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Shotgun Club: Love Under The Gun

Wenig begeisternd
Wertung: 4.5/10
Genre: Postpunk
Spielzeit: 43:28
Release: 17.07.2011
Label: Stupido Records/Danse Macabre Records

Ganz treffend formuliert der Promotext die musikalische Ausrichtung der finnischen Postpunker Shotgun Club: „schräg, kantig, lärmend und definitiv nicht eingängig“. Weiter heißt es da: „Sie selbst sehen sich als dunkler Dub, als primitive Musik, repetiv, nervzersetzend bis zum Untergang.“ Richtig ist: Die Finnen gehen einem richtig an die Nerven. Und das direkt beim ersten Durchgang. Von Track zu Track hat man mehr das Gefühl, in einer Endlosschleife aus The Cure, Sharon Next und Joy Division gefangen zu sein – von allem wurden natürlich nur die schleppendsten, depressivsten Elemente verwoben und mit teils düsteren, teils verstörend fröhlichen Keyboardstrukturen vermengt.

Für Menschen, die "Easy Listening"-Musik bevorzugen, sind Shotgun Club sicherlich nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Selbst hart gesottene Chaoshörer könnten sich zumindest an dem doch sehr gewöhnungsbedürftigen Organ des Sänger stören – meist ist der Gute mit ganz viel Echo in den Hintergrund gemischt, was schon nervenaufreibend genug ist, und die Gelegenheiten, bei denen die Stimme halbwegs klar im Vordergrund tönt, fühlt man sich schmerzlich an Joy Divisions Ian Curtis (RIP!) erinnert. Songtexte gibt es übrigens im Booklet keine, stattdessen sind die Seiten gefüllt mit psychedelisch verfärbten, verwackelten Aufnahmen und dem verschwommenen Bild zweier heulender Wölfe, das wirklich ein wenig gruselig aussieht und so eher in ein Black-Metal-Album gepasst hätte.

Der erste Track, „Flight Of Fear“, lässt bereits in etwa erahnen, in welche Richtung die Platte tendiert: Ein monotoner Beat und verzerrte Vocals geben den Weg vor und ehe man sichs versieht, sitzt man schon im nächsten Song, der ähnlich dröge aus den Boxen wummert. Abhilfe schafft dann endlich „Last Spring“, das mit lustigem Marschkapellensound und einem hübsch einprägsamen Bass beginnt. Zwar herrscht hier noch immer Montonie vor, allerdings nicht als nerviger Dauerzustand, sondern als sorgsam eingesetztes Stilelement. Man kann förmlich die Regentropfen am Fenster entlang laufen sehen und wenn man sich den Track mehrmals hintereinander anhört, verfällt man in eine Art angenehmer Herbstdepression.

Zwischendurch blitzen ganz verwirrte Anleihen an die Kollegen von The Cure durch – beispielsweise beim absolut nervigen „New Good Thing“, bei dem das einzige Highlight tatsächlich die an die Engländer erinnernden Synthies sind. „Fake Fake“ hat dann trotz des etwas anstrengenden Refrains mit seinen dominanten Drums einen gewissen Charme, obwohl die Stimme allmählich ebenso an den Nerven zerrt wie die oftmals verwirrten Songstrukturen. Zumindest bietet der Song aber einen guten Ohrwurm und damit einen Anspieltipp.

Auch gegen Ende der Scheibe können die Finnen nicht mehr so richtig punkten und so bleibt man vor der rotierenden CD sitzen und fragt sich: Sollten Finnen Postpunk machen dürfen? Tatsache ist, dass Shotgun Club einige gute Ansätze so verwurstet haben, dass „Love Under The Gun“ zu 95 Prozent nur aus anstrengendem Soundmischmasch und verzerrten, genervt klingenden Vocals besteht, die man nur mit zwei zugedrückten Augen noch als „gut“ bezeichnen kann. Da wir aber mit weit geöffneten Augen durchs musikalische Leben wandern, kann ich mich zu wenig mehr als vier Pünktchen erwärmen – in der Hoffnung, dass ein zweites Album, sollte es je eines geben, weniger monoton ausfällt.

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