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She Said Destroy: Bleeding Fiction

Nichts für Fans kurzer Songs
Wertung: 7/10
Genre: Progressive Death Metal, Sludge, Post-Hardcore
Spielzeit: 26:57
Release: 13.01.2012
Label: Mas-Kina Recordings

Das letzte Mal hörte ich von She Said Destroy auf einem Flohmarkt. Ein Mann mit einem Tisch voller CDs drückte mir eine Promo-CD mit rosa-schwarzem Cover in die Hand mit dem Satz: „Hörste dir ma an, wa, sind echt gut.“ Hm. Man nimmt ja immer gerne Ratschläge von wildfremden Männern an, also wurde das Ding, „This City Speaks In Tongues“ mit Namen, eingetütet und daheim in die heimische Anlage gesperrt. Im jugendlichen Leichtsinn war die Playtaste schnell gedrückt und das Monster entfesselt. Was die Norweger damals, anno 2009, an Extreme-Progressive-Sonstwas-Metal entfesselten, bließ einem so richtig schön die Nebenhöhlen durch.

Knapp drei Jahre später meldet sich der norwegische Vierer mit der EP „Bleeding Fiction“ wieder zurück, die der Schreiberin dieser Zeilen nur in digitaler Form vorliegt. Das muss ich normalerweise nicht extra dazusagen, dieses Mal sind die Umstände aber etwas anders: Man öffnet den Ordner und findet ein einziges Lied plus das Coverbildchen und ein Bandfoto. Keinen Infozettel, kein gar nichts. Und dann ist das Lied auch noch fast 27 Minuten lang. Jesus fucking Christ, wer hat sich das denn ausgedacht?! Und vor allem: Wenn dieses eine Lied annährend so bretterhart daherkommt wie die Tracks auf dem Vorgänger, kann man sich gleich die Ohren an die Wand nageln.

Bei einem einzigen Song von einer halben Stunde Länge kann man schon mal durcheinanderkommen. Da muss hier nochmal zurückgespult, dort ein Tempowechsel genauer untersucht werden, aber vor allem muss man das Teil erstmal als Ganzes auf sich wirken lassen und das ist im ersten Moment gar nicht so einfach. Wesentlich ruhiger als noch 2009 kommt „Bleeding Fiction“ daher, was aber beim besten Willen nicht heißt, dass She Said Destroy dem Bastard aus Progressive, Thrash, Death, Black und Sludge entsagt hätten, der ihnen bisher immerhin eine treue Fanbase, wenn auch nicht den großen kommerziellen Erfolg erbracht hat.

Das Stück lässt sich verdächtig ruhig an – bedächtig schaukeln die Samples vor sich hin, bis nach sage und schreibe etwas über drei Minuten schließlich Schlagzeug und Gitarre einsetzen. Die Vocals, die sich Sänger Anders und Gitarrist und Keyboarder Snorre teilen, walzen passend dazu durch die Boxen; das Ganze wirkt eher wie eine leicht melancholische Variante des Post-Hardcore und viel weniger wie das extreme Geschredder, das vor nicht allzu langer Zeit noch vorherrschendes Element der Band war. Zwischendurch wird das Tempo mal angezogen, aber nie so, dass man es als rasant bezeichnen könnte. Eine durchaus bedrohliche Grundstimmung ist aber vorhanden, zumal der Bass nach knapp sieben Minuten wesentlich dominanter eingesetzt wird.

Also, eines muss von den Norwegern ja lassen: Sie verstehen in jedem Fall etwas von Songwriting. Von fast romantischen Instrumentalparts über tief gestimmtes Gitarrengeboller bis hin zu hysterischem Geschrei, das aber irgendwie immer im Rahmen bleibt und nie allzu chaotisch wirkt, hat „Bleeding Fiction“ so ziemlich alles, was man sich im Sludge- und Post-Hardcore-Bereich so wünschen kann. Einen Tick zu lang geraten ist das Teil aber trotzdem – fünf bis sechs Minuten weniger hätten es wahrscheinlich auch getan. Insgesamt ist „Bleeding Fiction“ also ein wenig befremdlich, aber wirklich gut geworden – Fans der Band, die mehr auf „This City Speaks In Tongues“ standen, dürften sich aber erst eine Weile reinhören müssen.

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