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She Said Destroy: This City Speaks In Tongues

Schwer verdaulich, aber unglaublich vielschichtig
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Death Thrash Metal
Spielzeit: 40:57
Release: 27.02.2009
Label: Tabu Recordings / Soulfood

Die Norweger holen knapp drei Jahre nach ihrer Debutscheibe “Time Like Vines” erneut zu einem Schlag Extreme Metal aus, wie er mutiger, auf alle Konventionen scheißend, vielschichtiger, genreschrankenbrechender, wahnwitziger, spannender, komplexer und gott-weiß-nicht-noch-was nicht sein könnte.

Gerade die geniale Komplexität der Kompositionen macht es einem Rezensenten wirklich nicht einfach, das Material für den Leser in Worte zu fassen, weil einfach so vieles in den Stücken zu entdecken ist. Die Songs machen es einem sehr schwer, auf jeden einzelnen Twist and Turn gebührend einzugehen.

Als Hörer sollte man sich allerdings ganz und gar auf die Scheibe einlassen. Alles andere, wie ein Nebenher-laufen-lassen macht rein gar keinen Sinn, da man so lange nicht alle genialen Spielereien erfassen kann. Wem das zu viel ist und wer nur Easy-Listening-Musik sucht, der ist bei She Said Destroy definitiv an der falschen Adresse, das war bei der „Time Like Vines“ schon so und hat sich auch jetzt auf der „This City Speaks In Tongues“ nicht im Geringsten geändert, und what the hell, warum sollte es auch? Die „Time Like Vines“ hatte vor drei Jahren voll eingeschlagen und warum soll die Band das, was sie am besten kann, nun mit ihrem neuen Album ad acta legen?

Der Opener “This City Speaks In Tongues” zaubert dem Hörer erst einmal ein Schmunzeln ins Gesicht, denn gestartet wird hier mit einem Räuspern, dem das klangliche Inferno auf dem Fuße folgt. Danach geben sich ultraschnelle Passagen die Klinke in die Hand mit Riffmonstern, die sich im Midtempo einnisten und hier und da mit coretypischen Gitarrenklängen ausgekleidet werden.

Zunächst ungewohnt gesammelt begegnet uns danach “We Will Never Learn”, bis die verschrobenen und fast schon dissonanten Gitarren erklingen. Die Art und Weise, wie der progressive Part bar jeglicher Kompromisse in eine teuflisch schnelle Passage mündet, scheint den Jungs von She Said Destroy eigens in die Wiege gelegt zu sein. Wie dann der lediglich von den Gitarren getragene Schlusspart dran gehängt ist … bei manch anderer Band würde man sagen „das passt nicht“, aber hier passt es erste Güte.

Sehr rifforientiert präsentiert sich das thrashig angehauchte Stück “An Age Of Leeches“, das vom Songwriting her wieder sehr progressiv ausfällt oder auch für den ein oder anderen als zerfahren zu bezeichnen wäre.

“Tea And Toast At The Very End Of Time” ist ein Stück in allerbester She Said Destroy-Tradition, denn es beinhaltet diese der Band ureigene endzeitliche Stimmung und allein vom Tempo her werden hier wieder so viele verschiedenen Takte angeschlagen, dass es eine wahre Freude ist, dem Ganzen zu lauschen und dabei beim wieder und wieder Hören immer neue Aspekte auszumachen. Zudem gibt sich dieses Stück gitarrentechnisch für Bandverhältnisse auch noch ziemlich melodisch. 

Nicht, dass jemand dem Irrglauben erliegt, die Norweger würden nun im weiteren Verlauf des Albums das Tempo endgültig drosseln. Die Band lehrt mit der deftigen Death Metal-Dampfwalze „No Zen“ jeden eines Besseren. Das Riffing klingt wirklich fett.

Ganz leicht in die Punkecke geschielt haben die Jungs bei der Drumarbeit eingangs des Songs „I Love This Place”, auch wenn die Gitarrenarbeit diesen Eindruck nicht bestätigt. Dort gesellen sich wieder deftige Death Metal-Klänge zu progressiven Parts. Vom Tempo her gehen die Jungs den Weg von Doublebass-Parts bis hin zu Downtempo-Passagen. Das ist tatsächlich möglich.

Das Ergebnis des Songwritings ist in diesem Stück wieder einmal ebenso eindrucksvoll wie überraschend und hinterlässt nichts als tief beeindruckte Hörer.

Als reinrassiger Death Metal-Hassfetzen startet “Consider This A Warning”, bevor wieder der Anteil der progressiven Parts gnadenlos zuschlägt. Stimmlich bekommt man vom Fauchen bis zum tiefen Grunzen auch wieder eine Menge geboten. Zugegeben: Der eher Brutal Death Metal-like Part will zunächst nur schwerlich zu der Passage passen, in der das Tempo auf seiner ganzen Linie rausgenommen wird und nur die Gitarre mit Drum-Unterstützung zu vernehmen ist. Ganz vage kommen einem hier Gedanken an Trinacria in den Kopf, die es ähnlich gut verstehen, Breaks auf diese Weise zu kombinieren.

Die Zeit ist schnell vergangen, denn mit “Servitude” sehen wir uns mit dem letzten Stück des Albums konfrontiert. Lediglich Gitarrenklänge geben den Einstieg in den Song. Zu dem Zeitpunkt, an dem das Schlagzeug hinzukommt, könnte man fast meinen, es mit einer astreinen Doom-Kapelle zu tun zu haben. Das Stück bleibt auch weiterhin in diesem Tempo. Sehr eindrucksvoll wird auch das Zwischenstück des Songs gestaltet, denn ganz harmonisch erklingen zwei Gitarren mit Begleitung der Drums, bevor es danach noch einmal mit mehr Dampf vonstatten geht. 

Wovon der potenzielle Käufer letztlich oder vielmehr zuallererst am ehesten abgeschreckt werden könnte, ist allerdings das Coverartwork. Denn, zugegebenermaßen: Wer rechnet bei einem schwarzen Cover mit lediglich rosa Schrift und Bildchen schon mit einem Brocken von solch extremer Mucke? Andererseits: Nach dem starken Erstlingswerk „Time Like Vines“ war auf nichts anderes als dieses Ergebnis zu hoffen.

Fazit: Herrlich vielschichtig und komplex ist dieses Werk trotz seiner Härte ein unbedingter Kauftipp, dem man allerdings den ein oder anderen Durchlauf gönnen sollte, bis sich das Material in all seiner facettenreichen Vielfalt voll entfaltet. Alles in allem ist „This City Speaks In Tongues“ ein typisches She Said Destroy-Baby geworden, denn es fällt mir aufgrund der Einzigartigkeit der Norweger keine Band ein, auf die ich mich ansonsten beziehen könnte.

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