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Sieges Even: The Art Of Navigating By The Stars

Die Kunst des Navigierens nach den Sternen
Wertung: 10/10
Genre: Progressive Rock & (Metal)
Spielzeit: 63:37
Release: 23.09.2005
Label: InsideOut Music GmbH

Gerechtigkeit und Musikbuisiness sind zwei unvereinbare Dinge. Besonders deutlich wird das an den süddeutschen Progressive Rockern/Metallern „Sieges Even“.

Ende der Achtziger ist Progressive Metal ein zartes Pflänzchen. Bands wie Fates Warning, Psychotic Waltz, Cirith Ungol und die längst legendären Heir Apparent fristen ein eher unbeachtetes Dasein oder haben sich aufgelöst. Da erscheint im Jahre 1987 das Debüt der heutigen Aushängeschilder Dream Theater. Eine Lawine wird losgetreten und mit ihr erscheinen jede Menge neuer innovativer Bands auf der Bildfläche. Eine von ihnen ist Sieges Even, die bereits 1988 ihr Debüt „Life Cycle“ veröffnetlichen. Der erste große Schritt in Richtung Anerkennung folgt mit dem Zweitwerk „Steps“. Fans und Kritiker sind sich einig, diese Band könnte den internationalen Durchbruch schaffen. Mit „A Sense Of Change“ folgt 1992 die dritte CD. Musikalisch und kompositorisch - ein geniales Meisterwerk. Allerdings scheiden sich die Geister am Gesang. Die Einen lieben , die Anderen hasssen ihn. Es werden bis 1997 zwei weitere CD’s veröffentlicht, die der Band leider nicht den erhofften endgültigen Durchbruch bringen.

Was folgt ist eine Schaffenspause bis zum Jahre 2005. Fast in Originalbesetzung verstärken sich Markus Steffen (g), Alex Holzwarth (dr) und Oliver Holzwarth (b) mit dem holländischen Sänger Arno Menses. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit lautet „The Art Of Navigating By The Stars“.

Die Pause und der Sängerwechsel haben der Band gut getan. Arno Menses ist ein wahrer Glücksgriff. Er hat eine klare, kraftvolle und sehr ausdrucksstarke Stimme, die gewissermaßen das i – Tüpfelchen auf den klanglichen Kleinoden von Sieges Even darstellt.

Dies soll an drei Titeln der CD verdeutlicht werden. Nach einem halbminütigen Intro folgt der Opener „The Weight“. Ein wahrer Prog-Hammer von über 10 Minuten Länge. Das Stück beginnt ruhig mit leicht grollendem Bass, gradlinigem Drumming und wunderschönen Gitarren. Dann wechseln sich Gesang und donnernde Bassequenzen in Verbindung mit Double Bass - Attacken ein, immer wieder durchbrochen von abgefahren Bassläufen und der akzentuierten Gitarrenarbeit. Kurz vor Halbzeit wird die Gitarre stärker in den Vordergrund geschoben und Markus leistet gut zwei Minuten lang „solistische“ – aber gleichzeitig auch absolut songdienliche – „Arbeit“. Weiter geht es mit diversen musikalischen und technischen Kabinettstückchen u.a. in Form von Taktwechseln oder gewagter Polyrhythmik auf allen Instrumenten. Das wirklich Aufregende an diesem Song ist die Tatsache, dass das Ganze immer nachvollziehbar und melodiös bleibt. Atemberaubend.

Im Gegensatz dazu steht das eher ruhig angelegte „Blue Wide Open“. Klarer mit leichtem Hall verstärkter Gesang lädt zum Zuhören und Entspannen ein. Unterlegt wird alles von einer akustischen Gitarre, die sogar einen Ausflug in die Welt der klassichen Gitarrenmusik wagt. Schwelgerisch und nachdenklich, fast schon ein wenig zerbrechlich kommt der Titel daher. Obwohl gute fünf Minuten lang, verliert man jegliches Zeitgefühl, und es scheint, als sei dieses Lied wesentlich kürzer.

Am Ende der CD wartet mit „Styx“ nochmals ein wahrer Brecher auf den Zuhörer. Fast neun Minuten lang werden sämtlichen Tugenden progressiven Rocks vorgeführt – anspruchsvoller Gesang, vetrackte Rhytmik, Taktwechsel, Soli, jeder für sich und alle miteinander. Ein perfekter Abschluss für eine überdurchschnittliche CD.

Sich dieser hochkomplexen Musik zu nähern, erfordert Zeit und Geduld. Gitarrist Steffen gibt folgenden Rat: „Musik funktioniert nicht immer nach einfachen Regeln. Wir gehen als ‚klassische’ Komponisten an unsere Stücke heran, arbeiten mit Themen und Motiven, und das Ende bleibt zunächst offen. Wer sich intensiv mit unserer Musik beschäftigt, findet in jedem Song den ‚roten Faden’. Wer verstehen will, was wir machen, der lege ‚The Art of Navigating By The Stars’ in den CD-Player, schalte das Licht aus, setze Kopfhörer auf und schließe die Augen. Die Platte wirkt wie ein Film … – doch wird wahrscheinlich jeder einen anderen sehen.“

Ich kann mich dem nur anschließen. Die CD ist ein wahrer Hörgenuss. Selbst nach inzwischen ca. zwei Dutzend Durchläufen entdecke ich immer wieder Neues. Also macht Euch auf die Reise und lernt „Die Kunst des Navigierens nach den Sternen“.

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