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Sharon Next: Fast Farewell

Beeindruckend tiefgründiges New Wave-Album
Wertung: 8/10
Genre: New Wave, Synthpop, Alternative
Spielzeit: 55:02
Release: 09.07.2010
Label: Danse Macabre Records

Die Musik mancher Bands mutet so merkwürdig an, dass sie schon durch bloßes einmaliges Hören so etwas wie einen Kultstatus erreicht. The Cumshots mit ihrem zynischen Death’n’Roll sind für mich so eine Band, aber auch die New Wave/Alternative-Combo Sharon Next. Bisher ist das ursprüngliche Duo und jetzige Quartett an mir vorbeigegangen, aber ganz ehrlich: Wenn man die wehmütige Mischung aus Synthpop, Rock und New Wave mal gehört hat, kann man sich ihr so leicht nicht mehr entziehen – ähnlich wie bei The Cure, nur um einen weiteren Vergleich zu ziehen. Sänger Helmut Prixs hat zwar eine Stimme mit einem nicht ganz so hohen Wiedererkennungswert, dennoch spielt die Band einen unvergleichlichen Sound, der – ja, wir benutzen ein böses Wort – nahezu ergreifend daherkommt.

Bereits 1995 fanden Helmut Prixs und Tastenteufel Michael Ruin zusammen, Gitarrist Anton Ritter schloss sich an, das selbstbetitelte Debütalbum kam 2000, ebenso wie die Nachfolge-EP „The Forgotten Track“. Nach dem 2003er Album „Happiness For Hire“ gingen die Musiker getrennte Wege, bevor man sich fünf Jahre später wieder besann, mit Keyboarder Eric Lontra einen neuen Mann anheuerte und das Album „Embrance In Holyhead“ aufnahm. Mit dem aktuellen Output „Fast Farewell“ steht nun also bereits die fünfte Veröffentlichung ins Haus, gespickt mit traurigen Melodien, deprimierend offenen Texten auf Deutsch und Englisch – wobei man betonen muss, dass Herr Prixs der englischen Sprache Gott sei Dank mächtig ist – und fließendem Synthiesound.

Nun sind zwei Keyboards, eine Gitarre und ein Sänger nicht gerade eine konventionelle Bandbesetzung, aber besonders konventionell ist die Musik von Sharon Next ja auch nicht. Reinhören muss man sich erst ein wenig, bevor man die etwas eigentümliche Stimme und die vielen Anleihen an die Achtziger Jahre zu schätzen weiß, wobei man immer wieder an The Cure erinnert wird, die den Depri-Sound ja nahezu perfektionierten. Sharon Next schlagen nun also in eine ähnliche Kerbe – die meisten der Stücke wie das niederdrückende „Der Hase“ haben durchaus Ohrwurmcharakter, manchmal greifen die Männer aber auch ganz ordentlich daneben, so wie bei dem schwerst an die Achtziger erinnernden „Holyhead“, bei dem einfach eine zu große Portion Pathos hineingemischt wurde, oder dem irgendwie weihnachtlich anmutenden „Fine Lines“ – da haben die Männer es mit den Synthies wohl etwas zu gut gemeint.

Als grandiosen Gegenpart haben Sharon Next allerdings Perlen wie „Fairytale Romance“ in petto – hinter dem nichts Gutes verheißenden Titel verbirgt sich ein wunderbarer Song, der mit seinem leicht süßlichen Refrain an Blutengel erinnert, aber nie klebrig-kitschig daherkommt. „Death’s Bow“ entwickelt sich im Refrain zu einer tanzbaren, fast ein bisschen Industrial-haltigen Nummer mit ungewohnt stampfendem Beat. Fast noch genialer ist „Wünsche“, bei dem man Prinxs den Text „Ich wünsch dir die Hölle auf Erden“ sofort abkauft. Untermalt mit einem hypnotischen Beat und einer düsteren Gitarrenspur wünscht der Sänger einer vermutlich sehr realen Person mehr resigniert als aggressiv die Pest an den Hals und sein Tonfall macht das Ganze noch glaubwürdiger, erst recht, als ein Kinderchor im Refrain den Hintergrund beschallt.

„Outdoor Sex“ kommt, dem Namen entsprechend, wieder elektronischer daher, die unnachahmlich resignierte Tonlage hält sich den ganzen Song lang, während interessante bis lustige Keyboard-Einsprengsel das Ganze auflockern. Tanzflächentauglich ist der Song allemal, auch wenn die Stimmlage einen gar zu sehr runterziehen könnte. Ein letztes Highlight bietet „Ich Kann“, bei dem der Gesang zumindest in den Strophen eher in den Hintergrund tritt, dafür aber großartige Samples zum Einsatz kommen, die von harschem Electro-Geschredder überlagert sind. Der Song stellt einmal mehr klar: Sharon Next sind eher etwas für experimentierfreudigere Hörer, obwohl fast jeder Song auf „Fast Farewell“ nach ein paar Durchläuften Ohrwurmcharakter besitzt. Bis auf wenige Ausfälle sind die elf Stücke alle grandiose Kompositionen, manche komplizierter, manche simpler, aber nichtsdestoweniger sehr wirkvoll und intelligent arrangiert. Auch wenn sich nicht alle Stücke zum Tanzen eignen, dürfte die Platte bald in den Clubs rauf und runter gespielt werden.

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