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Sick Of It All: When The Smoke Clears

30 Jahre SOIA - und trotzdem kein Best-Of! Danke dafür!
Wertung: 9/10
Genre: Hardcore
Spielzeit: 11:21
Release: 04.11.2016
Label: Century Media

Sick Of It All feiern 30-Jähriges. Wir gratulieren ganz herzlich und wundern uns, wie die Jahre an den vier Herren so spurlos vorbeigehen konnten, wo sie doch einer so lebhaften Szene wie dem Hardcore angehören. Wie gestern kommt es mir vor, dass schon das sagenhafte 25. Jubiläum in der Röhre in Stuttgart gefeiert wurde – mit einer superfitten Band und einigen Fans aus den Anfangstagen! Die Röhre ist nicht mehr, Sick Of It All klingen dafür wie eh und je.

Die beiden Brüder Lou und Pete Koller sowie ihre Kompagnons Craig Setari und Armand Majidi bieten zum Geburtstag, entgegen dem Eindruck, den das offizielle Cover hinterlässt, keine Best-Of-Scheibe, sondern eine schlanke EP mit fünf neuen Tracks und einem umfangreichen Booklet, in dem nicht nur Fotos aus den letzten Jahrzehnten gesammelt wurden, sondern auch jedes Bandmitglied zu Wort kommen darf. Zusätzlich sind die Songtexte der neuen Tracks abgedruckt, das Ganze hübsch dezent in Schwarz und Gold. Wenn man sich die 10“-Vinyl (inkl. CD) leistet, bekommt man ein in Kunstleder gebundenes, 60-seitiges Stück Hardcore-Geschichte mit dazu – da kann man den Geldbeutel schon mal hüpfen lassen.

Jetzt wäre es natürlich vermessen zu glauben, dass eine Band wie Sick Of It All, die seit 30 Jahren recht ähnlich klingt (jedoch, und das ist ein Kunststück, ohne sich in Langeweile zu ergehen) mit einer neuen EP nun völlig andere Wege einschlagen würde. Tatsächlich erkennt man sofort, wen man hier vor sich hat. Das muss nun aber nichts Schlechtes heißen, liefert das Quartett doch seit der Gründung Qualität – und Songs wie „Us Vs.Them“, „Scratch The Surface“ oder „Sanctuary“ benötigt man da nicht mal als Beweis.

„When The Smoke Clears“ liegt nun also vor uns und auch der Opener heißt gleich genauso wie die EP; eine Dampfwalze mit hämmernden Drums und einem Fronter, der außerordentlich gut in Form zu sein scheint, wird in die knapp elf Minuten Spielzeit gestartet. Da bekommt man nicht nur Lust, den Lautstärkeregler ganz nach rechts zu schnippen, man möchte auch dringend mal wieder die Live-Energie spüren, welche die nun nicht mehr ganz jungen Amis zu zünden in der Lage sind.

Titel wie „Blood & Steel“ erinnern zwar eher an aufgepumpte Klischee-Metaller à la Manowar, beinhalten aber den klassischen Hardcore, für den Sick Of It All nun mal stehen. Wobei der Track für Hardcore-Verhältnisse fast schon verfrickelt daherkommt, Gitarrist Pete rutscht das Griffbrett rauf und runter, dass es eine wahre Freude ist, während sein Bruder sich die Lungen blau bellt. Im Verlauf wird’s dann rock’n’rollig flott – da fahren die Männer schwere Geschütze auf, „Doomed Campaign“ verbreitet dann mit raschem Tempo und jeder Menge Gangshouts sogar ein bisschen Oi-Punk-Feeling – übrigens ebenso beim finalen „Fortress“, bei dem man sich ein bisschen wie in einem Pub zum Zapfenstreich fühlt.

Mit gerade mal fünf Songs decken die New Yorker so ziemlich ihre ganze Bandbreite ab – einen besseren Output für ein solches Jubiläum könnte es gar nicht geben. Sehr positiv macht sich außerdem die Tatsache, dass hier keine Doppel- oder gar Dreifach-Best-Of-CD/-LP aufgegossen wurde, um mit den sicherlich sehr zahlungswilligen Fans noch ein bisschen mehr Geld aus den Rippen zu leiern. Danke dafür! Und danke auch für unzählige geile Konzerte und großartige Songs – ob’s nochmal 30 Jahre werden, darf man bezweifelt; andererseits: wundern müsste man sich bei diesen Energiebündeln nicht.

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