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Sigh: Scenes From Hell

Eine irrwitzige Achterbahnfahrt durch die Hölle
Wertung: 8.5/10
Genre: Symphonic Black Metal/Avantgarde Black Metal
Spielzeit: 43:06
Release: 29.01.2009
Label: The End Records

Schon wenn man sich das neue Bandmitglied bei den mittlerweile seit 1990 aktiven Japanern ansieht, dürfte jedem klar werden, dass es sich bei Sigh um keine gewöhnliche Black Metal-Band handelt. Während die den Namen „Dr. Mikannibal“ tragende Dame auf dem neuen, gewohnt trashigen Bandfoto mit ihren Faschings-Engelsflügeln die Grenzen des guten Geschmacks auslotet, bringt sie auch ein in diesem Genre selten bis gar nicht gesehenes Instrument in die Band – ein Saxophon. Dementsprechend abgedreht ist auch die Musik, obwohl die in Vergangenheit bereits reichlich durchgeführten, ganz großen Experimente dieses Mal fehlen.

Statt sich an allzu vielen poppigen Refrains und Psychedelic Rock-Passagen zu versuchen, fokussieren sich die Chaoten dieses Mal deutlich mehr auf ihre Stärken, halten aber immer noch viele Überraschungen im komplexen Songwriting bereit. „Bombast“ heißt dieses Mal vorrangig die Devise, denn dank schlagkräftiger Orchester-Unterstützung hat das Album stellenweise einen fast schon klassischen Anstrich. Trotz dieser Tatsache klingen Sigh jedoch auf „Scenes Of Hell“ auch wieder so garstig wie schon lange nicht mehr, was nicht zuletzt an der bewusst scheppernden Produktion liegt, die die Ursprünge der Band betont. Letztendlich ist es auch diese rohe Härte kombiniert mit den erhabenen Melodien der klassischen Instrumente, die den Reiz des neuen Werkes der Japaner ausmachen.

Schon in „Prelude To The Oracle“ wird man wortwörtlich mit Pauken und Trompeten begrüßt, bevor ein markerschütternder Schrei von Sänger Mirai das Gemetzel eröffnet. Die Vocals des rasenden Stücks schwanken zwischen dem Gekeife des Frontmanns und heftigen Growls, die doch tatsächlich von Dr. Mikannibal stammen – Angela Gossow und Konsorten können sich warm anziehen, denn dermaßen brutal klang bisher nur selten eine Dame. Obwohl der Track sich nur über vier Minuten erstreckt, wirkt er doch erstaunlich komplex, so dass der Hörer nur staunen kann, wie man so viel Abwechslung in einem einzigen Song unterbringen kann – sogar ein beeindruckendes Gitarren-Solo ist zu hören.

Mit „L'Art De Mourir“ wird noch mehr Dramatik ins Spiel gebracht, während das nachfolgende „The Soul Grave“ in puncto Bombast einen der Höhepunkte des Albums darstellt und zudem äußerst melodisch daherkommt. „The Red Funeral“ präsentiert sich dann anschließend als eines der experimentelleren Stücke auf der CD: Sanfte Piano-Klänge werden von den Lauten einiger Krähen und einer düsteren Sprech-Sequenz begleitet, wodurch man sich an alte Horrorfilme erinnert fühlt, bevor erhabene Bläser den Marsch-ähnlichen Rhythmus einleiten. Mirai zeigt sich hier in Höchstform und kreischt sich hasserfüllt durch das Stück, bevor mit „The Summer Funeral“ die nächste Beerdigung ansteht. Das schleppend-majestätische Stück erinnert, passend zur Thematik, von der Melodie her an Frédéric Chopins berühmten Trauermarsch und überzeugt mit viel Abwechslung und einem weiteren gelungenen Solo.

Die neu hinzugekommene Saxophonistin macht sich zwischen all den Instrumenten generell gar nicht so schlecht, geht aber oft in der Orchester-Untermalung etwas unter. Wünschenswert wären mehr Auftritte wie in dem heftigen Song „Musica In Tempora Belli“, in dem zwischen Doublebass und Gekeife plötzlich ein exzellentes Saxophon-Solo erklingt und zum Schluss auch noch Current 93-Mastermind David Tibet einen Gesangspart erhält. Zum Abschluss wird das Album mit den Stücken „Vanitas“ und dem Titelstück gebracht, bei denen die Band noch einmal alle Register zieht und kompromisslos hart die Reise durch die bizarre Hölle beendet.

„Scenes From Hell“ ist ein in jeder Hinsicht ungewöhnliches Black-Metal-Album geworden – was jedoch nicht allzu überraschend ist, denn gewöhnliche Musik gehörte noch nie zum Reportoire Sighs. Für Anhänger experimentellen Black Metals ist diese CD ein Pflichtkauf, denn mit dermaßen viel Spielfreude geht derzeit kaum eine Band aus diesem Genre zu Werke. Hier wird eine gelungene Synthese Black Metal, Thrash Metal, Klassik, Jazz und vielen anderen Richtungen geboten, die man jedem scheuklappenfreien Hörer nur wärmstens empfehlen kann.

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