist auf Dauer zu eintönig und überdies null verständlich und die wenigen Riffs, auf denen Sikaryus herumschrammeln, sind ausgelutscht und ungefähr so spannend wie die Neujahrsansprache unserer Bundeskanzlerin.

Nee, sorry Jungs, aber diese CD ist einfach sterbenslangweilig, trotz verbesserter Produktion immer noch sehr amateurhaft aufgenommen und handwerklich ziemlich limitiert. Vor dem Hintergrund betrachtet, dass es die Combo schon seit 2004 gibt, ist es doch arg dürftig, was bei „Drifted Visions“ herumgekommen ist. Da gibt es nur eins: Zurück in den Proberaum und weiterüben.

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