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Sheephead: The Plague

Nur mit Haftcreme "extra stark" für Gebissträger zu genießen
Wertung: 9/10
Genre: Thrash Metalcore
Spielzeit: 41:22
Release: 28.03.2008
Label: Eigenproduktion

Es begab sich zu einer Zeit, als es Metal Bands im Überfluss gab und sich eine Band aus Bayern auf die Reise machte, um die Heerscharen von Metaljüngern zu einen und sich gefügig zu machen. Aufgrund der Schwemme an artverwandten Bands folgte dann ein wenig die Ernüchterung. Trotz zweier Demo-EP`s, wovon die letzte mir glücklicherweise in die Hände fiel und mich mehr als zu begeistern wusste, schien sich die Plattenindustrie nicht wirklich für die Band mit dem Namen eines Kartenspieles zu interessieren. So weit, so schlecht, aber sollten die fünf nun das Vogel-Strauß-Syndrom anwenden und den Schädel in den Sand stecken? Nee, besser nicht, denn bei der Power, die sie schon auf „Stay Brutal“ raushauten, würde das wohl eher zu einer Umweltkatastrophe in Form eines Erdbebens führen. Also verschanzte man sich lieber im Studio und nahm endlich einen ersten Longplayer auf: „The Plaque“.

„Bin ich denn anders? Hab ich denn nicht dieses Verfluchte in mir? Feuer, die Stimme, die Qual?“ fragt sich Klaus Kinski (?) ergreifend, bevor die Band freigelassen wird und ohne jegliche Rücksicht loslegt. „Guilt And Instinct“ fängt genau da an, wo „Stay Brutal“ aufgehört hat. Ein exzellenter, kraftvoller Sound umwebt die aggressiven Gitarren und die richtig heftigen Schlagzeugsounds. Benjamin Lipp Schreit sich die Stimmbänder aus dem Leib, so dass man sich getrost im Metalcore zuhause fühlen kann. Für die Unzähligen da draussen, für die Metalcore ein Schimpfwort ist, sei allerdings erläutert, dass es sich hier um einen kräftigen Mix aus aggressivem Thrash mit Death Metal und einer Prise Metalcore handelt.

Ohne große Pause läutet, bzw. richtigerweise hämmert Schlagzeuger Roman Lutz dann „Odyssey“ ein. Stark, was die Band hier abfackelt. Die Haare fliegen durch die Luft und die Nackenmuskulatur erfreut sich einer größeren inneren Hitze. Damit das Ganze aber nicht langweilig wird, variiert Sheephead aber das Tempo und lässt so zum Beispiel den Song schön heavy ausklingen.

„Epigone Inc.“ geht dann etwas gemäßigter vor, zumindest, was das Tempo angeht. Wie ein gereiztes Raubtier scheint die Band vor einem zu stehen und sorgt so für gehörigen Respekt. Hoffentlich spielen die fünf demnächst mal hier in der Gegend und zeigen mir, dass sie das auch livehaftig rüberbringen können.

„Empery Of Flesh“ weist immer wieder mal eine richtig schöne Gitarrenmelodie auf, welche vielleicht noch ein kleines bisschen dominanter im Sound integriert hätte werden können, um sich vollständig zu entfalten. Fast schon unglaublich, wie diese junge Band (Bandopa Josef Hiltmann ist gerade erst 21 Jahre alt geworden) hier auftritt. Da wird selbst deutlich erfahreneren Bands nicht nur die Butter vom Brot stibitzt, nee, hier ist der ganze Imbiss verschwunden..

„The Sleeping Beauty“ fällt dann allerdings ein kleines bisschen ab, da er durch das verschleppte Tempo (für Sheephead-Verhältnisse) etwas an Power einbüßt. Da hilft dann auch das tolle Gitarrensolo von Patrick Link nicht. Wer jetzt aber denkt, die Band habe ihr Pulver verschossen und wechsele nun von grandios ins „nur“ gute Lager, der sollte sich besser nicht den nächsten Song anhören.

„The Plaque“ dürfte ebensolchen Zahnbelag recht brutal wegmeißeln. Geschickte Tempoübergänge; die tollen Gitarren von Patrick und Josef werden vom vulminanten Bass (Felix Haala) und dem hier überragenden Drummer Roman Lutz nicht nur ergänzt, sondern in die erste Liga der Metal Szene befördert.

„Stockholm“ überrascht etwas mit den Backroundvocals, welche ich jetzt zwar nicht als so gelungen ansehe, aber das ist dann auch schon der einzige Makel des Songs. Allein schon der Mittelteil dürfte klar machen, dass dieser Song eine sehr starke Liveausprägung hat. Also, wenn da mal nicht der Saal tobt und das Dach der Halle abhebt, wenn die Jungs dieses Teil live zocken.

„The Decision“ hält ebenso den hohen Standard der Band, wenngleich es mit diesem Song nicht gelingt, weitere Akzente zu setzen.

Nicht ohne Gesang kommt „The Pantomime“ aus, und das ist auch gut so. Kräftig frönt man dem Heavy Metal und fügt immer wieder Prisen des Thrashs hinzu. Leider folgt dann auch schon der letzte richtige Song: „Mirrored Twin“, welcher aber nochmal ein kleines Highlight setzt. Im forcierten Tempo hämmert man sich durch die Strophen, bevor dann pünktlich zum Refrain das Bremspedal betätigt wird. Richtig stark.

Um das Album ausklingen zu lassen, gibt es dann noch das Instrumental „Requiem“. Eine melodische Glanzleistung, welche trotzdem durch die zweite Gitarre und die Drums mit einiger Power versehen ist. Patrick Link hat hier dem Song nochmal einen kräftigen Stempel aufgedrückt.

Fazit: Gebissträger sollten, wenn sie diese Scheibe hören wollen, entweder auf Haftcreme der Sorte „extra stark“ umsteigen oder sich mit der Nahrungszunahme per Schnabeltasse anfreunden. Unglaublich, dass die Band noch keinen Plattendeal an Land ziehen konnte. Vielleicht haben hier aber auch nur einige Leute Sorge, es könnten bei der Musik zuviel Gegenstände zu Bruch gehen. Die Band schafft es auch mit einem Longplayer, sich ihren guten Ruf zu bestätigen. Wenn man doch nur mal eine Tour mit einer schon größeren Band auf die Reihe kriegen würde, dann gäb es wohl kein Halten mehr und der Durchbruch wäre nicht mehr abzuwenden.

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