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Sick Of It All: Nonstop

Immer noch eine Abrissbirne von einer Band
keine Wertung
Genre: Hardcore
Spielzeit: 35:49
Release: 31.10.2011
Label: Century Media

Es hagelt zurzeit Jubiläen: Gerade erst polterten Pro-Pain zum 20-Jährigen durch die heimischen Boxen, jetzt kommen die nächsten Hardcore-Veteranen mit Partyhütchen ums Eck: Sick Of It All feiern 25 Jahre „Nonstop“, passend zum Titel der neuen Scheibe, einer Best-Of, die noch einmal aufzeigt, warum die New Yorker mit zu den besten Hardcore-Bands überhaupt gehören. Damit kann man der Band nicht nur einen langen Atem attestieren, sondern auch eine unglaubliche Beständigkeit in ihrem Line-Up: In 25 langen Jahren mussten nur zwei Mitglieder ausgewechselt werden – und keiner von beiden war Sänger Lou Koller. Der Mann, der die 40 inzwischen schon gut hinter sich gelassen haben dürfte, prägt seit bald drei Dekaden den Sound seiner Band mit einem unnachahmlichen Gebell, das trotzdem fast Wort für Wort verständlich bleibt.

Wer die Band mal live gesehen hat, erinnert sich wahrscheinlich vor allem an Bruder Pete, der mit seiner Gitarre und dem blonden Iro über die Bühne tollt wie ein 15-Jähriger – auf den Brettern sind die Herren beinah eine noch stärkere Macht als auf Platte. Aus neun Alben musste nun also für die „Nonstop“-Platte ausgewählt werden – keine leichte Aufgabe, schließlich wachsen sich SOIA-Songs gerne mal zu wahren Hymnen aus, die überall auf der Welt von Hardcore-Kids fehlerfrei mitgegröhlt werden können.

Klar, dass es solche Dauerbrenner wie „Scratch The Surface“ (allein der geile Gangshout!) oder „Sanctuary“, das schon fast als Ohrwurm durchgehen kann, auf die Scheibe geschafft haben. Dabei wurden zwar alle Songs neu aufgenommen, haben den räudigen Grundton aber zum Glück nicht eingebüßt. Und das Beste: Die Amis haben richtig schön tief in der Diskografie gewühlt. Allein vom allerersten Album „Blood, Sweat And No Tears“ aus dem Jahr 1989 sind eine gute Handvoll Tracks vertreten, unter anderem das nicht mal zwei Minuten lange „Injustice System!“, das förmlich den Geist der späten New Yorker Achtziger verströmt.

So eine Zeitreise macht einen doch irgendwie nostalgisch und im Stillen ärgert man sich ein zweites Loch in den Hintern, weil man nicht 15 Jahre früher geboren wurde. Ob der Krawallhammer „Us Vs. Them“ oder das alte „Pushed Too Far“ – die Setlist dürfte ein Fest für Fans sein. Dabei kann ich mich persönlich am meisten für das „Scratch The Surface“-Zeitalter erwärmen; in den frühen Neunzigern war die Band zwar immer noch genauso angepisst wie zu Beginn, aber man hatte seinen eindeutigen Sound gefunden und preschte hammerhart nach vorn.

„Locomotive“ vom 1992er Album „Just Look Around“ ist ein weiterer Beweis, dass Lou immer noch genauso angepisst klingen kann wie damals. Eine wahre Abrissbirne schlägt hier durch die Zimmerwand, die eingebauten Gangshouts verstärken nur das Ghettogefühl, das man bei alten Sick Of It All-Songs irgendwie des Öfteren bekommt – großartig! Witzigerweise hat es kein einziger Track vom letztjährigen Album „Based On A True Story“ auf die Best-Of-Scheibe geschafft – aber das muss ja auch nicht sein, schließlich haben sich die hier vertretenen Songs ihren Ruf hart erkämpft.

Natürlich wird „Nonstop“ nicht wie ein normales Album bewertet – Punkte gibt es nicht, lediglich den Tipp, sich die Platte zuzulegen, wenn man entweder noch kein einziges Sick Of It All-Album hat oder (aufgrund der Tatsache, dass die Tracks neu aufgenommen wurden) wenn man wirklich die komplette Diskografie im Schrank stehen haben will. „Nonstop“ zeigt: Die Herren haben noch lange kein Bock auf Gnadenbrot. Hart, kompromisslos und schwerst aggressiv – so will man in Erinnerung bleiben. Und auf der anstehenden Herbsttour dürfen die Amis dann auch noch mal beweisen, dass sie deftiger moshen als viele junge Truppen.

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