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Siegfried: Nibelung

Manchmal zahlt sich Hartnäckigkeit aus
Wertung: 7.5/10
Genre: Epic Metal
Spielzeit: 43:20
Release: 27.11.2009
Label: Napalm Records

Sechs Jahre haben sich die Österreicher Siegfried Zeit gelassen, um ihr dreiteiliges Werk über die Nibelungen  zu beenden. Ich muss zugeben, dass ich die beiden ersten Teile nicht mal vom Namen her kannte. Umso gespannter war ich natürlich beim ersten Höreindruck und der war ziemlich vernichtend. Womit werde ich denn nun gestraft, fragte ich mich, der weibliche Gesang stieß böse auf und auch die Musik wollte sich nicht rund anhören. Aber was muss, das muss und so folgten weitere acht Durchläufe mit stetig wachsender Begeisterung und im Endeffekt einer abschließenden positiven Meinung. So kann der erste unverhoffte Eindruck trügen.

„Der Ring Der Nibelungen“ beginnt schön orchesterhaft und leicht pompös. Großer Theaterzauber wird suggeriert, welcher natürlich auch zu der Story passt. Langsam, aber sicher nimmt dann der Song Gestalt an und man drängt treibend ins Metal-Genre. Werner Bialek und Bruder Cle sorgen bei Siegfried für den männlichen Gesang, der dann von Sandra Schlerets klassischem Organ zusätzliche Farbe erhält. Zuerst etwas gewöhnungsbedürftig, aber dann wirklich gut. Man schafft es immer wieder, den Spagat zwischen Orchester und Metalband hinzubekommen.  

„Fafnir“ ist dann das erste Highlight. Mit kräftigen Doublebassdrum-Attacken ausgestattet, frönt man hier eher dem 80er Jahre-Metal, welches aber gelungen vom Orchester verschleiert wird. Der unter die Haut gehende Gesang speziell im Mittelteil lässt hässliche Fratzen vor dem geistigen Auge erscheinen, welche recht kriegeslustig dreinschauen. Sehr starke, abwechslungsreiche Nummer mit viel Pathos und dennoch Aggressivität. 

„Die Eisenfaust (Alberich)“ begeht den nun eingeschlagenen Weg weiter. Die tolle Gitarre von Ortwin sorgt für viel Freude. Gerade die doomigeren Passagen auf diesem Album machen speziell, was die Gitarre angeht, richtig Spaß. Der teilweise klassische Gesang sorgt für wahres Entzücken, das macht Spaß und hat Kultcharakter. Sicher, man ist weit von Bands wie Haggard] entfernt, aber man zockt hier zumindest recht eigenständig und das in einem ohnehin schweren Gewässer.

„Die Prophezeihung“ beginnt richtig stark, bevor es dann nach gut einer Minute leider ins absolut Langweilige abdriftet. Schöner Weise weiß Sandra Schleret hier mir ihren leider zu kurzen Einsätzen immer wieder das Ruder herum zu reißen und den totalen Absturz zu verhindern. So handelt es sich insgesamt um einen eher durchwachsenen Song, der aber zur Erzählung der Geschichte sehr wichtig ist.

„Brunhild“ gerät dann zum wohl eingängigsten Song des Albums. Sandra darf deutlich mehr brillieren und übernimmt die Leadvocals. Ihre nicht zu hohe Stimme meistert hier alle Klippen und sorgt trotz der Instrumentierung für eine verträumte Stimmung. Das macht Spaß, das hört man sich öfter an. Das nächste Highlight dieser CD.

„Sachsensturm“ wird dann aber leider durch den doch recht durchschnittlichen männlichen Gesang zerstört. Da hätte ich mehr erwartet. Da kommt mal ein etwas rumpeliger Melodiewechsel, da wird mal kurz etwas stupide wirkend aufs Gas getreten, das emulierte Orchester wirkt hier deutlich zu dünn. Schade, da hätte man mit größerem Budget und einem richtigen Orchester sicher deutlich mehr Effekt erschaffen können. 

„Totenwacht“ kann da schon wieder mehr Freude verbreiten. Mit viel Gefühl wird recht kraftvoll dafür gesorgt, dass man sich auch mal zurücklehnen kann, ohne in Schmalz zu versinken. Die fast schon ein wenig dramatische Eröffnung sorgt für den geeigneten Einstieg. Man wechselt zwischen zügigen härteren Parts und schmerzlichen langsamen Teilstücken. Das muss man auch erstmal so hinbekommen.

„Der Todesmarsch“ suggeriert einen Mönchschor im Midtempo, bevor immer wieder die musikalischen Themen gewechselt werden, leider nicht immer ganz stimmig vom Anschein her. Das hört sich teilweise ein wenig zusammengestückelt an und sorgt so für Ernüchterung. Eigentlich somit mit der schwächste Song des Albums, welches aber von seiner Ganzheit lebt.

Das große Finale wartet dann mit „Die Götterdämmerung“ auf den Hörer: Ein kleines Monumentalwerk, welches durch seine Komplexität wieder einmal für viel Kurzweil sorgt. Der Gesang von allen drei Vokalisten sorgt hier für die Krönung zum Abschluss. Von so etwas träumen Rhapsody beziehungsweise Rhapsody Of Fire, wie sie ja heute heißen, wahrscheinlich. Da ist Pathos drin, da riecht man quasi die besungene Glorie. Vorbildlich!

Fazit: Ein Album, welches dem Hörer schon ein wenig abverlangt. Easy Listening geht anders. Man sollte sich wirklich mit dem Album beschäftigen und es nicht vorschnell verwerfen, denn dann kann es zu einer kleinen Offenbarung kommen. Wenn man erfasst, was die Band hier erschaffen hat, dann gebührt ihnen schon ein gewisser Respekt. Die Krönung dieser Musikrichtung ist es nicht, aber eine gute Bereicherung für die Szene, auch wenn das Album mit gerade mal 43 Minuten deutlich zu kurz ist für solch ein Thema und man besser einige Ausfader mit richtigen Endungen hätte ersetzen können.

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