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Shy Guy At The Show: The Birth Of Doubt

Der moderne Prometheus
Wertung: 9.5/10
Genre: Dark Wave
Spielzeit: 44:34
Release: 07.01.2011
Label: Danse Macabre

Shy Guy At The Show, die Band mit dem absolut ungewöhnlichen Namen, wurde schon 2005 gegründet und bringt nun 2011 mit „The Birth Of Doubt“ ein Konzeptalbum auf dem Markt. Die Band besteht aus folgenden fünf Mitgliedern: Sebastian Emling (Gesang), David Emling an der Gitarre, Jonas Schira für Gesang und Keyboards, Sven Schiffler am Bass und Sebastian Hellman am Schlagzeug und ebenfalls Gesang. Eine Band, die mit einem so extravaganten Namen an die Öffentlichkeit geht, sollte nicht gerade schüchtern sein, und betrachtet man das vorliegende Album, wird eine ganze Menge Selbstbewusstsein vernommen.

Sich im 21. Jahrhundert eines Konzeptalbums anzunehmen, ist sicher nichts Außergewöhnliches, gerade im Gothic- oder Dark Wave-Genre. Sich Goethes anzunehmen vermutlich auch noch nicht. Aber sich nicht etwa Goethes „Faust“, welches ja schon vielen Künstlern, Malern, Dramatikern, Schriftstellern oder eben Sängern Zündstoff gegeben hat, anzunehmen, ganz sicher. Shy Guy At The Show nehmen sich nicht etwa eines ganzen Dramas an, welches völlig ohne neue Ideen Stoff gibt für ein ganzes Album. Nein, sie wagen sich an das Gedicht der Sturm und Drang-Zeit, welches gerade einmal sieben Strophen umfasst. Daraus entwickelt sich ein Album mit insgesamt dreizehn Stücken.

Es beweist also durchaus Selbstbewusstsein sich eines so großen Dichters anzunehmen wie Goethe. Aber genau davon handelt das Gedicht „Prometheus“ ja auch, hier nimmt Prometheus den Göttern ihren Thron, in dem er sich ihnen gleich setzt. Aber kommt Hochmut nicht bekanntlich vor dem Fall? Was also kann eine Band wie Shy Guy At The Show erreichen, wenn sie sich so Großes vornimmt?

Die Songfolge von „The Birth Of Doubt“ ist absolut schlüssig, die Stimmen reißen vom ersten Ton an mit, so dass ein Abschalten absolut nicht möglich ist. Der „Prologue“, der instrumental aufgenommen ist, öffnet auf eine ruhige und geheimnisvolle Art und Weise die Tür in das Konzeptalbum, in die Welt Shy Guy At The Shows. War Goethe mit dem Gedicht „Prometheus“ im 18. Jahrhundert Gesellschaftskritiker, weisen Shy Guy At The Show eben solche Züge auf und fordern ihre Zuhörer auf, nicht alles hinzunehmen.

Das Konzeptalbum weist nicht nur thematisch eine gute Harmonie auf, welche vor allem durch das Zusammenspiel der Gitarren und der Stimme von Sebastian Emling erreicht wird. Es gelingt von Song Nummer eins an, eine Gänsehautatmosphäre aufzubauen, die das gesamte Album hält. Sie zeigen, dass sie im Genre Dark Wave absolut zuhause sind und bei Meistern wie The Sisters Of Mercy gelernt haben, ohne abzukupfern. Ganz im Gegenteil, hier ist etwas Eigenes erschienen und betrachtet man die Songs einmal ohne den Hintergrund, das Goethe-Gedicht zu kennen und darum zu wissen, ist hier ein Album erschienen, welches nicht besser das Jahr 2011 einläuten könnte.
 
Um den einen oder anderen Song hervorzuheben, sei auf jeden Fall „Paris In Flames“ zu nennen, der wahrscheinlich die meisten Parallelen zu den vorher genannten The Sisters Of Mercy bereit hält, aber eben auch durch die Strophen deutlich gemacht, dass sie dort gelernt haben, sich aber doch ihren eigenen Stil angeeignet haben. „The Dance“ ist ein Song, der vielleicht den übrigen Songs am unähnlichsten ist. Die Melodie ist zweigeteilt, einmal ähnlich einer Aufzählung, dann wieder ruhig und zusammenfassend.

Die fünf Musiker haben sich viel vorgenommen und weist ihr Bandnahme auf einen Außenseiter hin, werden sie es sicher in der Szene nicht sein, wenn sie das, was sie hier auf eine Scheibe gepresst haben, live ebenso gefühlvoll und dramatisch rüber bringen.

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