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Sightless View: Veiled By Eyesight

Überraschungen aus Gelsenkirchen gibt es nicht nur auf dem Fußballplatz
Wertung: 7.5/10
Genre: Death Thrash Metal
Spielzeit: 48:09
Release: 31.07.2010
Label: Eigenproduktion

Seit Juli 2008 gibt es nun die Gelsenkirchener Band Sightless View. Und fast genau zwei Jahre später ist ihr Debüt-Album „Veiled By Eyesight“ erschienen. Ihr Thrash Metal wird immer wieder von melodiösen Death Metal-Abschnitten durchzogen. Leider muss man sagen, dass die Besetzung in der Form, wie dieses Album eingespielt wurde, nicht mehr existent ist. Das Mikrofon wurde aus zeitlichen Gründen weitergereicht. Aber hören wir am besten erstmal in das Album hinein, um zu wissen, ob uns das überhaupt interessieren sollte.

„Winds Are Sown“ ist ein interessantes Intro mit rein instrumentaler Umsetzung. Der Sound ist nicht von schlechten Eltern und bietet eine große Räumlichkeit. So wirklich erkennen kann man nicht, in welche Richtung sich die Mucke entwickelt, aber das ändert sich natürlich mit dem nahtlos anknüpfenden „Russian Roulette“: Kräftig mit gehörig Aggression in den Backen zockt sich die Band in die Ohren der Fans. Trotz aller Power nimmt die Band aber auch mal das Tempo raus und musiziert deutlich melodischer und auch das Solo muss nicht in Griffwichserei ausarten, das hört man gerne mal.

„Old Human“ kommt mit mehr Groove daher. Herrlich, diese Basseröffnung von Jochen Becker, in die dann schön riffend Philipp Seitzer und Felix Zimmermann einstimmen. Da kann man gemächlich mitbangen und seinen Spaß haben. Der böse Gesang wirkt teilweise ein wenig kratzig und kann wegen des fehlenden Refrains den Song nur wenig zum Highlight pushen. Eine deutsche Thrash Metal-Schule kann man zu fast jedem Zeitpunkt raushören und wen das nicht stört, wird hier richtig abfeiern.

„Teaching Lunacy“ wirkt dann wie ein alter Kreator-Song, nur mit weniger prägnantem Gesang. Das ist nett und bestimmt nicht schlecht, aber da könnte etwas mehr Tiefe sein, denn so hört sich das irgendwie ein wenig wie eine Mischung aus Destruction, Sodom und Kreator mit weniger Körpermasse an. Insgesamt versteht es die Band aber wirklich blendend, immer genug Freiraum zu lassen und den Sound mit ihren Instrumenten nicht unnötig vollzudröhnen.

„Public Bitch“ wird natürlich mit einem fröhlich gerufenen „Bitch“ als ersten Text eröffnet. Zuvor trommelt sich Schlagwerker Kristian Kudies ins Gedächtnis. Sehr starke Vorstellung, was er da auf seinem Instrument über das ganze Album verteilt abliefert. Das versprüht mächtig Charme und wird natürlich von der Produktion gut in Szene gesetzt. Insgesamt kann der Track aber nicht allzu sehr punkten, weil mal wieder der sich ins Gehirn fräsende Refrain nicht zu finden ist. Das ist zweifelsohne so gewollt, aber nicht unbedingt förderlich.

„Murder Symphony“ ist dann der erste Brecher, der so richtig Genickschmerzen verursachen kann. Das Tempo wird geschickt variiert und auch live dürfte das Thema gut mitgebrüllt werden. Da klingt im Hintergrund auch ein wenig Bay Area mit. Das macht richtig Laune und will beim Konzert gehört werden. Das Ganze wird dann durch das tolle, stimmige Gitarrenduett richtig gut aufgewertet.

Sehr ungewöhnlich verläuft dann das Instrumental „Beneath The Shell“. Da bringt uns die Band die Flötentöne bei! Ja, ihr habt richtig gelesen. Hört sich krass an, ist es auch, aber in wirklich toller Manier. Zum Gitarrengeklimper wird kräftig geblasen. Die Band traut sich was. Ob die das aber wohl mal live zocken werden? Die wunderschöne Melodie wird dann im weiteren Verlauf mit immer mehr, sagen wir mal, eher typischen Instrumenten unterstützt, auch wenn die Elektronik hier geschickt mit dem Klang des Schlagzeugs spielt. Absolut hörenswert, nein, eigentlich ein Muss.

Vom vorherigen Song angestachelt, läuft die Band dann anscheinend zur Hochform auf, denn mit „Hate Is Just Fear“ wird das Highlight des Albums gespielt. Fast ein wenig vertrackt, aber immer gefällig donnert dieses Stück durch das Trommelfell. Da würde ich wirklich gerne mal eine Version mit Tom Angelripper am Mikro hören. Eine klare Message an alle Nazis ist textlich gut umgesetzt worden. Sehr guter Song.

Fast schon ein wenig erhaben beginnt dann „Amok“. Ja, hier geht es nicht um einen Amoklauf im Song, sondern um die immer wieder kehrenden Amokläufer auf der ganzen Welt. Wie sie im Nachhinein in eine kranke Ecke gestellt werden und die Ursachen in Videospielen und böser Musik gesucht werden. Schön, dass es Bands gibt, die sich textlich mit viel Hirn den Gesellschaftsthemen widmet.

Der Titeltrack „Veiled By Eyesight“ kann da leider nicht mithalten. Schade, dass die Band jetzt zum Ende hin etwas zu mittelprächtig vor sich hin musiziert. Textlich ist das zwar top, aber irgendwie fehlen bei dem Song die Krallen, die sich im Gedächtniszentrum festzuhalten versuchen. Der krönende Abschluss wurde somit unterlassen. Stattdessen gibt es noch ein kurzes „Outro“, welches natürlich rein instrumental gehalten ist.

Fazit: Hier hat eine sehr hoffnungsvolle Band ihren ersten Schritt im Musikgeschäft abgesetzt. Hier und da blitzt wirklich Klasse hervor, aber auch der Umstand, dass man am Mikrofon inzwischen eine andere Besetzung hat, wird es für die Jungs nicht leichter machen. Es gibt hervorragende Ansätze, aber auch einiges eher Durchschnittliches. Mut hat die Band allemal, wenn man nur einmal an das ungewöhnliche, aber gute „Beneath The Shell“ denkt. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie die Band sich entwickelt, denn es kann top oder flop gehen.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann