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Sick Of It All: Wake The Sleeping Dragon!

Zorn, auf CD gepresst
Wertung: 8,5/10
Genre: Hardcore
Spielzeit: 32:36
Release: 02.11.2018
Label: Century Media

33 Jahre sind eine verflucht lange Zeit. Eine ganze Generation, wenn man so will. 33 Jahre sind die Herren von Sick Of It All mittlerweile in der Hardcore-Szene aktiv, weltweit eine der aktivsten und geilsten Livebands des Genres, mit der aktuellen Platte „Wake The Sleeping Dragon!“ steht das sage und schreibe zwölfte Full-Length-Studioalbum in den Regalen und dabei ist die Truppe beinah in gleicher Besetzung geblieben – bereits 1986 gründeten die Brüder Lou und Pete Koller SOIA, seit 1992 (!) sind auch Drummer Armand Majidi und Bassist Craig Setari dabei. Das muss man auch erst mal hinbekommen, zumal die Band wie erwähnt viel tourt und sich dabei immer wieder für lange Zeit auf der Pelle hockt.

Bereits die 2016er EP „When The Smoke Clears“ zeigte schnell und überdeutlich, dass Sick Of It All ihren Stil wohl in diesem Leben nicht mehr ändern werden. Müssen sie aber auch gar nicht: Lous bellende Vocals erkennt man trotz vieler ähnlich klingender HC-Combos überall wieder und auch die restliche Truppe hatte ja mittlerweile ausreichend Zeit, sich eine Art Trademarksound zusammenzubasteln. Kein Wunder also, dass auch „Wake The Sleeping Dragon!“ nichts „Neues“ parat hält – dafür rechnen die vier Amis ziemlich ordentlich in Tracks wie dem gerade 58 Sekunden kurzen „Self Important Shithead“ ab. Man kann nur spekulieren, wer da gemeint sein dürfte. Die erste Zeile, die dem Beginn der amerikanischen Nationalhymne entspricht, liefert da sicherlich nur einen klitzekleinen Hinweis.

Es überrascht aber doch immer wieder, wie eine Band, die bereits derart lange im Geschäft ist, es schafft, immer wieder solchen druckvollen Output zu liefern. 17 neue Songs sind auf der aktuellen Platte versammelt, die Laufzeit beträgt knapp über eine halbe Stunde – ein Wutwürfel vor dem Herrn, der mit dem Opener „Inner Vision“ schon überhaupt keine Zeit zum Atem schöpfen bereithält, sondern gleich mit Schwung in die Kronjuwelen tritt. Gangshouts, Tanzparts, der Track hat schon alles, was der gemeine HC-Fan sich wünscht, und vor allem einen wahnwitzigen Leadriff, den man sich am liebsten in Endlosschleife anhören würde.

„Bull‘s Anthem“ zeigt, dass die Jungs für Überraschungen doch noch gut sind, kommt hier doch absolutes Irish-Pub-Feeling auf, Gastsänger Tim McIlrath von Rise Against und auch ex-Hot Water Music-Sänger Chuck Ragan passen da natürlich perfekt rein und machen den Track zu einem absoluten Mitgrölsong, der sicherlich live auch wunderbar funktioniert.

Dass Fronter Lou das zornige Gebell noch genauso gut, wenn nicht besser, beherrscht wie auf früheren Alben, zeigt einmal mehr das knackige, augenzwinkernde „Beef Between Vegans“, bei dem man die Spucke vor allem im Refrain richtig fliegen hören kann. Genial! Auch in Sachen Groove können sich die Altmeister noch lange an der Spitze halten („Hardcore Horseshoe“), von einem absolut brutal-genialen Song wie „Deep State“ ganz zu schweigen, der durch die Lautsprecher zu greifen scheint, um den Hörer direkt am Kragen zu packen und im Refrain mit seinen Stakkato-Gangshouts geradezu prädestiniert für Live-Fäuste und gemeinsames Ausrasten ist.

Sick Of It All haben noch ordentlich Dampf auf allen Kesseln und haben einmal mehr mit „Wake The Sleeping Dragon“ ein gut produziertes und trotzdem derbes Hardcore-Album auf die Fangemeinde losgelassen, das so viel Zorn versprüht wie schon lange nicht mehr. Damit hat die Platte nicht nur das Prädikat "besonders wertvoll" verdient, sonderlich sicherlich auch in der Zukunft die ein oder andere Umdrehung auf dem heimischen Plattenteller.

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