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Shattered Hope: Absence

Für ein Debüt in Eigenregie wirklich stark
Wertung: 8/10
Genre: Funeral Doom
Spielzeit: 63:03
Release: 30.05.2010
Label: Eigenproduktion

Du bist mal wieder so richtig mies drauf, weil deine Freundin dich verlassen hat? Weil du gerade deinen Job verloren hast, oder weil eine neuerliche Schreckensmeldung in den Nachrichten dich nicht zum ersten Mal an der Menschheit verzweifeln lässt? – Sollte dem so sein, ist es sicherlich nicht unbedingt empfehlenswert, das hier vorliegende Album „Absence“ der Griechen Shattered Hope aufzulegen, da dies nicht gerade sonderlich aufbauend wirken dürfte, sondern einen vielmehr noch tiefer in einen Strudel des Defätismus und der Depression hinunterzieht.

Schon der Bandname suggeriert, dass wir es hier mit Doom Metal zu tun haben, und nach ein paar Noten ist denn auch schnell klar, hier wird nicht nur Doom gespielt, sondern mit jedem einzelnen Ton zelebriert: Unheimlich zähflüssig, unheimlich langsam, unheimlich düster walzt sich „Absence“, dessen Kern das erste und das letzte Stück ist – beide Songs überschreiten die Zehn-Minuten-Marke deutlich, „The Utter Void“, der finale Track, dauert sogar 18 Minuten –, dahin, und man stellt sich unweigerlich die Frage, wie Menschen aus einem solch sonnigen Staat wie Griechenland derart schwermütige und hoffnungslose Musik komponieren können.

Im Gegensatz dazu überrascht es nicht so sehr, dass Shattered Hope bei ihren ersten Gigs, die sie nach ihrer Gründung im Jahre 2002 bestritten, unter anderem noch Cover von Paradise Lost und My Dying Bride zockten; gerade der Einfluss letzterer ist unüberhörbar, vor allem was deren Frühwerke „As The Flower Withers“ und „Turn Loose The Swans“ anbelangt. Frontmann Nick verwendet ausschließlich Growls – wenn man mal von einigen geflüsterten Vocals absieht, die in den wirklich schönen ruhigen Stellen hin und wieder auftauchen –, was das Ganze zwar noch düsterer macht, als es ohnehin schon ist, auf Dauer auf den ein oder anderen jedoch auch ein bisschen ermüdend wirken könnte.

Ohne Frage aber vermögen Shattered Hope es, eine pechschwarze und von Hoffnungslosigkeit gekennzeichnete Atmosphäre zu erzeugen. Die vereinzelt auftretenden Gitarrenharmonien und das effektiv eingesetzte Keyboard zeugen von Musikalität und Verständnis für Arrangements und auch solche Brocken wie „Amidst Nocturnal Silence“ und „The Utter Void“ sind trotz hauptsächlich vorherrschender Langsamkeit so aufgebaut, dass der Hörer bei der Stange gehalten wird. Hier sind Parallelen auch zu Mourning Beloveth nicht von der Hand zu weisen. Mit dem lediglich dreieinhalbminütigen „Yearn“, das sogar ein einigermaßen eingängiges Mainriff besitzt, hat man außerdem einen etwas schnelleren Song am Start – ähnlich wie My Dying Bride ja auch mit zum Beispiel „The Fever Sea“ auf „The Light At The End Of The World“ oder „The Forever People“ auf dem Erstling „As The Flower Withers“ je eine flottere Nummer unter den ganzen Doom-Dampfwalzen hatten, die die Death Metal-Wurzeln deutlicher zu Tage treten ließ.

Sehr gelungen ist auch „Vital Lie“, das in der Mitte mit einer geradezu besinnlich ruhigen Stelle aufwartet, die alsbald Platz für eine besonders böse Sequenz macht, die wie Black Sabbath in Zeitlupe klingt, auf die am Ende wiederum eine wunderschön traurige Passage mit My Dying Bride-mäßiger Geige und Klavier folgt. Auch das orchestrale „Lament In F# Minor“, welches das bereits erwähnte Epos „The Utter Void“ einleitet, weiß mit seinen Streichern zu gefallen.

Ganz klar: Diese Band versteht ihr Handwerk, weiß verschiedenste Doom-Einflüsse unter einen Hut zu bringen, glänzt mit wunderschönen, perfekt eingebauten ruhigen Stellen und sollte eigentlich kein Problem haben, bald ein Label zu finden, zumal auch die Produktion für ein in Eigenregie aufgenommenes Werk völlig okay ist. Klar ist aber auch: Shattered Hope sind wirklich sehr langsam, es erfordert also Geduld, sich in die CD hereinzuhören. Aber Doom war schon immer ein zweischneidiges Schwert: Der eine findet’s furchtbar langweilig, der andere schätzt es, sich in düster-melancholischer, pessimistisch-selbstmitleidiger Atmosphäre zu suhlen. Und fallenlassen kann man sich in dieses Album eindeutig wunderbar, wenn man sich auf die Stimmung einlässt.

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